{"id":158,"date":"2012-04-25T17:56:39","date_gmt":"2012-04-25T15:56:39","guid":{"rendered":"http:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/?p=158"},"modified":"2014-07-26T20:16:17","modified_gmt":"2014-07-26T18:16:17","slug":"wie-man-besser-vom-blatt-spielt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/wie-man-besser-vom-blatt-spielt\/","title":{"rendered":"Wie man besser vom Blatt spielt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/blattspielen.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-313\" src=\"http:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/blattspielen.jpeg\" alt=\"blattspielen\" width=\"639\" height=\"351\" srcset=\"https:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/blattspielen.jpeg 639w, https:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/blattspielen-416x229.jpeg 416w, https:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/blattspielen-300x164.jpeg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 639px) 100vw, 639px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Weil ich als Kind alle St\u00fccke nach Geh\u00f6r lernte, konnte ich lange kaum Noten lesen. Erst mit dem Beginn des Studiums lernte ich im Geh\u00f6rbildungsunterricht die Grundlagen. Lange Zeit blieb aber Noten lesen meine grosse Schw\u00e4che. Als ich dann anfing im Orchester zu arbeiten, konnte ich &#8220;first-hand&#8221; gewisse Kollegen mit ph\u00e4nomenalen Blattspiel-F\u00e4higkeiten beobachten. Bald realisierte ich, dass es ungemein n\u00fctzlich ist, wenn man Musik auf hohem Niveau vom Blatt spielen kann. Ich beschloss also, mich in dieser Disziplin zu verbessern. Noch bin ich nicht auf einem absoluten Spitzen-Level und vielleicht werde ich es nie sein, zumal man im Blattspiel schwerlich jemals genug gut sein. Aber seit ich vor ca. sechs Monaten mit t\u00e4glichem Prima-Vista-Training begonnen habe, habe ich bereits viel gelernt.<\/p>\n<p><strong>Warum ist es erstrebenswert, ein guter Blattspieler zu sein?<\/strong><\/p>\n<p><strong>1. <a title=\"8 Zeit sparende Techniken f\u00fcr alle Musiker\" href=\"http:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/8-zeit-sparende-techniken-fur-alle-musiker\/\">Zeitersparnis<\/a>:<\/strong>\u00a0Fr\u00fcher musste ich alles m\u00fchsam entziffern, vor ich mit dem \u00dcben anfangen konnte. Jetzt kann ich direkt anfangen zu \u00dcben, weil ich Rhythmen, Tonh\u00f6hen, Dynamiken usw. viel schneller erkenne. Viele Stellen und manchmal auch ganze S\u00e4tze muss ich gar nicht mehr \u00fcben, weil sie nicht schwierig genug sind.<\/p>\n<p><strong>2. Blattspieler k\u00f6nnen sich auf das Wesentliche konzentrieren:<\/strong>\u00a0Zwar gibt es Leute, die das Gegenteil behaupten. F\u00fcr mich aber ist klar, dass ein Musiker, der den Notentext in seiner Gesamtheit blitzschnell erfassen kann, sich viel schneller mit den Feinheiten des Musikmachens auseinandersetzen kann als jemand, der alles zuerst mit M\u00fche entziffern muss. Gute Blattspieler k\u00f6nnen Musik fliessend lesen etwa so wie du und ich den Text dieses Artikels fliessend vorlesen k\u00f6nnten. Auch verstehen Sie die Rhythmen der anderen Stimmen schneller und k\u00f6nnen sich daher leichter ins musikalische Geschehen einordnen und z. B. auch ohne Schwierigkeiten Stichnoten in die eigene Stimme einschreiben. Mir scheint, dass sie ganz allgemein die besseren Reflexe im Zusammenspiel mit anderen Musikern haben.<\/p>\n<p><strong>3. Den Dirigenten oder die Mitmusiker besser beobachten:<\/strong>\u00a0Weil Sie die F\u00e4higkeit haben, vorauszulesen, k\u00f6nnen Musiker mit guten Primavista-F\u00e4higkeiten den Dirigenten im Blick behalten, ohne den Faden zu verlieren.<\/p>\n<p><strong>4. Es macht Spass und ist ein gutes Gehirnjogging:<\/strong>\u00a0Blattspielen ist meiner Meinung nach eine der faszinierendsten F\u00e4higkeiten, die ein Musiker haben kann. Die Zeit vergeht wie im Fluge &#8211; ich vermute, dass sehr viele Gehirnareale gleichzeitig beansprucht werden und zusammenarbeiten.<\/p>\n<p><strong>Wie man seine Blattspiel-F\u00e4higkeiten verbessern kann<\/strong><\/p>\n<p><strong>1. Jeden Tag ein paar Seiten aus unbekanntem Notenmaterial lesen.