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Q&A: Probleme beim Aufsetzen des Artino Hoteldämpfers

Ab und zu stellen mir Leser eine Frage von allgemeinem Interesse. Ich publiziere sie dann mit meiner Antwort anonymisiert unter der Rubrik Q & A (Question and Answer). Zögern Sie nicht: Auch Sie können mir Ihre Frage stellen.

Frage:

Sie haben vor einigen Wochen genannten Hoteldämpfer empfohlen, den ich mir daraufhin ebenfalls zugelegt habe. Leider scheint dieser nicht vollständig auf meinen Steg zu passen und sitzt nur zur Hälfte auf. Dementsprechend dämpft er wenig bis gar nicht. Hatten Sie anfangs ähnliche Probleme? Ich traue mich nicht recht, mit etwas “Gewalt” ihn weiter runter zu drücken…

Antwort:

Ein bisschen schwierig, dies per e-Mail zu beantworten, ich müsste die Situation fast selber sehen.
Aber auch mein Dämpfer braucht ein wenig Kraft beim Aufsetzen. Im Zweifelsfall würde ich einen Geigenbauer konsultieren. Mir wurde übrigens irrtümlicherweise mal ein Hoteldämpfer für Bratsche geliefert, der natürlich zu klein war.
Im kurzen Video können Sie sehen, wie es bei mir aussieht. Der Dämpfer sitzt auch zur Hälfte auf. Dann greife ich aber mit dem Daumen unter den Steg und mit den anderen Fingern auf die Oberseite des Dämpfers und setze ihn so mit recht viel Kraft auf. Ich vermeide es, den Steg auf die Decke des Cellos zu drücken (das ist heikel), sondern wende nur am Steg selber Kraft an, weil ich denke, dass mein Steg dies aushält. Im Video können sie es hoffentlich genau sehen.
Sie sehen im Video auch, wie ich den Dämpfer wieder vom Steg runterkriege, er sitzt nämlich recht fest auf.
Der Vorteil dieses Dämpfers ist, dass er mit Gummi überzogen ist. Ein rein metallischer Dämpfer würde den Steg mit der Zeit natürlich beschädigen.

Zwei Bögen können sicher verstaut werden

Gebrauchter Cellokasten günstig abzugeben

Ich verkaufe diesen gebrauchten Cellokasten, weil ich einen zu viel habe und ihn nicht brauche. Bei meinem letzten Cellokauf wurde er mitgeliefert. Es handelt sich vermutlich um ein etwas älteres Modell, da er ein wenig schwerer ist als die leichtesten heutzutage verfügbaren. Daher würde sich dieser Koffer meiner Meinung nach vor allem für die Aufbewahrung eines geschätzten Cellos empfehlen. Wer aber stark genug ist oder immer mit dem Auto unterwegs ist, kann ihn sicherlich auch sehr gut im Alltag einsetzen.

  • Farbe: Olivengrün
  • Gute Qualität
  • Schöner, weicher Innenausbau mit noblem Stoff
  • Einfach bedienbare Halterungen für 2 Bögen
  • Internes, praktisches, verschliessbares Fach mit mehr als genug Platz für alles Zubehör (Saiten, Kolofonium, Bleistift, usw.)
  • Eignet sich für normale 4/4-Celli nach Stradivari (für Montagnana-Modelle ist der Innenraum nicht gross genug!)
  • Verschluss: ein starker Reissverschluss (zusätzlich hätte er eine Schnalle, die nicht mehr funktioniert, jedoch auch nicht notwendig ist)
  • normale Gebrauchspuren
  • 1 Tragegurt
  • Leergewicht: ca. 5kg

Der Koffer ist gebraucht aber in gutem Zustand und wird für günstige 195 SFr verkauft. First come, first serve! Melden Sie sich bei mir, wenn Sie Interesse haben.

Der Kasten befindet sich bei mir in der Nähe von Luzern und kann auf Anfrage besehen oder abgeholt werden. Bezahlung in bar. Bei Fragen stehe ich hier gerne zur Verfügung.

Fotos:

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Q&A: Welchen Hoteldämpfer benützt du?

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Frage:

Welchen Hoteldämpfer (kein Metall wenn möglich) empfehlen Sie oder benutzen Sie am liebsten?

Antwort:

Mein Favorit ist der “Artino”, ein massiver Metalldämpfer, der aber mit Gummi beschichtet ist und somit ausser Verfärbungen (die man wegputzen kann) keinen Schaden am Steg anrichtet und auch bei einem allfälligen Runterfallen aufs Cello nicht gleich alles verkratzt (er ist indes recht schwer und würde wohl schon eine Beule in die Decke machen).

Der Dämpfungseffekt ist gut und ich übe viel und gerne mit ihm.

https://www.paganino.de/zubehoer/violoncello/daempfer/artino-hoteldaempfer.html

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Q&A: Stachel oder Saitenhalter mit Wolf-Unterdrückung?

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Frage:

Mein Cello hat einen ziemlich fiesen Wolf auf dem fis. Dieser ist seltsamerweise auf der A-Saite am schlimmsten. Gerade hilft mir zwar ein Wolftöter auf der A-Saite aber der Klang leidet ziemlich darunter. Mein Geigenbauer hat einen Resonator eingebaut, was aber so gut wie nichts gebracht hat.

