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Noch mehr Tipps fürs Celloüben

Vier Tipps, die zwar ein bisschen Zeit kosten, aber sehr viel bringen.

1. Übe auch die Pausentakte

Im Konzert oder in der Probe passierte es mir hin und wieder, dass ich mich in den Pausen verzählte oder bei einem Einsatz nicht ganz sicher war. Falls dir das auch passiert, versuche mal, beim Üben die Pausentakte nicht einfach zu überspringen, sondern durchzuzählen. Glaube mir, das ist gut investierte Zeit!

2. Übe auch die langen Töne

Mit langen Tönen verhält es sich wie mit Pausentakten: Kürzt man sie ab, so kann es passieren, dass man genau dort in Proben und Konzerten Fehler macht. Diese vermeintlich einfachen Stellen entpuppen sich dann als Fallen. Beim Üben also auch die Töne üben, welche einen oder mehrere Takte dauern, indem man sie in der vollen Länge spielt.

3. Übe im richtigen Tempo

Manchmal denkt man, dass man Zeit sparen kann, wenn man langsame Sätze und einfache Stellen in einem deutlich schnelleren Tempo spielt. Im Konzert merkt man dann aber oft, dass gerade langsame Sätze und einfache Stellen verunsichernd wirken können. Auch geht es in solchen Stellen darum, die richtigen Artikulationen, Klangfarben, Phrasierungen und Dynamiken zu spielen. Will man im Konzert sicher sein, muss man diese Stellen beim Üben mindestens im korrekten Tempo spielen und nicht einfach darüber hinwegeilen.

4. Übe das ganze Stück

Oft sieht man Stellen, die so einfach sind, dass man sie fast nicht üben will. Das Gefährliche daran ist, dass man erstens wie vorher erwähnt dann im Konzert genau in diesen Stellen unsicher ist und zweitens bei dieser Art zu üben nicht selten auch Stellen übersieht, die man sehr wohl üben müsste. Es zahlt sich aus, das ganze Stück zu üben.

Sich konzentrieren und nicht ablenken lassen

 

Beim Musikmachen ist Konzentration gefragt

Beim Musikmachen ist Konzentration gefragt

Beim Musizieren im Orchester ist es sehr leicht, viele kleine Flüchtigkeitsfehler anzuhäufen. Dies ist so, weil man selten ausreichend Zeit hat, richtig gründlich an den gespielten Stücken zu üben und sie folglich nicht auswendig kann. Man ist deswegen sehr stark von den eigenen Lesefähigkeiten, den musikalischen Reflexen und der guten Beherrschung des Instrumentes abhängig. Auch auf die Kammermusik kann dies indes zutreffen, da auch dort oft sehr effizient mit der knapp zur Verfügung stehenden Zeit umgegangen werden muss. Warum ist es nun aber so, dass es Musiker gibt, die pro Seite oft 1-2 Fehler machen (was ziemlich viel ist) und andere, welche im ganzen Konzert auf höchstens 2 kommen?

Konzentration
Weil sich letztere richtig gut konzentrieren können. Wenn sie das Podium betreten, schalten sie alle anderen Gedanken ab und denken an gar nichts mehr sondern lenken ihre gesamte Aufmerksamkeit auf die bevorstehende Aufgabe. Der Spruch: “Wenn du denkst, dass du denkst, dann denkst du nur, dass du denkst” trifft den Nagel auf den Kopf. Musik spielen hat mit denken nichts zu tun – wohl aber mit absoluter Konzentration. Und die ist lernbar. Vor allem muss man sie aber gezielt herbeiführen.

