Live-Video: Kreutzer-Sonate in seltener Streichquartett-Version

Beethovens Kreutzer-Sonate ist ein Hit für Geige und Klavier. Am 14.2.2016 gelangte in der Kammermusikmatinee des Luzerner Sinfonieorchesters die wenig bekannte Version für Streichquintett zur Aufführung. Wer dieses Arrangement gemacht hat ist unklar. Aber die auf imslp.org verfügbaren Noten enthalten dermassen viele Ungereimtheiten und Fehler, dass meine Kollegen und ich zahlreiche Eingriffe in den Text und auch in die Noten sowie die teilweise gar in die Stimmenverteilung vornahmen. Das Endergebnis ist fast unsere eigene Version und scheint mir sehr überzeugend. Es musizieren mit mir exzellente Kollegen: Der 1. Konzertmeister des Berner Sinfonieorchesters Alexis Vincent sowie meine Kollegen aus dem Luzerner Sinfonieorchester (LSO): David Guerchovitch (2. Violine Solo im LSO), Alexander Besa (Solobratscher LSO) und Heiner Reich (Solocello LSO).

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Zeitmanagement-Tipps für Musiker

Eine Agenda führen

Es gibt ab und zu Leute, die keine Agenda führen und alle Termine im Kopf haben. Ich finde das immer erstaunlich um nicht zu sagen an der Grenze zur Unverantwortlichkeit. Wenngleich eine beeindruckende Gedächtnisleistung ist es doch sehr gefährlich und nicht nachahmenswert, weil es verheerende Folgen haben kann, wenn man einen wichtigen Termin vergisst. Und das Sprichwort “der schwächste Bleistift ist stärker als das beste Gedächtnis” darf man in seiner Wahrheit nicht unterschätzen.

Kein Double-Booking

Wenn man eine Agenda führt ist die Gefahr des Double-Bookings viel kleiner. Double-Booking oder zu deutsch “Doppel-Buchen” ist, wenn man in zwei Konzerten oder Proben gleichzeitig spielen sollte, also an zwei Orten gleichzeitig sein sollte, was natürlich nicht geht. Ein unverzeihliches Vergehen!

Nein sagen

Daraus resultiert, dass man Anfragen ablehnen muss, wenn man bereits anderweitig verplant ist. Auch muss man hin und wieder Anfragen negativ beantworten, weil man nicht jede freie Minute in einer Probe oder einem Konzert sitzen kann. Ab und zu muss man sich auch erholen, oder üben oder schlicht sein Privatleben führen.

Einmal angenommene Engagements nicht mehr absagen

Nur wenige Gründe rechtfertigen die Absage eines einmal angenommenen Engagements. Dazu gehört ein Todesfall oder Krankheit. Was nicht gut ankommt ist, wenn man ein Engagement absagen will, weil man in der Zwischenzeit ein “besseres” angeboten gekriegt hat. Es kommt deswegen schlecht an, weil sich dann jemand als zweite Wahl fühlt, was nicht schmeichelhaft ist. Wenn man das oft tut, wird man mit der Zeit nicht mehr angefragt werden. (Ich machte das nur einmal und beschloss: nie wieder. Man muss vorher entscheiden, ob man ein Engagement annehmen will oder nicht.)

Frühzeitig beginnen

Es zahlt sich immer aus, frühzeitig mit der Arbeit an Projekten zu beginnen. In einem ersten Schritt schätze ich immer ab, wieviel Übezeit ich für einen Stück ungefähr brauche und dann versuche ich, dementsprechend rechtzeitig zu beginnen. Wenn man zu spät beginnt entsteht sehr viel unnötiger Stress und die Qualität des Konzerts kann schlechter sein als üblich.

Täglich weiterkommen

Die beste Art sich als Musiker durchs Berufsleben zu schlagen besteht darin, am Instrument immer in Form zu bleiben. Man sollte jeden Tag Zeit finden nicht nur die Stücke, die im Orchester anstehen zu üben und zu lernen sondern auch individuell besser zu werden. Tonleitern, Etüden, Kammermusik, Solowerke und dazu selbstverständlich das Orchestermaterial eignen sich bestens um sich stets zu fordern und Fortschritte zu erzielen. So bleibt man immer vorne dabei.

