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Alltag für Cellisten: “Ist das ein Maschinengewehr?”

Sie machen sich keine Vorstellung, wie oft man als Cellist folgende Situation erlebt:

Ich gehe durch die Stadt oder sitze in einem öffentlichen Verkehrsmittel und ein Kind zeigt mit dem Finger auf meinen Cellokasten und fragt seine Mutter: “Mami, was ist das?” Sehr oft hat die Mutter keine Ahnung (was ich ihr nicht allzu übel nehme, ich weiss ja auch nicht alles) und antwortet ihrem Kind: “Das ist eine Gitarre”. Nicht selten denkt sie aber auch, es sei eine “Bassgeige”. Fragt das Kind aber seinen Vater, dann ist die Antwort nicht selten: “Das ist ein Maschinengewehr”. Und der Vater freut sich dann laut lachend über seinen guten Witz. Eine häufige Variante davon ist, dass man spontan von wildfremden Herren angesprochen wird: “Haben Sie da ein Maschinengewehr drin?” Natürlich kennt jeder Cellist den James Bond Film, in dem ein Gewehr im Cellokasten transportiert wird und meiner Meinung nach ist es auch ein sehr guter Bond-Film. Aber als jemand, der sein Cello tagtäglich auf dem Rücken trägt, hört man diesen “Witz” so oft, dass es mich nicht erstaunte, als ich neulich ein von leidgeprüften Berufskollegen entworfenes T-Shirt mit folgendem Aufdruck sah: “Dies ist keine Gitarre, kein Kontrabass und kein Maschinengewehr. Nein, es ist ein Cello.”

Vielleicht spricht es sich ja mal rum, dass der Witz nicht mehr so originell ist.

Allerdings ist mir die Frage nach dem Maschinengewehr immer noch lieber als das, was ich neulich erlebt habe. Anlässlich einer Opernaufführung in einer ausrangierten Fabrik, in der das Publikum sich direkt neben dem Orchester aufhielt, kam ein älterer Herr auf mich zu. Mit dem Fingernagel seines rechten Zeigefingers hämmerte er energisch auf die Decke meines Cellos und fragte: “Was ist das?” Geschockt, dass jemand mein fragiles Cello so behandelt, reagierte ich nicht gleich und somit klopfte er erneut viermal auf mein Cello, wieder mit dem Fingernagel seines Zeigefingers und durchaus kräftig. Als ich dann endlich schaltete und ihm antwortete: “Das ist ein Cello”, gab er sich zufrieden und ging. Vermutlich hatte er gedacht, es sei ein Maschinengewehr.

One thought on “Alltag für Cellisten: “Ist das ein Maschinengewehr?”

  1. Auch ich kenne das Problem und höre mittlerweile meistens drüber hinweg.
    Dass unwissende Eltern das Instrument auf meinem Rücken für eine Gitarre halten, daran habe ich mich gewöhnt. Und wenn ich ehrlich bin, kann ich das sogar ein wenig nachvollziehen (auch wenn ich immer noch denke, dass allein die Größe des Cellos gegen “Gitarre“ ist)
    Was mir allerdings neu war: Auf die Frage seiner Tochter antwortete der Vater tatsächlich vollen Ernstes: Das ist eine Tuba! ;)

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