{"id":2440,"date":"2016-03-06T21:09:31","date_gmt":"2016-03-06T19:09:31","guid":{"rendered":"http:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/?p=2440"},"modified":"2016-03-06T21:49:41","modified_gmt":"2016-03-06T19:49:41","slug":"demut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sebastiandiezig.com\/wordpress\/demut\/","title":{"rendered":"Demut"},"content":{"rendered":"<p>Wenn einen der Musikerberuf etwas ganz bestimmt lehrt, dann Demut. Wohl macht man immer kleine Fortschritte und erzielt beachtliche Ergebnisse. Aber in einer\u00a0Branche, in der die Anspr\u00fcche sehr hoch sind, Bestleistungen gerade gut genug sind und die\u00a0Erbringung solcher als\u00a0selbstverst\u00e4ndlich erachtet wird, muss man sich immer wieder\u00a0kleine Fehler eingestehen. Man trifft den einen Ton nicht, man verschl\u00e4ft einen Einsatz. Man liest einen Rhythmus falsch. Man kann immer eine Entschuldigung suchen und finden. Da w\u00e4ren die Umst\u00e4nde, das Licht, die Temperatur, der Dirigent, der Saal usw. Aber letztendlich kann man es sich in diesem Hochleistungsbereich kaum erlauben, eigene Fehler zu ignorieren, weil man sonst eines sch\u00f6nen Tages merkt, dass man nicht mehr auf der H\u00f6he ist.<\/p>\n<p>Jedenfalls\u00a0mache ich bei fast jedem Konzert eine Tonaufnahme, welche ich nachher\u00a0abh\u00f6re. Und es ist einfach erstaunlich, wie meine Wahrnehmung w\u00e4hrend dem\u00a0Konzert abweichen kann von dem was ich nachher auf der Aufnahme h\u00f6re &#8211; und zwar im Guten wie im\u00a0Schlechten.<\/p>\n<p>Oft ist man\u00a0positiv \u00fcberrascht wenn man etwa dachte, dass ein Konzert nicht so toll war, beim H\u00f6ren der Aufnahme aber merkt, dass\u00a0es ja im Grunde genommen gar nicht so \u00fcbel war.<\/p>\n<p>Es kommt aber genauso oft vor, dass man\u00a0im Konzert meinte\u00a0genau den richtigen Klang f\u00fcr das Cellosolo gefunden zu haben, sp\u00e4ter beim Abh\u00f6ren der Aufnahme aber beispielsweise \u00fcber die Amplitude des Vibratos und die dem Klang zu Grunde liegende Bogenf\u00fchrung geschockt ist.<\/p>\n<p>Oder man stellt fest, dass man\u00a0im\u00a0Konzert fast immer zu leise war resp. die anderen zu laut. Im n\u00e4chsten Konzert gibt man\u00a0dann alles was das\u00a0Cello klanglich hergibt,\u00a0merkt danach aber, dass man nun\u00a0h\u00e4ufig selber zu laut war oder die Klangsch\u00f6nheit gelitten hat und man folglich \u00fcberkompensiert hat.<\/p>\n<p>Viele verzichten darauf, sich selber aufzunehmen und verlassen sich aufs Gef\u00fchl und auf die R\u00fcckmeldungen der Kollegen und des Publikums.\u00a0Das\u00a0w\u00e4re nat\u00fcrlich bequem, weil man\u00a0dann nicht immer die Aufnahmeausr\u00fcstung mitschleppen m\u00fcsste. Doch\u00a0gerade die kleinen Fehler, die man\u00a0bei sich\u00a0selber entdeckt und auf die einen oft niemand aufmerksam macht sind ein sehr wichtiger Grund, warum man\u00a0sich aufnimmt. Wie will man ein Problem bek\u00e4mpfen, das man nicht als solches wahrnimmt? Ich m\u00f6chte den Luxus einer Aufnahme nicht missen, weil sie\u00a0hilft, sich auf\u00a0dem\u00a0Weg zum richtig guten Musiker zu orientieren und schlicht Demut\u00a0lehrt, welche hoffentlich unangenehmen Gr\u00f6ssenwahnfantasien vorbeugt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn einen der Musikerberuf etwas ganz bestimmt lehrt, dann Demut. Wohl macht man immer kleine Fortschritte und erzielt beachtliche Ergebnisse. Aber in einer\u00a0Branche, in der die Anspr\u00fcche sehr hoch sind, Bestleistungen gerade gut genug sind und die\u00a0Erbringung solcher als\u00a0selbstverst\u00e4ndlich erachtet wird, muss man sich immer wieder\u00a0kleine Fehler eingestehen. 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