Ausgeruht sein

Genug Schlaf während der Nacht ist für mich extrem wichtig und ich mache wenn es irgendwie geht auch einen Mittagsschlaf, weil man als Musiker auch abends sehr konzentriert arbeiten können muss.Müdigkeit sowie Unlust können da ein Problem sein. Auch fällt man ausgeruht bessere Entscheidungen in allen Bereichen… sei es musikalisch, zeitplanerisch oder wo auch immer.

Fokus

Menschen, die sich hinsetzen und fokussiert arbeiten kommen viel weiter als solche, die sich ständig ablenken lassen. Beim Cello üben ist das sehr manifest. Eine Pause nach 40 Minuten ist sicher richtig, aber wenn man ständig nach 10 Minuten wieder für eine halbe Stunde andere Sachen erledigt oder an den PC sitzt um schnell mal im Web ein bisschen rumzusurfen, so hat man am Ende des Tages das Cello zwar stets ausgepackt gehabt, wahrscheinlich aber kaum geübt.

Wegzeit/Reisezeit nicht unterschätzen

Gewisse Engagements machen einfach keinen Sinn, weil sie zu weit weg von zu Hause stattfinden oder der Reiseaufwand unverhältnismässig hoch ist. Orchestertourneen sind ein gutes Beispiel dafür. Ich mache nur welche mit dem eigenen Orchester, weil ich da keine Wahl habe und muss. Aber zweieinhalb Wochen lang weg von zu Hause sein, ständig extrem lange Flüge aushalten, davor im Flughafen rumsitzen, danach im Bus und dann ständig alle zwei bis drei Tage die Stadt wechseln… wenn Zeit kostbar ist, würde ich solche Engagements meiden, sofern ich die Wahl habe.

Auch für “normale” Proben und Konzerte in der Nähe muss man immer genug Wegzeit und ein bisschen Zeitreserve einplanen für Unwägbarkeiten wie Stau, Zugausfall oder Verspätungen berücksichtigen.

In der Nähe des Arbeitsortes leben

Hat man eine feste Stelle, dann zahlt es sich aus, wenn möglich in der Nähe zu wohnen. Die Zeit, die durch Pendeln verlorengeht ist nicht zu unterschätzen. Klar kann man während einer einstündigen Zugfahrt lesen, Musik hören, essen und ein paar andere Sachen machen. Aber zu Hause geht das alles auch und dazu noch viel besser. Vor allem kann man zu Hause üben. Eine Zeit lang arbeitete ich in Luzern, wohnte aber noch in Basel. Immer wenn ich in Luzern einfuhr dachte ich mir: jetzt fahren die Kollegen zu Hause los und ich bin bereits eineinhalb Stunden unterwegs – eine schwer erträgliche Vorstellung. Wir sind dann bald nach Luzern umgezogen, was die Lebensqualität enorm verbessert hat.

Presseartikel: “Heimspiel für zwei Freiburger Musiker” (Freiburger Nachrichten vom 2.5.2016)

Freiburger Nachrichten vom 2.5.2016:

