{"id":148,"date":"2012-03-19T17:50:58","date_gmt":"2012-03-19T15:50:58","guid":{"rendered":"http:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/?p=148"},"modified":"2014-07-26T20:22:08","modified_gmt":"2014-07-26T18:22:08","slug":"warum-komponieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/warum-komponieren\/","title":{"rendered":"Warum komponieren?"},"content":{"rendered":"<p>Aus meiner Sicht ist es f\u00fcr jeden guten Musiker ein Plus, wenn er auch selber komponiert. Einerseits hat er so etwas ganz Spezielles in seinen Konzerten zu bieten und andererseits verf\u00fcgt er dann nicht nur \u00fcber die Perspektive des Interpreten, sondern auch \u00fcber die eines Komponisten.<\/p>\n<p><strong>Die Komponisten-Perspektive erweitert den Horizont<\/strong><\/p>\n<p>Ich selber bin ein Gelegenheitskomponist und schreibe f\u00fcr den Eigengebrauch. In den letzten f\u00fcnf Jahren habe ich 2 St\u00fccke f\u00fcr Solocello (<a title=\"Video: Sebastian Diezig: Blues for cello solo (2007)\" href=\"http:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/video-sebastian-diezig-blues-for-cello-solo-2007\/\">Blues<\/a>, 2007\u00a0&amp;\u00a0<a title=\"Video: Sebastian Diezig: Top Gun Variations for cello solo (2012)\" href=\"http:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/video-sebastian-diezig-top-gun-variations-for-cello-solo-2012\/\">Top Gun Variations<\/a> 2012) sowie eine Kadenz f\u00fcr das Haydn C-Dur-Cellokonzert und eine f\u00fcr ein Boccherini-Konzert geschrieben. Trotz meines quantitativ sehr bescheidenen &#8220;Outputs&#8221; hat sich f\u00fcr mich dadurch der Horizont beim Interpretieren merklich erweitert. Ich sehe den Notentext anders seit ich komponiere, n\u00e4mlich auch durch die Brille eines Komponisten. Als Komponist weiss man, dass es sehr viele M\u00f6glichkeiten gibt, eine Stelle niederzuschreiben. In der Tat ist man st\u00e4ndig zwischen sehr vielen M\u00f6glichkeiten am entscheiden. Es ist f\u00fcr mich beim Interpretieren zwar interessant zu sehen, wie ein Komponist etwas niedergeschrieben hat. Aber viel wichtiger ist f\u00fcr mich die Frage: Was wollte er als Klangresultat? Und dazu muss man manchmal den Text eben nicht gar zu orthodox lesen, sondern gewissermassen zwischen den Zeilen um zu verstehen, welche Entscheidungen er getroffen hat und warum. So gesehen erlaubt ein Notentext oft viele Lese-M\u00f6glichkeiten. Allzuoft erlebe ich aber, dass Musiker etwa \u00fcber bestimmte Bogenstriche diskutieren (&#8220;es steht doch so drin!&#8221;). F\u00fcr einen Komponisten ist es jedoch nur wichtig, dass etwas gut klingt. War er bsp. ein Pianist, so wird er oft Phrasierungsb\u00f6gen schreiben, die man sicher nicht immer als Bogenstriche interpretieren darf.<\/p>\n<p>Weitere Vorteile kommen hinzu: Man sieht, wie schwer es ist, ein gutes Werk zu schreiben und hat mehr Respekt vor jedem Komponisten. Und man analysiert Musik mit mehr Kompetenz und merkt hier und da auch bei grossen Komponisten, dass bei ihnen die Inspiration nicht immer gleich gut war. Um jedoch von allen &#8220;Benefits&#8221; des Komponierens zu profitieren, ermuntere ich jeden Musiker, selbst zu komponieren, denn es ist ein sicherer Weg, um mehr \u00fcber Musik zu lernen.<\/p>\n<p><strong>Grosse Musik stammt aus der Feder komponierender Musiker<\/strong><\/p>\n<p>Ein anderer Punkt ist der, dass meiner Meinung nach heutzutage zu viele Komponisten nur komponieren und selber vielleicht nicht mal ein Instrument beherrschen mindestens aber nicht konzertieren und auf der anderen Seite viele Musiker zwar supergut spielen, aber nie etwas selber schreiben. Mir scheint, dass das eine nicht ohne das andere geht. Nehmen wir jeden grossen Komponisten der Vergangenheit: Brahms, Bach, Beethoven, Liszt, Chopin, Boccherini, Paganini etc. Sie waren nicht nur grosse Komponisten, sondern auch grosse Interpreten. Weil sie ihre Werke selber im Konzert auff\u00fchrten, hatten sie sehr hohe Qualit\u00e4tsanspr\u00fcche an ihr kompositorisches Schaffen, bestimmt nicht zuletzt, weil sie sich nicht blamieren wollten. Im Gegensatz dazu steht die Musik der zeitgen\u00f6ssischen Nicht-Musiker-Komponisten: laut, grob, dissonant und un\u00e4sthetisch.<\/p>\n<p>Ich wage zu behaupten, dass die wirklich grosse Musik auch heutzutage von den Leuten geschrieben wird, die selber konzertieren. Warum nicht z. B. von dir?<\/p>\n<p>Siehe auch: &#8220;<a title=\"Der Do-it-yourself-Musiker\" href=\"http:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/der-do-it-yourself-musiker\/\">Der Do-it-yourself-Musiker<\/a>&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus meiner Sicht ist es f\u00fcr jeden guten Musiker ein Plus, wenn er auch selber komponiert. 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