“Probenhygiene” oder sich nicht ablenken lassen
In einer Probe ständig unnötige und musikfremde Themen mit dem Pultnachbaren zu besprechen oder zu witzeln, lenkt die Gedanken von der eigentlichen Aufgabe ab. Wird die Musik vom Dirigenten angehalten ist es für mich besser, die Noten vor mir zu studieren und dem Dirigenten zuzuhören.
Andere Ablenkung in Probensituationen: Oft bewegt sich etwas im Zuschauerraum. Sei es ein Manager, der da mal eben in die Probe reinschneit oder ein Bühnentechniker, der seine Arbeit verrichtet und plötzlich im peripheren Blickfeld auftaucht. Das kann sehr ablenken. Dennoch sollte die Aufmerksamkeit stets den Noten und der Musik gelten.

“Konzerthygiene”
Auch während einem Konzert oder einer Opernaufführung ist es besonders leicht, sich ablenken zu lassen, indem man etwa oft ins Publikum schielt, um zu sehen, wer da so sitzt oder während der Oper auf die Bühne, um etwas von der Handlung mitzukriegen. Prompt verzählt man sich oder vergisst ein Vorzeichen. Es kann auch sehr ablenken, wenn jemand im Publikum mit Blitz fotografiert oder sich jemand mit einem Fächer Luft zuwedelt. Auch wenn man solche Situationen nicht ändern kann, kann man sich bemühen, trotzdem die ganze Aufmerksamkeit auf die Musik zu lenken.

Zum Thema Mitmusiker
Mit gewissen Musikern spielt es sich leichter als mit anderen, das ist für mich klar. Es gibt z. B. Musiker, mit denen es leicht ist, weil sie sehr aufmerksam sind und kaum Fehler machen und überdies gut vorbereitet sind. Mit anderen ist schwieriger, weil sie (zwar ohne Absicht) mit bestimmten Bewegungsabläufen, welche gerne ein bisschen zu früh oder zu spät sind, einen unerfahrenen Musiker recht erfolgreich stören können. Oder aber sie spielen gerne mal ein Haar zu früh, mal eine Spur zu spät. Oder sie haben eine schlechte Intonation. Das muss man sehr schnell erkennen und dann gezielt ausblenden, um sich auf andere Impulse von anderen massgebenden Stellen zu konzentrieren (eigene Konzentration, Dirigent (wenn er gut ist), eigener Stimmführer oder erste Pulte anderer Register, eigenes Gehör, die Erfahrung für das orchesterspezifische Timing etc.)

Private Sorgen…
…muss man sich beim Betreten des Konzertpodiums oder des Orchestergrabens für später aufheben.

Das kleine 1×1 der effektiven Kammermusik-Probe

Das Vector Quartet Luzern

Das Vector Quartet Luzern

Kaum ein Musiker, der nicht gerne Kammermusik spielt. Dennoch will das Zusammenspiel und die empfindliche Teamarbeit gelernt sein. Hier ein paar meiner Erfahrungen und Tipps.

1. Die eigene Stimme vorbereiten: 

Eine Kammermusikgruppe ist nur so gut wie der am schlechtesten vorbereitete Spieler. Jeder sollte seine Stimme daher sehr gut spielen können. Dies bedingt nebst üben auch das Hören von Aufnahmen und evtl. das Studium einer Partitur.

2. Kritikfähig sein:

Wenn man Kammermusik spielt, wird man von den Kollegen Feedback erhalten. Sie werden diesen oder jenen Ton zu hoch oder zu tief finden, sich die eine Phrase anders vorstellen, dich an bestimmten Stellen zu laut oder zu leise finden, rhythmische Mängel aufdecken wollen usw. Man darf diesbezüglich nie die Geduld verlieren und sollte niemals reflexartig zurückschiessen, sondern die Kritik zu verstehen versuchen, überlegen ob etwas daran ist und gegebenenfalls diskutieren. Wenn man kritikfähig ist, lernt man von den Kollegen und das ist das Wichtigste.

3. Zuerst vor der eigenen Haustüre kehren:

Bevor man man die anderen Kollegen im Ensemble kritisiert, sollte man selber seinen Job möglichst gut machen. Die Kollegen nehmen dann deine Vorschläge viel ernster, als wenn du wackelig vom Blatt spielst und dann deine Ideen über die Interpretation vorträgst.