Heimspiel für zwei Freiburger Musiker

Mit der vertrauten Klangwelt von Dvorak spielten sich zwei Freiburger Musiker am Freitagabend im Equilibre in die Herzen des Publikums: Jérôme Kuhn dirigierte das Prager Sinfonie Ensemble, Sebastian Diezig war Cello-Solist.
IRMGARD LEHMANN
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FREIBURG Die Abokonzerte im Equilibre sind gut besucht. Doch volles Haus wie am Freitag ist Ausnahme. Kein Wunder, wenn gleich zwei junge Musiker aus Freiburg den Ton angeben: Sebastian Diezig aus St. Ursen als Cellist und Jérôme Kuhn aus Villars-sur-Glâne als Dirigent, beide 33-jährig und beide mit Studium in Freiburg.
Der Abend stand ganz im Zeichen Dvoraks. Mit dem Cellokonzert und der 9. Sinfonie „Die Neue Welt“ präsentierte das Prager Sinfonie Ensemble eine innig vertraute Klangwelt. Das dritte Werk, die 9. von Dvorak, wurde denn auch zum Höhepunkt. Die Vertrautheit des 65-köpfigen Ensembles mit der musikalischen Sprache des tschechischen Nationalheiligen war vom ersten Moment an zu spüren. Unter der Leitung ihres Gründers Kuhn, der mit unprätentiösem Gestus agierte, zeigte sich das Ensemble äusserst leidenschaftlich. Allein dieses Largo, dessen schwermütiges Motiv die Oboistin immer wieder zart und mit unwiderstehlicher Klangfülle aufnahm. Man glaubte ein anderes Orchester zu hören als zu Beginn. Klang doch die einleitende Ouverture „Carnaval“ wenig überzeugend.
Die Begeisterung des Publikums hat das Orchester mit dem reisserischen „Slawischen Tanz“ von Dvorak freudig verdankt.
Subtiles Cello-Spiel
Gespannt wartete man auf den Auftritt von Sebastian Diezig, Solist im Dvorak-Cellokonzert, das als zweites Werk folgte. Ob ein Heimspiel schwierig ist? „Nein“, sagt er später. „Es ist viel stimulierender, vor Freunden zu spielen als vor Fremden.“ Diezig war denn auch ganz bei sich, interpretierte subtil, zurückhaltend, doch stets fein nuancierend und transparent. Schade nur, dass das Orchester bzw. Klarinette und Querflöte bisweilen zu laut agierten. Mit einem Solostück, der Sarabande aus Bachs 1. Suite, als Zugabe erntete Diezig nochmals viel Applaus.
In Prag ein Orchester gründen – wie kommt ein 33-jähriger Freiburger Pianist dazu? Vor vier Jahren habe er die Prager Philharmonie dirigiert, und da habe sich mit dem Oboisten eine Freundschaft entwickelt, erzählt Kuhn bei der Apéro-Runde  nach den Konzert. „Projekt-Anfragen haben uns dann motiviert, 2013 eine kleine Projekt-Formation zu gründen, die aber immer grösser geworden ist.“ Ein mutiges Unterfangen!

Dvorak-Cellokonzert in Fribourg am 29.4.16

Ursprünglich wollte Antonin Dvorak (1841-1904) kein Cellokonzert schreiben, weil er angeblich fand, dass das Cello ein Stück Holz sei, das in den unteren Lagen brumme und in den oberen kreische. Er schrieb dann trotzdem eins – und was für eins! Aus heutiger Sicht ist es vermutlich das wichtigste Konzert im Cellorepertoire und sicherlich Dvoraks bedeutendstes Instrumentalkonzert. Es ist eine für sein Spätwerk typische, sehr interessante Mischung aus böhmischen und amerikanisch-indianischen Melodien (Dvorak war als Direktor des New Yorker Konservatoriums ein Heimweh-Tscheche), die mit den Reiz dieser Komposition ausmacht und beim Publikum immer Anklang findet. Im Werk von 40 min Gesamtlänge “glückte die schier perfekte Balance zwischen Virtuosität und inhaltlichem Anspruch”, wie Klassik.tv treffend schreibt.

Am 29. April 2016 um 20h00 haben Sie nun Gelegenheit, dieses wunderschöne Stück live in Fribourg im Equilibre zu hören. An ebendiesem Abend wird wird das monumentale Werk von zwei weiteren Dvorak-Hits umrahmt: Der Karneval-Ouvertüre und seiner Sinfonie Nr. 9 “Aus der neuen Welt” (welche aus dem Klassikbetrieb auch nicht mehr wegzudenken ist). Bei dieser reinen Dvorak-Programmierung ist es besonders erfreulich, dass mit dem Prague Symphonic Ensemble ein Orchester von Dvoraks Landsleuten zu Werke gehen wird. Dirigent ist der Fribourger Jérôme Kuhn und den Cellopart im Dvorak-Konzert übernehme ich.

Weitere Infos gibt es bei der Société des Concerts de Fribourg.

Ich hoffe, dass auch Sie sich für dieses Programm begeistern lassen!

