{"id":1595,"date":"2014-10-27T20:47:40","date_gmt":"2014-10-27T18:47:40","guid":{"rendered":"http:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/?p=1595"},"modified":"2014-11-10T22:37:54","modified_gmt":"2014-11-10T20:37:54","slug":"wie-entsteht-eine-gute-interpretation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/wie-entsteht-eine-gute-interpretation\/","title":{"rendered":"Wie entsteht eine gute Interpretation?"},"content":{"rendered":"<p>Mir scheinen folgende Punkte wichtig, um das Maximum aus sich selber herauszuholen und ein St\u00fcck so \u00fcberzeugend wie m\u00f6glich zu spielen.<\/p>\n<h4>M\u00f6glichst viele Aufnahmen h\u00f6ren<\/h4>\n<p>Wir sind heutzutage in der historisch gesehen einzigartigen Situation, dass wir per Knopfdruck im WWW eine riesige Anzahl Aufnahmen gratis oder zu g\u00fcnstigen Preisen h\u00f6ren k\u00f6nnen. Davon muss man unbedingt profitieren. Man sollte sowohl Studio-Aufnahmen auf CD oder mp3 als auch Live-Aufnahmen und (Live-)Videos auf Youtube h\u00f6ren. Gute und schlechte, von bekannten und unbekannten K\u00fcnstlern, alte und neue. Die guten Einspielungen inspirieren durch sinnvolle\u00a0Tempi, sch\u00f6ne Phrasierungen, sch\u00f6nen Klang, exzellente Cellotechnik, sinnvolle Fingers\u00e4tze, Bogenstriche und vieles mehr. Die schlechten h\u00f6rt man oft\u00a0nicht zu Ende aber sie\u00a0helfen dabei, sich sofort dar\u00fcber klar zu werden, was man als Resultat vermeiden will.<\/p>\n<h4>Das St\u00fcck live im Konzertsaal h\u00f6ren und erleben<\/h4>\n<p>Aufnahmen sind etwas Geniales aber letztendlich stellen sie immer eine &#8220;gek\u00fcnstelte&#8221; Version eines Werks dar. Bei Studioaufnahmen sowieso, weil geschnitten wurde bis es perfekt ist. Aber auch bei Live-Aufnahmen, weil die Mikrofone oder das Mikrofon an einem m\u00f6glichst g\u00fcnstigen Platz aufgestellt wurden. Das kann Balance-Probleme maskieren. Wenn es m\u00f6glich ist, sollte man sich das St\u00fcck deswegen\u00a0im Konzert anh\u00f6ren und so unter realen Bedingungen erleben, wie es auf einen selber als\u00a0Zuh\u00f6rer\u00a0wirkt. Weil man als Konzertbesucher wenn es langweilig wird nicht einfach mal einen Satz \u00fcberspringen oder eine interessante Stelle zweimal h\u00f6ren kann, lernt man das Werk im Gesamtzusammenhang von einer anderen Seite kennen, was immer gut ist.<\/p>\n<h4>Andere Werke des Komponisten h\u00f6ren<\/h4>\n<p>Es ist immer gut, ein Werk nicht als isoliertes Unikum zu betrachten, sondern als Teil des\u00a0grossen Gesamtwerks eines Genies. Insbesondere finde ich\u00a0es interessant, Werke f\u00fcr andere Besetzungen zu h\u00f6ren, bsp. f\u00fcr Orchester, Klavier, Streichquartett, Violinsonaten etc. sowie selbstverst\u00e4ndlich die &#8220;wichtigsten&#8221; Werke eines Komponisten (h\u00e4ufig die Sinfonien, Instrumentalkonzerte oder Opern). Auch hier gehen die Interpretationsans\u00e4tze zum Teil weit auseinander, aber man\u00a0kriegt trotzdem ein besseres Gesp\u00fcr f\u00fcr das Klanguniversum eines Komponisten. Als Orchestermusiker kriege ich einen guten Teil dieser Ausbildung gratis in meiner t\u00e4glichen Arbeit und sch\u00e4tze diesen Input sehr. Mir scheint, dass es meinen Musikerhorizont sehr erweitert.