{"id":2345,"date":"2016-01-12T23:27:51","date_gmt":"2016-01-12T21:27:51","guid":{"rendered":"http:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/?p=2345"},"modified":"2016-01-12T23:29:29","modified_gmt":"2016-01-12T21:29:29","slug":"das-perfekte-cello","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/das-perfekte-cello\/","title":{"rendered":"Das perfekte Cello&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>In meinem Leben habe ich bereits auf zahlreichen Instrumenten spielen d\u00fcrfen. F\u00fcnf habe ich selber besessen, eines wurde mir f\u00fcr ein Jahr zur Verf\u00fcgung gestellt und viele mehr habe ich ausprobiert. Es waren Celli in allen Preisklassen (9500 &#8211; 1&#8217;000&#8217;000 SFr) wobei ich die Instrumente im sechsstelligen Preisbereich nicht gekauft hatte, sondern sie mir l\u00e4ngerfristig zur Verf\u00fcgung gestellt wurden. Das Millionencello (ein Gofriller) habe ich nur beim Verk\u00e4ufer ausprobiert.<\/p>\n<p>Jedes einzelne dieser Instrumente hatte seine St\u00e4rken, aber eben auch seine Schw\u00e4chen. Ich bin versucht zu schreiben, dass es das perfekte Cello gar nicht gibt, habe aber nat\u00fcrlich nicht alle Celli dieser Welt ausprobiert.<\/p>\n<p>Was w\u00e4re denn \u00fcberhaupt ein perfektes Cello? Meine Wunschliste ist wie folgt:<\/p>\n<p>Das Cello&#8230;<\/p>\n<ol>\n<li>hat einen sch\u00f6nen Klang,<\/li>\n<li>eine schnelle und unkomplizierte\u00a0Ansprache,<\/li>\n<li>einen grossen\u00a0Klang und\/oder eine durchsetzungsf\u00e4hige\/obertonreiche Klangfarbe (was nicht das gleiche ist),<\/li>\n<li>einen bezahlbaren Preis,<\/li>\n<li>ist in gutem Zustand<\/li>\n<li>sieht sch\u00f6n aus<\/li>\n<li>stammt von einem namhaften Geigenbauer<\/li>\n<li>ist finanziell gesehen eine gute\u00a0Investition<\/li>\n<\/ol>\n<p>Bislang ist mir kein Cello untergekommen, das alles konnte.<\/p>\n<p>Gewisse Eigenschaften scheinen zudem\u00a0im Widerspruch zueinander zu stehen. So hat\u00a0ein lautes Cello oft nicht den allersch\u00f6nsten Ton. Umgekehrt haben leisere Celli oft eine sehr sch\u00f6ne Klangqualit\u00e4t. Eine andere Eigenschaft, die man sich w\u00fcnscht ist ein durchsetzungsf\u00e4higer Klang. So ein Klang\u00a0ist aber normalerweise obertonreich, was manche Leute als &#8220;schrill&#8221; bezeichnen w\u00fcrden und somit nicht als sch\u00f6nen Klang.<\/p>\n<p>Aber gehen wir doch nun meine Wunschliste der Reihe nach durch und ich gebe meine Meinung dazu.<\/p>\n<ol>\n<li>Sch\u00f6ner Klang: In der Tat ist ein sch\u00f6ner Klang eine sehr w\u00fcnschenswerte Eigenschaft. Was gef\u00e4llt\u00a0ist wie bei allem Geschmacksache und individuell verschieden. Aber ich denke, dass die meisten Musiker einen warmen, weichen, runden und komplexen Klang sch\u00e4tzen. Auf der andere Seite ist ein solcher Klang meistens nicht sehr durchsetzungsf\u00e4hig und tr\u00e4gt eher schlechter als ein heller Klang. Zudem macht der Musiker und nicht das Cello den Klang. Ich will damit sagen, dass ein Cellist jedem Cello seinen Stempel aufdr\u00fcckt und im Endeffekt auf jedem Instrument gleich klingt. Die Unterschiede von einem Cello zum anderen sind wirklich\u00a0minimal und wenn man so ein Experiment durchf\u00fchrt, so merkt man, dass\u00a0ein Super-Cellist auf jedem Cello sein Klang-Ideal reproduziert, egal wie gut oder schlecht das Instrument ist. Es gibt indes aber Instrumente, die einem mehr entgegen kommen als andere und solche, auf denen man h\u00e4rter arbeiten muss, um seine Vorstellung zu verwirklichen. Und nat\u00fcrlich sind erstere zu bevorzugen. Schliesslich gibt es auch ein paar schlichtweg f\u00fcrchterliche Celli, die man gar nicht spielen will. Aber selbst darauf w\u00fcrde ein guter Cellist in der Not erstaunlich sch\u00f6n spielen.<\/li>\n<li>eine unkomplizierte Ansprache: F\u00fcr mich ist das eine der wenigen objektiv feststellbaren\u00a0Eigenschaften. Es gibt Instrumente die beim Streichen mehr Nebenger\u00e4usche erzeugen als andere.\u00a0Eine gute Ansprache ist etwas, worauf ich immer Wert lege, weil man einfach weniger Stress hat, wenn ein Ton zuverl\u00e4ssig frei von Nebenger\u00e4uschen erzeugt werden\u00a0kann. Manchmal spielt hier auch der Bogen ein Rolle,\u00a0n\u00e4mlich\u00a0wenn man neue Haare hat, welche noch nicht gleichm\u00e4ssig und richtig einkolofoniert sind, dann pfeift es mehr als \u00fcblich. Aber in der Regel ist das Cello der Hauptfaktor.