Bis bald und herzliche Grüsse,

Sebastian Diezig

P. S.: Hier die Aufnahme des Dvorak-Konzerts aus dem Jahr 2013…damals mit Alexandru Ianos und seinem Orchestre de la Ville et de l’Université de Fribourg.

Piatti kleineres Titelbild

Das Piatti-Projekt: Caprice Nr. 7 von 12

Zum hören schnell, leichtfüssig und harmlos: Ein typisch italienisches Musikstück halt, diese siebte Caprice von Alfredo Piatti. In technischer Hinsicht aber erstaunlich schwer zu spielen, da es viele Töne sind, die alle sauber in die arpeggierten Akkorde eingegliedert werden sollten.

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Demut

Wenn einen der Musikerberuf etwas ganz bestimmt lehrt, dann Demut. Wohl macht man immer kleine Fortschritte und erzielt beachtliche Ergebnisse. Aber in einer Branche, in der die Ansprüche sehr hoch sind, Bestleistungen gerade gut genug sind und die Erbringung solcher als selbstverständlich erachtet wird, muss man sich immer wieder kleine Fehler eingestehen. Man trifft den einen Ton nicht, man verschläft einen Einsatz. Man liest einen Rhythmus falsch. Man kann immer eine Entschuldigung suchen und finden. Da wären die Umstände, das Licht, die Temperatur, der Dirigent, der Saal usw. Aber letztendlich kann man es sich in diesem Hochleistungsbereich kaum erlauben, eigene Fehler zu ignorieren, weil man sonst eines schönen Tages merkt, dass man nicht mehr auf der Höhe ist.

Jedenfalls mache ich bei fast jedem Konzert eine Tonaufnahme, welche ich nachher abhöre. Und es ist einfach erstaunlich, wie meine Wahrnehmung während dem Konzert abweichen kann von dem was ich nachher auf der Aufnahme höre – und zwar im Guten wie im Schlechten.

Oft ist man positiv überrascht wenn man etwa dachte, dass ein Konzert nicht so toll war, beim Hören der Aufnahme aber merkt, dass es ja im Grunde genommen gar nicht so übel war.

Es kommt aber genauso oft vor, dass man im Konzert meinte genau den richtigen Klang für das Cellosolo gefunden zu haben, später beim Abhören der Aufnahme aber beispielsweise über die Amplitude des Vibratos und die dem Klang zu Grunde liegende Bogenführung geschockt ist.

Oder man stellt fest, dass man im Konzert fast immer zu leise war resp. die anderen zu laut. Im nächsten Konzert gibt man dann alles was das Cello klanglich hergibt, merkt danach aber, dass man nun häufig selber zu laut war oder die Klangschönheit gelitten hat und man folglich überkompensiert hat.

Viele verzichten darauf, sich selber aufzunehmen und verlassen sich aufs Gefühl und auf die Rückmeldungen der Kollegen und des Publikums. Das wäre natürlich bequem, weil man dann nicht immer die Aufnahmeausrüstung mitschleppen müsste. Doch gerade die kleinen Fehler, die man bei sich selber entdeckt und auf die einen oft niemand aufmerksam macht sind ein sehr wichtiger Grund, warum man sich aufnimmt. Wie will man ein Problem bekämpfen, das man nicht als solches wahrnimmt? Ich möchte den Luxus einer Aufnahme nicht missen, weil sie hilft, sich auf dem Weg zum richtig guten Musiker zu orientieren und schlicht Demut lehrt, welche hoffentlich unangenehmen Grössenwahnfantasien vorbeugt.

 

FriCelli-Konzert in Château d’Oex (Video-Playlist)

Am 1.10.2015 spielte ich zusammen mit meinen Fribourger Kollegen im Cellooktett “FriCelli” in Château d’Oex im Festival “le Bois qui chante”. Hier können Sie das ganze Konzert sehen.

