{"id":152,"date":"2012-04-01T17:53:31","date_gmt":"2012-04-01T15:53:31","guid":{"rendered":"http:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/?p=152"},"modified":"2013-08-30T11:34:14","modified_gmt":"2013-08-30T09:34:14","slug":"superstar-karriere-teil-1-von-2-gibt-es-rezepte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/superstar-karriere-teil-1-von-2-gibt-es-rezepte\/","title":{"rendered":"Superstar-Karriere, Teil 1 von 2: Gibt es Rezepte?"},"content":{"rendered":"<p>Um es vorweg zu nehmen: Ich glaube nicht, dass es Rezepte mit Erfolgsgarantie gibt. Es kann schlichtweg nicht jeder ein Superstar sein &#8211; die Pl\u00e4tze an der Sonne sind zu rar, die Demographie spricht dagegen. Vermutlich ist die Bezeichnung &#8220;Superstar&#8221; f\u00fcr klassische Musik ohnehin etwas \u00fcbertrieben, da ein klassischer Musiker auch in extremen F\u00e4llen nie gleich bekannt sein wird wie zum Beispiel Barack Obama oder Tina Turner.<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zum Thema. Ich selbst geh\u00f6re bekanntlich nicht zum erlesenen Kreise der Klassik-Superstars weshalb ich nicht f\u00fcr die 100-prozentige Richtigkeit der hier aufgestellten Thesen garantieren kann. Dies sind bloss meine Beobachtungen und Einsch\u00e4tzungen.<\/p>\n<p><strong><strong><strong><strong>Top-Solisten brauchen keine Wettbewerbserfolge<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Die meisten grossen Solistenkarrieren wurden nicht an einem internationalen Wettbewerb gestartet. Warum? Aus meiner Sicht ganz einfach: Wenn junge Musiker an einem Wettbewerb teilnehmen, sind sie zwischen 20 und 25 Jahre alt. Die Wettbewerbsteilnehmer sind Leute wie du und ich: Begabt, aber ohne ein Umfeld, dass schon fr\u00fch alles auf eine Solistenkarriere &#8220;vorspurt&#8221;. Die zuk\u00fcnftigen Stars hingegen werden fr\u00fch von ihren (Musiker-)Eltern auf die Realit\u00e4t vorbereitet (\u00fcben, \u00fcben, \u00fcben, gute Lehrer suchen und finden, und vor allem: Konzerte finden\/organisieren sowie Klinken putzen&#8230;) Wie dem auch sei: Zum Zeitpunkt, zu dem die Leute wie du und ich dazukommen, Wettbewerbe zu bestreiten, haben die zuk\u00fcnftigen Superstars bereits 5-10 Jahre mit anfangs kleinen und dann graduell immer gr\u00f6sseren Konzertengagements hinter sich und brauchen gar keinen Wettbewerb mehr um ihre Karriere zu lancieren, da sie schon viel weiter sind. Wettbewerbsgewinner haben zwar ihren Preis und gehen nicht leer aus, da sie bestimmt grosse Fortschritte gemacht haben und vielleicht auch ein paar Konzerte kriegen &#8211; die zuk\u00fcnftigen Super-Stars haben aber bereits Konzertengagements, einen gewissen Bekanntheitsgrad, Kontakte und grosse Erfahrung.<\/p>\n<p>(Bemerkung am Rande: ich bin recht froh, dass meine Eltern mir meine Kindheit und Jugend gelassen haben. Auch so ist mein jetziges Musikerleben spannend und auch unter den so genannten &#8220;Wunderkindern&#8221; schafft es bei weitem nicht jedes zur Weltkarriere &#8211; sprich: sie sind dann am Ende gleich weit wie du und ich, m\u00f6glicherweise aber mit einem \u00fcblen Knacks, weil sie es nicht geschafft haben. Vermutlich h\u00e4tte ich aufgeh\u00f6rt Cello zu spielen, wenn man mich dazu gezwungen h\u00e4tte. Der grosse Dirigent Georg Solti soll \u00fcbrigens sinngem\u00e4ss gewarnt haben, dass Eltern, welche ihre Wunderkinder &#8220;pushen&#8221; in 9 von 10 F\u00e4llen ihrem Kind grossen Schaden zuf\u00fcgen.)<\/p>\n<p><strong><strong>Die Stars wissen, dass sie einzigartig sein m\u00fcssen.<\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Alle guten Musiker sind technisch und musikalisch exzellent, aber sie sind sich vielleicht nicht ganz bewusst, dass es noch auf andere Sachen ankommt. Ein Star muss ein einzigartiges Charisma besitzen, um eine 2000 Menschen z\u00e4hlende Zuh\u00f6rerschaft in einem relativ steifen klassischen Konzert zu fesseln. Was genau Charisma ist, ist schwierig zu beschreiben. Ein gutes Aussehen ist sicher ein Plus, aber es reicht nicht. Viel wichtiger ist ein von A-Z \u00fcberzeugender und souver\u00e4ner Auftritt auf und neben der B\u00fchne.