<\/li>\n<li>einen grossen oder durchsetzungsf\u00e4higen Klang: Ich brauchte lange, bis ich realisierte, dass es nicht unbedingt das selbe ist. Nat\u00fcrlich wird ein Cello, das richtig laut ist, sich immer durchsetzen k\u00f6nnen und das ist auch eine tolle Eigenschaft, welche ein Cello haben kann! Aber wenn ein Cello auf dem Dezibel-Messger\u00e4t\u00a0gemessen etwas leiser ist, so kann es sich vielleicht mit einem helleren, obertonreichen Klang retten, welcher im Saal gut tr\u00e4gt. Das ist dann vielleicht nicht immer der allersch\u00f6nste Celloklang, aber manchmal geht es nur darum, dass man das Cello \u00fcberhaupt h\u00f6rt. Nicht umsonst spielen viele Solisten mit einem belgischen Steg, welcher mehr Obert\u00f6ne erzeugt und auch nicht umsonst spielt man wenn man laut sein muss nahe am Steg, wo mehr Obert\u00f6ne erzeugt werden.<\/li>\n<li>Bezahlbarer Preis: Die Budgets sind von Person zu Person verschieden aber es gibt Celli, die nur noch Multimillion\u00e4re bezahlen k\u00f6nnen. Ich w\u00fcrde nie Schulden machen, um ein Cello zu kaufen. Man sollte einfach so lange suchen, bis man ein bezahlbares Cello findet, das einem gef\u00e4llt. Warum: Es kann durchaus passieren, dass man nach ein paar Jahren ein Cello wieder verkaufen will. Wenn es dann einen exorbitant hohen Preis hat, so ist der Kreis potenzieller K\u00e4ufer kleiner und es ist schwieriger abzustossen wohingegen ein bezahlbares und gutes Cello einfacher verkauft werden kann. Und zweitens kann man sich fragen, ob\u00a0man diese hohen Preise tats\u00e4chlich\u00a0unterst\u00fctzen will. Es ist schon fragw\u00fcrdig, dass die Preise immer weiter steigen weil sich Musiker in\u00a0Schulden st\u00fcrzen, welche sie dann \u00fcber Jahrzehnte abstottern. Vielleicht steigen die Preise f\u00fcr namhafte Geigenbauer tats\u00e4chlich immer weiter aber man muss wissen, dass es auch Instrumente gibt, die bezahlbar sind und trotzdem exzellent sind.<\/li>\n<li>Der Zustand eines Instrumentes sollte gut sein. Nat\u00fcrlich kann man Stimmrisse sehr gut flicken aber so ein Cello ist immer schwieriger zu verkaufen, weil jeder Interessent (wahrscheinlich zu Recht) skeptisch ist. Auf der anderen Seite kann kein altes Cello mit\u00a0dem Zustand eines neuen Instrumentes konkurrieren weil jedes \u00e4ltere Exemplar hier und da ein paar Risse hat. Die Frage ist aber wo (nicht \u00fcberall ist ein Riss gleich schlimm) und wie viele.<\/li>\n<li>Sieht sch\u00f6n aus: Ein optisch sch\u00f6nes Cello mit spektakul\u00e4rem Holz und fantastischem Lack sowie sch\u00f6nen Formen usw. ist nat\u00fcrlich immer eine Freude. Aber in erster Linie muss es als Musikinstrument gut funktionieren (Klang, Ansprache, Zustand). Wenn es dann auch noch toll aussieht &#8211; umso besser.<\/li>\n<li>Namhafter Geigenbauer: Wer m\u00f6chte nicht ein Cello von Stradivari, Gofriller, Montagnana, Vuillaume usw.? Leider rangieren\u00a0diese Instrumente preislich zwischen extrem teuer bis unbezahlbar. Und auch wenn der Wert solcher Instrumente in Zukunft noch weiter steigt: Es gibt auch g\u00fcnstigere Instrumente, welche toll klingen und noch wichtiger: Es gibt bei\u00a0den ber\u00fchmten und extrem teuren Instrumenten auch solche, die nicht so toll sind. Der Wert dieser teuren Instrumente wird in erster Linie durch Angebot und Nachfrage bestimmt wobei nicht nur Musiker sondern auch Spekulanten mit viel Geld die Preise nach oben beeinflussen. Auf der anderen Seite sind diese Instrumente vor allem gesch\u00e4tzt, weil sie durch ihre sch\u00f6ne Bauweise Meilensteine im Geigenbau sind. Ob sie gut klingen und funktionieren muss man dann trotzdem im Einzelfall eruieren und es\u00a0spielt bei der Preisansetzung\u00a0eine sehr untergeordnete Rolle.<\/li>\n<li>Gute Investition: Ideal w\u00e4re es nat\u00fcrlich, wenn man ein Cello kauft und es zum Zeitpunkt der Pensionierung ein Mehrfaches wert ist. Aber irgendwo finde ich\u00a0diese Entwicklung auch ein wenig ungesund. Aber nat\u00fcrlich ist sie unvermeidbar, weil ein paar sehr ber\u00fchmte Geigenbauer (Stradivari und Co.) finanziell v\u00f6llig ausser Reichweite sogar der bekanntesten Solisten gelangen und dadurch andere, etwas weniger bekannte\u00a0Top-Geigenbauer entdeckt werden, welche dann auch wieder eines Tages sehr teuer werden. Wie schon gesagt finde ich, dass man einfach ein sehr gutes Instrument finden sollte, das\u00a0man ohne Schulden bezahlen kann und von dem man denkt, dass man es eines Tages ohne Verlust verkaufen kann (der Kaufpreis also fair ist).<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem Leben habe ich bereits auf zahlreichen Instrumenten spielen d\u00fcrfen. F\u00fcnf habe ich selber besessen, eines wurde mir f\u00fcr ein Jahr zur Verf\u00fcgung gestellt und viele mehr habe ich ausprobiert. 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