Cello Ensemble FriCelli (Fribourg, Switzerland)
Live Recording from concert in Château d’Oex on October 1, 2015

Cellists:
Sebastian Diezig
Pierre Bernard Sudan
Justine Pelnena Chollet
Sébastien Breguet
Nicolas Jungo
Noémie Grandjean
Diane Déglise
Simon Zeller

Wo habe ich meine Noten? (Photo by Charly Rappo)

Das perfekte Cello…

In meinem Leben habe ich bereits auf zahlreichen Instrumenten spielen dürfen. Fünf habe ich selber besessen, eines wurde mir für ein Jahr zur Verfügung gestellt und viele mehr habe ich ausprobiert. Es waren Celli in allen Preisklassen (9500 – 1’000’000 SFr) wobei ich die Instrumente im sechsstelligen Preisbereich nicht gekauft hatte, sondern sie mir längerfristig zur Verfügung gestellt wurden. Das Millionencello (ein Gofriller) habe ich nur beim Verkäufer ausprobiert.

Jedes einzelne dieser Instrumente hatte seine Stärken, aber eben auch seine Schwächen. Ich bin versucht zu schreiben, dass es das perfekte Cello gar nicht gibt, habe aber natürlich nicht alle Celli dieser Welt ausprobiert.

Was wäre denn überhaupt ein perfektes Cello? Meine Wunschliste ist wie folgt:

Das Cello…

  1. hat einen schönen Klang,
  2. eine schnelle und unkomplizierte Ansprache,
  3. einen grossen Klang und/oder eine durchsetzungsfähige/obertonreiche Klangfarbe (was nicht das gleiche ist),
  4. einen bezahlbaren Preis,
  5. ist in gutem Zustand
  6. sieht schön aus
  7. stammt von einem namhaften Geigenbauer
  8. ist finanziell gesehen eine gute Investition

Bislang ist mir kein Cello untergekommen, das alles konnte.

Gewisse Eigenschaften scheinen zudem im Widerspruch zueinander zu stehen. So hat ein lautes Cello oft nicht den allerschönsten Ton. Umgekehrt haben leisere Celli oft eine sehr schöne Klangqualität. Eine andere Eigenschaft, die man sich wünscht ist ein durchsetzungsfähiger Klang. So ein Klang ist aber normalerweise obertonreich, was manche Leute als “schrill” bezeichnen würden und somit nicht als schönen Klang.

Aber gehen wir doch nun meine Wunschliste der Reihe nach durch und ich gebe meine Meinung dazu.