<\/strong>\u00a0Auf\u00a0imslp.org\u00a0gibt es Material in H\u00fclle und F\u00fclle. Man sollte mit einfachen Sachen anfangen (z. B. Cellostimmen aus Mozart- oder Haydn-Quartetten und Sinfonien). Mit der Zeit kann man dann progressiv zu immer schwierigeren Komponisten und Werken vorstossen.<\/p>\n<p><strong>2. Ein Tempo w\u00e4hlen, in welchem man es schaffen kann.<\/strong>\u00a0Es macht wenig Sinn, etwas sehr schnell, aber schlecht zu spielen. Viel schlauer ist es, langsam aber korrekt zu lesen. Ein Metronom kann helfen, hier die n\u00f6tige Geduld und Disziplin zu haben.<\/p>\n<p><strong>3. Noten \u00fcberfliegen.<\/strong>\u00a0Vor man anf\u00e4ngt zu lesen, kann man kurz das St\u00fcck \u00fcberfliegen um sich die Tonarten und komplizierte Rhythmen zu merken.<\/p>\n<p><strong>4. Fake it until you make it.<\/strong>\u00a0Wenn eine Stelle ab Blatt unspielbar ist, sollte man sie &#8220;faken&#8221; (deutsch: f\u00e4lschen). Bei einem Lauf beispielsweise sind immer der erste und letzte Ton sehr wichtig und sollten gespielt werden. Was dazwischen passiert ist nicht so wichtig &#8211; es kann sogar ein geschickt ausgef\u00fchrtes Glissando sein. Bei komplizierten Stellen muss man auch oft vereinfachen und nur die wichtigen T\u00f6ne bringen so dass es ungef\u00e4hr richtig klingt. Besonders beim Lesen in einem Ensemble oder einem Orchester ist &#8220;faken&#8221; h\u00e4ufig der einzige Weg, eine Stelle im richtigen Tempo zu spielen. Versucht man stattdessen alle T\u00f6ne zu spielen, so kann man leicht ein &#8220;Bremsklotz&#8221; f\u00fcr die anderen Musiker sein.<\/p>\n<p><strong>5. Der Puls ist die oberste Priorit\u00e4t:<\/strong>\u00a0Egal was geschieht, man sollte immer das Tempo behalten und den Puls der Musik einhalten. Dies, weil man beim Spielen in einem Ensemble nicht einfach mal einen Takt \u00fcberspringen darf.<\/p>\n<p><strong>6. Mit den Augen immer voraus lesen:<\/strong>\u00a0Der Blick sollte beim Lesen immer auf die kommenden Takte gerichtet sein, sonst ist man zu sp\u00e4t. Diese F\u00e4higkeit entwickelt sich mit der Zeit von selbst, sofern man oft vom Blatt spielt. Anf\u00e4nglich muss man dazu wie bereits erw\u00e4hnt in einem langsamen Tempo lesen.<\/p>\n<p><strong>7. Sch\u00f6nen Ton und gute Intonation anstreben:<\/strong>\u00a0Man sollte es dem musikalischen Resultat wenn m\u00f6glich nicht anh\u00f6ren, wenn jemand vom Blatt spielt.<\/p>\n<p><strong>8. Fehler sp\u00e4ter untersuchen.<\/strong>\u00a0Das oberste Ziel ist immer Musizieren ohne Unterbruch, da dies in der Praxis wichtig ist. Bemerkt man Fehler, kann man die anschliessend kurz anschauen und \u00fcben.<\/p>\n<p><strong>Was man sonst braucht<\/strong>:<\/p>\n<p><strong>1. Fitness auf dem Instrument:<\/strong>\u00a0Ich bin \u00fcberzeugt, dass wirklich souver\u00e4n und \u00fcberzeugend vom Blatt nur spielen kann, wer sowohl in der linken als auch in der rechten Hand eine sehr sichere Technik hat. Da es beim Blattlesen immer sehr schnell geht, muss die Geographie des Griffbrettes verinnerlicht sein. Auch die Reflexe f\u00fcr den Klang (Bogeneinteilung, Bogengeschwindigkeit, Vibrato usw.) m\u00fcssen sehr gut sein, da keine Zeit f\u00fcr ein Einrichten der Stimme da ist. Deswegen sollte man weiterhin tagt\u00e4glich seine Tonleitern und Arpeggien \u00fcben sowie an Et\u00fcden und den grossen Werken des Repertoires arbeiten.<\/p>\n<p><strong>2. Geduld und Ausdauer:<\/strong>\u00a0Die Entwicklung guter Prima-Vista-F\u00e4higkeiten ist nicht \u00fcber Nacht zu schaffen. Wie beim Cellospielen selber braucht auch das Blattlesen jahrelange, t\u00e4gliche \u00dcbung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weil ich als Kind alle St\u00fccke nach Geh\u00f6r lernte, konnte ich lange kaum Noten lesen. Erst mit dem Beginn des Studiums lernte ich im Geh\u00f6rbildungsunterricht die Grundlagen. Lange Zeit blieb aber Noten lesen meine grosse Schw\u00e4che. Als ich dann anfing im Orchester zu arbeiten, konnte ich &#8220;first-hand&#8221; gewisse Kollegen mit ph\u00e4nomenalen Blattspiel-F\u00e4higkeiten beobachten. 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