{"id":2255,"date":"2015-10-24T20:30:52","date_gmt":"2015-10-24T18:30:52","guid":{"rendered":"http:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/?p=2255"},"modified":"2015-10-20T06:33:04","modified_gmt":"2015-10-20T04:33:04","slug":"fast-trivial-was-ist-das-beschwerlichste-im-beruf-des-cellistent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/fast-trivial-was-ist-das-beschwerlichste-im-beruf-des-cellistent\/","title":{"rendered":"(Fast) trivial: Was ist das Beschwerlichste im Beruf des Cellisten?"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr einmal gebe ich keine altklugen Ratschl\u00e4ge. Ich beschwere mich auch nicht und meine es zur Abwechslung mal nicht ganz 200-prozentig ernsthaft. Aber ein Funken Wahrheit ist in den im folgenden beschriebenen Alltagssituationen\u00a0dabei und pauschal schicke ich voraus: Das Schwierigste oder zumindest das Beschwerlichste im Alltag des Cellisten ist das Rumschleppen des Cellos. Keine Frage, die Cellisten der heutigen Zeit haben es dank Leichtbau-Koffern aus Kohlefasern bereits viel besser als ihre Vorg\u00e4nger, die\u00a0noch mit Massivholz-Koffern unterwegs waren. Aber wahrscheinlich wird mir jeder Cellist Recht geben: So ein Cello ist ein mittelgrosses M\u00f6bel, welches dazu noch sehr fragil ist und ein beachtlichen Gewicht aufweist und die Zivilisation ist nicht so richtig vorbereitet\u00a0auf diese Instrumente und ihre Spieler. Nat\u00fcrlich h\u00e4tte man es bei der Berufswahl in Gestalt des Kontrabasses noch schlimmer treffen k\u00f6nnen. Aber hier mal ein paar allt\u00e4gliche &#8220;Schwierigkeiten&#8221;.<\/p>\n<h4>Man hat nicht nur das Cello dabei:<\/h4>\n<ul>\n<li>Im Minimum hat man Noten dabei&#8230; je nach Situation nur ein paar Seiten oder aber gerade ein Stapel bis 1.5kg<\/li>\n<li>Spielt man ein Kammermusikkonzert oder eine &#8220;Mucke&#8221;, so muss man oft einen Notenst\u00e4nder mitbringen. Es gibt heute leichte und faltbare Modelle, aber 1kg wiegt er dennoch.<\/li>\n<li>Wiederum f\u00fcr Kammermusik oder Mucken muss man eine Vorrichtung mitbringen, damit der Stachel nicht ausrutscht oder das gute Parkett eines Konzertlokals nicht leidet. Hier gibt es sehr kompakte Modelle, die auch nicht viel wiegen&#8230;aber auch Kleinvieh macht Mist.<\/li>\n<li>Antizipiert man (erneut f\u00fcr Kammermusik oder\u00a0Mucken) ungeeignete St\u00fchle, so bringt man ein Sitzkissen mit.<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Konzert aufnehmen, aber sicher:<\/h4>\n<ul>\n<li>Es kommt nun noch ein Mikrofonstativ dazu, das sch\u00e4tzungsweise 2.5 kg wiegt und in drei lose Einzelteile zerlegt werden kann, wobei die zwei Hauptteile immer noch \u00fcber einen Meter lang sind. Mikrofone \/ Aufnahmeger\u00e4t mit Batterien braucht man nat\u00fcrlich auch.<\/li>\n<li>Ein Video dazu, warum auch nicht: Kamera plus zweites Stativ, etwas leichter zwar aber nicht viel kleiner.<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Konzertkleidung?<\/h4>\n<p>Auch die Konzertkleidung muss transportiert werden. In der Tat\u00a0k\u00f6nnte\u00a0man sich bereits zu Hause in Konzertkleidung werfen und sich so fortbewegen. Leider aber nicht immer bequem und bei l\u00e4ngeren Reisen nicht empfehlenswert. Ein guter Kollege erz\u00e4hlte mir, dass er einen Cellisten kannte, der praktisch w\u00e4hrend der\u00a0ganzen Tournee im Frack gesehen wurde, sogar\u00a0im Flugzeug. Sicherlich nicht optimal.<\/p>\n<h4>Transportmittel<\/h4>\n<p>Nicht jeder Cellist besitzt ein Auto, in das er Cello und das ganze Zubeh\u00f6r einl\u00e4dt und mit dem er dann von\u00a0A nach B kurvt. Zum einen weil doch viele Musiker umweltfreundlich denken. Zum anderen, weil sich nicht jeder ein Auto leisten kann oder will. Und als weiterer m\u00f6glicher Grund das\u00a0absolute\u00a0P\u00fcnktlichkeits-Obligatorium im Musikerberuf, welches den motorisierten Individualverkehr auf Grund von Staus und Pannen nicht immer als erste Wahl erscheinen l\u00e4sst.