  1. Schöner Klang: In der Tat ist ein schöner Klang eine sehr wünschenswerte Eigenschaft. Was gefällt ist wie bei allem Geschmacksache und individuell verschieden. Aber ich denke, dass die meisten Musiker einen warmen, weichen, runden und komplexen Klang schätzen. Auf der andere Seite ist ein solcher Klang meistens nicht sehr durchsetzungsfähig und trägt eher schlechter als ein heller Klang. Zudem macht der Musiker und nicht das Cello den Klang. Ich will damit sagen, dass ein Cellist jedem Cello seinen Stempel aufdrückt und im Endeffekt auf jedem Instrument gleich klingt. Die Unterschiede von einem Cello zum anderen sind wirklich minimal und wenn man so ein Experiment durchführt, so merkt man, dass ein Super-Cellist auf jedem Cello sein Klang-Ideal reproduziert, egal wie gut oder schlecht das Instrument ist. Es gibt indes aber Instrumente, die einem mehr entgegen kommen als andere und solche, auf denen man härter arbeiten muss, um seine Vorstellung zu verwirklichen. Und natürlich sind erstere zu bevorzugen. Schliesslich gibt es auch ein paar schlichtweg fürchterliche Celli, die man gar nicht spielen will. Aber selbst darauf würde ein guter Cellist in der Not erstaunlich schön spielen.
  2. eine unkomplizierte Ansprache: Für mich ist das eine der wenigen objektiv feststellbaren Eigenschaften. Es gibt Instrumente die beim Streichen mehr Nebengeräusche erzeugen als andere. Eine gute Ansprache ist etwas, worauf ich immer Wert lege, weil man einfach weniger Stress hat, wenn ein Ton zuverlässig frei von Nebengeräuschen erzeugt werden kann. Manchmal spielt hier auch der Bogen ein Rolle, nämlich wenn man neue Haare hat, welche noch nicht gleichmässig und richtig einkolofoniert sind, dann pfeift es mehr als üblich. Aber in der Regel ist das Cello der Hauptfaktor.
  3. einen grossen oder durchsetzungsfähigen Klang: Ich brauchte lange, bis ich realisierte, dass es nicht unbedingt das selbe ist. Natürlich wird ein Cello, das richtig laut ist, sich immer durchsetzen können und das ist auch eine tolle Eigenschaft, welche ein Cello haben kann! Aber wenn ein Cello auf dem Dezibel-Messgerät gemessen etwas leiser ist, so kann es sich vielleicht mit einem helleren, obertonreichen Klang retten, welcher im Saal gut trägt. Das ist dann vielleicht nicht immer der allerschönste Celloklang, aber manchmal geht es nur darum, dass man das Cello überhaupt hört. Nicht umsonst spielen viele Solisten mit einem belgischen Steg, welcher mehr Obertöne erzeugt und auch nicht umsonst spielt man wenn man laut sein muss nahe am Steg, wo mehr Obertöne erzeugt werden.
  4. Bezahlbarer Preis: Die Budgets sind von Person zu Person verschieden aber es gibt Celli, die nur noch Multimillionäre bezahlen können. Ich würde nie Schulden machen, um ein Cello zu kaufen. Man sollte einfach so lange suchen, bis man ein bezahlbares Cello findet, das einem gefällt. Warum: Es kann durchaus passieren, dass man nach ein paar Jahren ein Cello wieder verkaufen will. Wenn es dann einen exorbitant hohen Preis hat, so ist der Kreis potenzieller Käufer kleiner und es ist schwieriger abzustossen wohingegen ein bezahlbares und gutes Cello einfacher verkauft werden kann. Und zweitens kann man sich fragen, ob man diese hohen Preise tatsächlich unterstützen will. Es ist schon fragwürdig, dass die Preise immer weiter steigen weil sich Musiker in Schulden stürzen, welche sie dann über Jahrzehnte abstottern. Vielleicht steigen die Preise für namhafte Geigenbauer tatsächlich immer weiter aber man muss wissen, dass es auch Instrumente gibt, die bezahlbar sind und trotzdem exzellent sind.
  5. Der Zustand eines Instrumentes sollte gut sein. Natürlich kann man Stimmrisse sehr gut flicken aber so ein Cello ist immer schwieriger zu verkaufen, weil jeder Interessent (wahrscheinlich zu Recht) skeptisch ist. Auf der anderen Seite kann kein altes Cello mit dem Zustand eines neuen Instrumentes konkurrieren weil jedes ältere Exemplar hier und da ein paar Risse hat. Die Frage ist aber wo (nicht überall ist ein Riss gleich schlimm) und wie viele.
  6. Sieht schön aus: Ein optisch schönes Cello mit spektakulärem Holz und fantastischem Lack sowie schönen Formen usw. ist natürlich immer eine Freude. Aber in erster Linie muss es als Musikinstrument gut funktionieren (Klang, Ansprache, Zustand). Wenn es dann auch noch toll aussieht – umso besser.
  7. Namhafter Geigenbauer: Wer möchte nicht ein Cello von Stradivari, Gofriller, Montagnana, Vuillaume usw.? Leider rangieren diese Instrumente preislich zwischen extrem teuer bis unbezahlbar. Und auch wenn der Wert solcher Instrumente in Zukunft noch weiter steigt: Es gibt auch günstigere Instrumente, welche toll klingen und noch wichtiger: Es gibt bei den berühmten und extrem teuren Instrumenten auch solche, die nicht so toll sind. Der Wert dieser teuren Instrumente wird in erster Linie durch Angebot und Nachfrage bestimmt wobei nicht nur Musiker sondern auch Spekulanten mit viel Geld die Preise nach oben beeinflussen. Auf der anderen Seite sind diese Instrumente vor allem geschätzt, weil sie durch ihre schöne Bauweise Meilensteine im Geigenbau sind. Ob sie gut klingen und funktionieren muss man dann trotzdem im Einzelfall eruieren und es spielt bei der Preisansetzung eine sehr untergeordnete Rolle.
  8. Gute Investition: Ideal wäre es natürlich, wenn man ein Cello kauft und es zum Zeitpunkt der Pensionierung ein Mehrfaches wert ist. Aber irgendwo finde ich diese Entwicklung auch ein wenig ungesund. Aber natürlich ist sie unvermeidbar, weil ein paar sehr berühmte Geigenbauer (Stradivari und Co.) finanziell völlig ausser Reichweite sogar der bekanntesten Solisten gelangen und dadurch andere, etwas weniger bekannte Top-Geigenbauer entdeckt werden, welche dann auch wieder eines Tages sehr teuer werden. Wie schon gesagt finde ich, dass man einfach ein sehr gutes Instrument finden sollte, das man ohne Schulden bezahlen kann und von dem man denkt, dass man es eines Tages ohne Verlust verkaufen kann (der Kaufpreis also fair ist).