<\/p>\n<h4>Sich Zeit nehmen<\/h4>\n<p>Zwar wird man mit zunehmender Erfahrung schneller. Dennoch ist es gut, wenn man gen\u00fcgend Zeit einplanen kann, um die Interpretation reifen zu lassen. Es zahlt sich immer aus, wenn man sich \u00fcber einen langen Zeitraum t\u00e4glich mit einem St\u00fcck\u00a0besch\u00e4ftigen kann.<\/p>\n<h4>Den Text respektieren<\/h4>\n<p>Die Anweisungen des Komponisten (pp, mf, f, &gt;, espr., Tempoangaben usw.) sind immer sehr wichtig. Wenn man an einzelnen Stellen vom Text abweicht, dann mit gutem Grund und bewusst. Es ist auch ein Vorteil, wenn man eine gute Ausgabe ben\u00fctzen kann. Meistens kommen\u00a0die aus den H\u00e4usern\u00a0Henle Urtext oder B\u00e4renreiter Urtext. In den letzten Jahren habe ich auch Urtextausgaben von Peters und Schott gesehen. Der Vorteil\u00a0im Vergleich zu weniger guten Ausgaben ist, dass die Leute, welche die Stimmen eingerichtet haben (mit Fingers\u00e4tzen und Bogenstrichen versehen haben), sich an die Vorgaben des Komponisten gehalten haben und nicht wie zu fr\u00fcheren Zeiten nach eigenem Gutd\u00fcnken die Phrasierungsb\u00f6gen, Artikulationen und Tempoangaben ver\u00e4ndert\u00a0haben, so dass man am Schluss nicht mehr weiss, was nun der Komponist wollte und was der Editor.<\/p>\n<h4>Partitur studieren<\/h4>\n<p>Wenn es ein mehrstimmiges Werk ist, ist es immer sinnvoll, sich mit der Partitur (mit Vorteil auch Urtext) vertraut zu machen um zu sehen, wo man agogische Freiheiten hat und wo nicht. Auch viele andere Sachen erschliessen sich mit einem Blick in die Partitur sofort.<\/p>\n<h4>Komponistenbiographie lesen<\/h4>\n<p>Auf Wikipedia findet man alle wichtigen Komponisten und ihre Lebensgeschichte in Kompaktform.\u00a0Es ist immer interessant, sich da mal durchzulesen und gewisse interessante Details zu erfahren. Es wird eine Interpretation immer\u00a0positiv beeinflussen, wenn man mehr \u00fcber den Komponisten weiss.<\/p>\n<h4>Technische Probleme optimal\u00a0l\u00f6sen<\/h4>\n<p>Man kann noch so gute musikalische Ideen haben &#8211; auch technisch muss man super spielen. Klanglich, intonatorisch und rhythmisch muss man immer nach dem h\u00f6chsten Standard streben.<\/p>\n<h4>Sich selber aufnehmen, anderen Leuten vorspielen<\/h4>\n<p>Mir selber hilft es enorm, mit einem Mikrofon eine Aufnahme zu machen. Viele Sachen fallen mir erst beim Abh\u00f6ren auf.\u00a0Oft mache ich mir beim H\u00f6ren Notizen in die Noten. Es ist auch super, wenn man erfahrenen und guten\u00a0Musiker-Kollegen vorspielen kann.<\/p>\n<h4>Genug proben und gute Mitmusiker haben<\/h4>\n<p>Naht das Konzert, so sind gen\u00fcgend Proben sowie gute Kollegen als Partner auf dem Konzertpodium die ideale Voraussetzung f\u00fcr eine gute Interpretation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mir scheinen folgende Punkte wichtig, um das Maximum aus sich selber herauszuholen und ein St\u00fcck so \u00fcberzeugend wie m\u00f6glich zu spielen. M\u00f6glichst viele Aufnahmen h\u00f6ren Wir sind heutzutage in der historisch gesehen einzigartigen Situation, dass wir per Knopfdruck im WWW eine riesige Anzahl Aufnahmen gratis oder zu g\u00fcnstigen Preisen h\u00f6ren k\u00f6nnen. 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