<\/p>\n<h4>Aber auch die anderen Verkehrsmittel haben nebst Vorteilen auch Nachteile:<\/h4>\n<ul>\n<li>Fahrrad: Erfreut sich subjektiv gef\u00fchlt zunehmender Beliebtheit bei Cellisten. Eignet sich aber logischerweise nur f\u00fcr lokale Distanzen. Mit dem Cello Fahrrad fahren ist m\u00f6glich und wie ich <a href=\"http:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/mit-dem-cello-fahrrad-fahren-eigentlich-kein-problem\/\">fr\u00fcher mal schrieb<\/a> &#8220;eigentlich kein Problem&#8221;. Dennoch\u00a0macht Fahrrad fahren ohne Cello mehr Spass. Tr\u00e4gt man einen Helm (sollte man) so ist die Bewegungsfreiheit des Kopfs relativ eingeschr\u00e4nkt. Aerodynamisch ist das Cello suboptimal und auch das Gewicht bemerkt man. Aber: Man kommt recht schnell vorw\u00e4rts und hat deswegen meistens nicht lange Zeit, dar\u00fcber nachzudenken.<\/li>\n<li>Busse: Sind wirklich nicht f\u00fcr Cellisten gebaut. Wohin soll man das Cello stellen? Es gibt keine definitive Antwort daf\u00fcr. Ist der Bus halbleer, so kann man das Cello in den Sitz nebenan quetschen. Ist der\u00a0Bus gestossen voll, so stellt man sich mit dem Cello wohl am besten in die Zone vor der T\u00fcre, weil es dort noch am ehesten Platz hat. Bequem ist das nicht und man steht den anderen Leuten im Weg.<\/li>\n<li>Zug: Bei manchen Z\u00fcgen kann man das Cello bequem auf die Gep\u00e4ckablage legen. Problem gel\u00f6st! Bei anderen (die doppelst\u00f6ckigen Z\u00fcge) geht das nicht. Hat man Gl\u00fcck, so ist der Zug halbleer und man kann es auf dem\u00a0Sitz nebenan parkieren. Oder man\u00a0kann das Cello in die Ecke stellen, wo die Koffer hingeh\u00f6ren. Falls das alles nicht geht, muss man das Cello in den engen Gang zwischen die\u00a0Sitzreihen stellen und immer wenn die Minibar kommt tempor\u00e4r aus dem Weg r\u00e4umen und\u00a0Touristen mit sehr schweren Reisekoffern helfen, das Gewicht sicher \u00fcbers Cello zu stemmen.<\/li>\n<li>Flugzeug: Abgesehen davon, dass man f\u00fcr Flugreisen meistens zuerst Bus und\/ oder Zug bis zum Flughafen ben\u00fctzt und deswegen die Nachteile dieser Verkehrsmittel auch schon dazukombiniert, muss man im Flieger einfach einen zweiten Sitz bezahlen und das Cello dann dort reinquetschen. Mit zunehmendem Alter verzichtet man darauf, das Essen auch f\u00fcrs Cello einzufordern. Der Sitz f\u00fcrs Cello erfordert immer ein wenig Kreativit\u00e4t beim Buchen. Mrs CELLO DIEZIG steht dann auf dem Ticket. Auch muss man das n\u00f6tige Kleingeld lockermachen. Bezahlt man keinen zweiten Sitz so riskiert man, dass das sch\u00f6ne Cello am Ankunftsort als auftauendes St\u00fcckwerk ankommt.<\/li>\n<\/ul>\n<h4>K\u00fchlschrank leer? Kauf doch schnell\u00a0auf dem Heimweg was ein!<\/h4>\n<p>Das sagt sich so leicht. Auf dem R\u00fcckweg von der Arbeit kauft man als Cellist nur ein, wenn man mit minimaler Ausr\u00fcstung unterwegs ist, ansonsten kann man es vergessen. Aber auch so: Cello, Velohelm, oft ein Notenst\u00e4nder und Noten sind schon mehr als eine Handvoll, wenn man durch die Migros navigiert und die Produkte f\u00fcr den t\u00e4glichen Bedarf zusammensucht. Der Transport nach Hause ist dann auch nicht ganz ohne.<\/p>\n<h4>Nun haben Sie einen ganz guten Einblick<\/h4>\n<p>So ungef\u00e4hr sieht der Alltag aus, wenn man Cellist ist. Trotzdem ist es ein sch\u00f6ner Beruf und der Klang des Cellos ist es Wert. Was auch noch lustig ist: Wenn ich mal ohne Cello aus dem Haus gehe, dann bin ich immer unsicher, ob ich alles dabei habe, dermassen gew\u00f6hnt bin ich, das gute St\u00fcck auf dem R\u00fccken zu tragen.<\/p>\n<h4>Wenn Sie selber Cellist\u00a0sind, &#8230;<\/h4>\n<p>&#8230; so w\u00fcrden mich Ihre Anekdoten und L\u00f6sungen im Alltag interessieren. Benutzen Sie daf\u00fcr die Kommentarfunktion!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr einmal gebe ich keine altklugen Ratschl\u00e4ge. Ich beschwere mich auch nicht und meine es zur Abwechslung mal nicht ganz 200-prozentig ernsthaft. Aber ein Funken Wahrheit ist in den im folgenden beschriebenen Alltagssituationen\u00a0dabei und pauschal schicke ich voraus: Das Schwierigste oder zumindest das Beschwerlichste im Alltag des Cellisten ist das Rumschleppen des Cellos. 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