 

Schumann und Martinu in Fribourg

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Bohuslav Martinu (1890 – 1959)

Am Freitag, dem 8.1.2016 um 12h15 spiele ich in Fribourg im Lunch-Konzert des “Centre le Phénix” zusammen mit dem Pianisten Jean-Claude Charrez ein kurzes aber interessantes Konzert: Wir beginnen mit Robert Schumanns “Adagio und Allegro” und spielen als zweites Stück Bohuslav Martinus “Rossini-Variationen”.

Die beiden Komponisten könnten unterschiedlicher kaum sein: Schumann, das Genie der Romantik und Martinu, der eklektische Komponist aus dem 20. Jahrhundert, der vom Jazz genauso beeinflusst zu sein scheint wie von der gesamten klassischen Musik. Das Schumann-Stück wollte ich schon seit langem mal in einem Konzert spielen, weil vor allem der unfassbar schöne Adagio-Teil zu Beginn vermutlich mit etwas vom Genialsten ist, was dieser Mann je komponiert hat. Der darauffolgende Allegro-Teil ist packend und schwungvoll, wenn auch leicht repetitiv. Original wurde das Stück fürs Horn komponiert weswegen es in der für Cello unbequemen Tonart As-Dur geschrieben ist, was bei Schumann einer doppelten Strafe gleichkommt, weil seine Stücke so oder so unbequem genug zu spielen sind.

Auch die Rossini-Variationen von Martinu wollte ich seit langem lernen. Sie haben mir schon immer gefallen – insbesondere wegen der schönen langsamen Variation, welche inmitten dieses quirligen und virtuosen Werks eine wunderbare Ruhe ausstrahlt.

Ich freue mich sehr auf das Konzert und noch mehr, wenn Sie dabei sind!

Luftbefeuchter

Erinnerung: Heizsaison/Luftbefeuchter

Am 12. November des letzten Jahres schrieb ich darüber, dass man in der Heizsaison gut daran tut, im Instrumentenzimmer einen Luftbefeuchter zu benützen. Diese Periode ist nun wieder gekommen.

Damp-it?

Damals wusste ich noch nicht so recht, was ich zum Thema Damp-it schreiben soll. In der Zwischenzeit habe ich mir eins zugelegt. Meine Einschätzung ist, dass es richtig angewendet eine gute Sache ist. Vermutlich ist sein Einfluss klein und ich würde es nicht als einzige Massnahme anwenden sondern nur als Ergänzung zum heimischen Luftbefeuchter. Aber wenn man beispielsweise viel in trockenen Räumen probt oder oft mit dem Cello in den bekanntermassen sehr trockenen Flugzeugen reist, ist es die einzige Lösung und als Ergänzung zum heimischen Luftbefeuchter sinnvoll.

Vor Auspacken das Cello Zimmertemperatur erreichen lassen

Die andere Sache, die mir im Winter wichtig scheint: Wenn man mit dem Cello in der Kälte war und anzunehmen ist, dass das Cello daher sehr stark abgekühlt ist, so würde ich vor dem Auspacken ca. fünf Minuten warten, um das Cello langsam Zimmertemperatur erreichen zu lassen. Ansonsten kann sich Kondenswasser auf dem Instrument bilden, was nicht gut ist. Auch ist ein abrupter Temperaturwechsel ein Schock, den man dem schönen und sensiblen Instrument ersparen will.