<\/p>\n<p><strong><strong>Sie sind supergut<\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Der Star muss besonders gut sein, ohne das geht es nicht. Er hat tausende, wenn nicht zehntausende von Stunden ge\u00fcbt, bevor er ein Star wurde. Er muss in der Lage sein, permanent 5-10 Instrumentalkonzerte &#8220;KKL-reif&#8221; pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen. Auch wenn er nicht immer 100% geben kann, muss seine Leistung immer akzeptabel sein.<\/p>\n<p><strong><strong>Sie treten auf wie die Nummer 1<\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Das Dilemma, das ich bei vielen Musikern vermute: Selbst wenn man in seinem Leben zehntausende Stunden ge\u00fcbt hat und super gut spielt, wird es immer irgendwo Musiker geben, die noch besser sind. Das dr\u00fcckt auf das Selbstbewusstsein. F\u00fcr Solisten ist es nicht besser: In jedem Orchester gibt es den einen oder anderen Musiker, der den Starsolisten jederzeit um die Ohren geigen w\u00fcrde. Aber Stars k\u00f6nnen das irgendwie verdr\u00e4ngen und sich dem Publikum trotzdem selbstbewusst als &#8220;Nummer 1&#8221; zeigen.<\/p>\n<p><strong><strong>Die Stars schaffen es in eine schlagkr\u00e4ftige Agentur<\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Machen wir uns nichts vor: Niemand wird einfach bei den New Yorker Philharmonikern oder bei jedem anderen Profi-Orchester der Welt anrufen k\u00f6nnen um zu fragen, &#8220;darf ich n\u00e4chstes Jahr bei euch Dvorak-Konzert spielen?&#8221; und auf diese Weise zu Engagements in dieser Liga kommen. Die Sinfonieorchester der Welt lassen sich ihre Solisten von einer Hand voll Top-Agenturen liefern. Wie man in so eine Agentur kommt, dort die Manager \u00fcberzeugt und auch auf dem so genannten &#8220;Roster&#8221; bleiben kann ist vermutlich eine der kritischen Knackn\u00fcsse, wenn man ein Solist werden will. Die oben genannten Punkte k\u00f6nnten helfen.<\/p>\n<p><strong><strong>Sie bauen sich m\u00e4chtige Netzwerke auf<\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Die Stars und ihre Agenturen haben sich \u00fcber die Jahre in aufwendiger Kleinarbeit ein Beziehungsnetz mit m\u00e4chtigen Freunden und Partnern geflochten.<\/p>\n<p><strong><strong>Die Stars sind ein \u00fcberzeugendes Produkt<\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Exzellent Cello spielen k\u00f6nnen sehr viele. Die Stars haben daher noch ein paar andere Pfeile im K\u00f6cher. Durch ihre Leistungen und mit Hilfe ihrer Managements haben sie \u00fcber die Jahre Weltbekanntheit erreicht, die es ihnen erm\u00f6glicht, grosse Konzerts\u00e4le auf der ganzen Welt mit Publikum zu f\u00fcllen. F\u00fcr die Konzertveranstalter sind sie deswegen ein attraktives Produkt, denn im Gegensatz zu anderen guten Musikern spielen sie nicht nur gut, sondern f\u00fcllen auch den Saal mit Publikum, womit sie eine der prim\u00e4ren Sorgen eines jeden Konzertveranstalters aus der Welt schaffen.<\/p>\n<p><strong><strong>Sie akzeptieren die Entbehrungen des Lebens aus dem Koffer<\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Ein Topsolist ist st\u00e4ndig unterwegs und das meistens allein. Er sieht in seiner Karriere vor allem Flugh\u00e4fen, Flugzeuge von aussen und innen, Taxis von aussen und innen, Konzerts\u00e4le und Hotelzimmer und wechselt dabei st\u00e4ndig zwischen allen m\u00f6glichen Zeitzonen. Er spielt Jahr f\u00fcr Jahr zwischen 100 und 150 Konzerte und eilt dazwischen von Presseterminen zu Treffen mit Orchestermanagern und Konzertveranstaltern. Ein normales Familienleben kann so nicht stattfinden. Nicht jeder will so leben, die Solisten aber offenbar schon.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um es vorweg zu nehmen: Ich glaube nicht, dass es Rezepte mit Erfolgsgarantie gibt. Es kann schlichtweg nicht jeder ein Superstar sein &#8211; die Pl\u00e4tze an der Sonne sind zu rar, die Demographie spricht dagegen. 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