4. Den anderen ihren individuellen Geschmack zugestehen:

Jeder Musiker hat seinen persönlichen Geschmack. Der eine spielt gern mit viel Vibrato, der andere eher mit wenig usw. Meine Devise ist immer: So lange es überzeugend ist, ist es gut, ganz gleich, ob es nun stilistisch gerade der aktuellen Mode entspricht. Vor man also die anderen auffordert, so oder anders zu spielen, sollte man sicher sein, dass man es nicht überzeugend findet. Man sollte selber flexibel sein und sich anpassen können, da dies auch eine grosse Qualität ist, die man bei sich fördern will. Ein guter Musiker kann sich vorstellen, eine Stelle auf ganz verschiedene Arten zu spielen.

5. Wenig und konstruktiv kritisieren:

Wenn man bei den anderen dann doch etwas kritisieren möchte, dann muss man sehr geschickt sein, da Musiker sensibel sind und verletzt reagieren können. Man sollte wie im Pädagogik-Unterricht gelernt zuerst Positives hervorheben und dann erst in Form eines Vorschlages den persönlichen Wunsch einbringen. Es ist ein Riesen-Unterschied, ob man sagt: “Der letzte Ton muss ohne Vibrato sein!” oder ob man sagt: “Darf ich etwas vorschlagen? Spielen wir doch versuchshalber mal den letzten Ton ohne Vibrato, das könnte an dieser Stelle ein schöner Farbwechsel sein.”

Zudem sollte man nicht zu oft kritisieren. Etliche Probleme lösen sich von selber oder sind dem anderen Musiker gar bewusst. Auch hat man mehr Chancen, erhört zu werden, wenn man nicht allzuviel sagt.

6. Mehr spielen als diskutieren:

Es ist meine Auffassung, dass in einer guten Probe viel mehr gespielt als diskutiert wird. Endlose Diskussionen über Bogenstriche, Dynamik usw. strapazieren die Geduld der Teilnehmer und bringen das Ensemble häufig nicht wirklich voran. Bei jeder Idee, die man hat, sollte man sich fragen: Ist es wirklich wichtig? Haben wir genug Zeit, das jetzt zu diskutieren?

7. Ausgerüstet sein:

Bei Proben und Konzerten einen Bleistift, Notenständer sowie einen Bodenschutz mitbringen, damit man effizient arbeiten kann.

8. Partitur dabei haben: Es ist unendlich angenehmer, schnell etwas in der Partitur zu kontrollieren, anstatt zu mutmassen, was die Kollegen wohl in ihrer Stimme haben und dann falsch zu liegen. Auf imslp.org findet ausser den Komponisten des 20. und 21. Jahrhundert fast alles, was man braucht – gratis.

9. Bei zu erledigenden Arbeiten mitanpacken: 

Geht es bsp. darum, Probenräume zu reservieren, Homepage zu erstellen, Werbung zu machen, einen Anruf zu tätigen, Kopien zu machen, usw. dann sollte man mitanpacken und Tätigkeiten, die man gut machen kann, machen. Es ist wirklich eine Teamarbeit und wenn jeder mithilft, dann sind die Resultate besser.

10. Unkompliziert sein:

Der ideale Kammermusiker ist einfach im Umgang, weil er gut gelaunt ist, vorbereitet, pünktlich, zuverlässig, terminlich so flexibel wie es im möglich ist und aufgrund seiner exzellenten musikalischen Fähigkeiten und Vorbereitungsarbeiten auch im Zusammenspiel keine Probleme macht. Das ist alles wichtig, weil solche Leute öfters angefragt werden als der ständig schlecht gelaunte, chronisch unvorbereitete Musiker mit jeweils mindestens 15 min Verspätung.