Nun habe ich zwei Produkte im Internet gefunden, die angeblich Wolfstöne unterdrücken können; der Saitenhalter “Solist” und der Berlin Sound Pin – beides zu teuer, um einen Spontankauf zu wagen…
:-S

Hast du von den beiden Produkten schon mal etwas gehört oder kennst du jemanden, der damit positive Erfahrungen gemacht hat? Im Netz finde ich so gar keine Erfahrungsberichte…

 

Antwort:

Ich habe den Berlin Sound Pin mal probiert aber keinen klanglichen Vorteil erkennen können. Auf Wolfstöne habe ich damals nicht getestet.
Den Saitenhalter Solist habe ich nie ausprobiert. Wie du richtig sagst, sind beide Produkte sehr teuer. Ich würde sie höchstens kaufen, wenn ich sie vorher mindestens einen Monat ausprobiert hätte. Ich kann mir aber eigentlich nicht so recht vorstellen, dass diese Produkte viel bringen.
Sehr effektiv kann man Wölfe meistens killen, indem man beim Spielen dann, wenn man einen Wolfston anspielt, stets mit dem rechten Knie leichten Druck (wirklich nur leichten Druck!) auf die Decke des Cellos ausübt. Man drückt also seitlich gegen die Decke. Ich mache das so. Wie gesagt bedarf es aber nur sehr wenig Kraft, ansonsten könnte man das Cello kaputtmachen. Letztlich sind Celli mit starken Wölfen aber meistens nur mit einem Wolfstöter, wie du ihn schon hast, gut spielbar.
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Tipps für Flugreisen mit Cello

Fliegen gehört für mich zu den am wenigsten angenehmen Seiten meines Berufs. Abgesehen von der ökologischen Fragwürdigkeit, die mich plagt, ist es in der Economy-Klasse, in die zu steigen ich als Normalmusiker quasi per definitionem verdammt bin, unbequem und anstrengend. Auf kurzen Flügen mag es noch ok sein, aber ab 5 Stunden fängt es an mühsam zu werden, von 14-stündigen Flügen ganz zu schweigen.

Hier ein paar Punkte, an die man bei Flugreisen mit Cello denken sollte und zudem ein paar Tipps, die Flugreisen für mich ein wenig erträglicher gemacht haben.

Instrumententransport:

Während ein Orchester die Instrumente in der Regel als Fracht in speziellen Flight-Cases um die Welt schickt und man sich in dem Fall um nichts kümmern muss, so muss man, wenn man allein mit Cello irgendwohin fliegt, selber für die Sicherheit des Instruments sorgen. Die einzige Option ist, fürs Cello einen Sitz im Flugzeug zu buchen. Niemals würde ich mein Instrument mit allen Koffern in den Frachtraum des Flugzeugs geben, da es dann mit nicht zu unterschätzender Wahrscheinlichkeit als Kleinholz an der Destination ankommen wird. Ein zweiter Sitz ist natürlich teuer, doch da lässt sich leider nichts machen. Diesbezüglich denke ich, dass man lieber ein Konzertengagement ablehnt, als sein Cello den Gefahren des Frachtraums auszusetzen.

Artenschutz (CITES):

In den letzten Jahren ist der Artenschutz für reisende Musiker ein Thema geworden. Wenn ein Bogen oder ein Instrument geschützte Materialien hat wie Elfenbein, Schildpatt, Wal, Palisander sowie einige andere (Geigenbauerberatung einholen), dann würde ich versuchen, entweder diese Anbauteile gegen unbedenkliche Materialien auszutauschen, oder, wenn das aus irgendeinem Grund nicht geht, ein anderes Instrument bzw. einen anderen Bogen mitzunehmen. Man könnte sonst am Zoll hängen bleiben, und das Instrument könnte gar beschlagnahmt werden.

Zoll:

Mit Vorteil hat man sein Instrument, falls es im Ausland gekauft wurde, verzollt. Auch da kann man sonst am Zoll hängen bleiben und kann im schlimmsten Fall sehr hohe Bussen aufgebrummt kriegen.

Vor einem langen Flug:

  • Sport treiben: Ich treibe ohnehin regelmässig Sport, aber vor einem langen Flug versuche ich, den Sport auf den Vortag oder gar den Tag des Abflugs zu legen, damit mein Körper müde und zufrieden ist. So halte ich die engen Sitze in der Economy-Klasse besser aus, weil ich dann froh bin, zu sitzen.
  • Genug schlafen: Vor einem Flug wenig zu schlafen und zu denken, dass man dann in der Economy-Klasse den Schlaf nachholen kann, ist meiner Meinung nach keine gute Strategie. Es ist dort bekanntermassen ja sowas von unbequem, dass ich normalerweise nur ein paar Stunden schlafen kann, was nie reicht, um bei der Ankunft nicht müde zu sein.
  • Koffer nicht im letzten Moment packen: Ist stressig und man vergisst leicht Sachen, wenn man in Eile ist.

Im Flugzeugiu

  • Nur wenige Sachen in die Kabine mitnehmen: Da man ja ohnehin kaum Platz für nichts hat, nehme ich in die Kabine nur ein gutes Buch, Gehörschutz und ein aufblasbares Nackenkissen mit.
  • Zurückhaltung bei Kaffee und Alkohol üben: Beide stören den Schlaf und die Anpassung an eine neue Zeitzone. Hier habe ich das Glück, dass ich sowieso weder das eine noch das andere trinke.
  • Vorsicht mit Schlafmitteln: Ich habe bis jetzt noch nie Schlafmittel genommen und denke, dass es nicht nötig ist. Eine Flugreise über mehrere Zeitzonen ist einfach anstrengend, das lässt sich mit Schlafmitteln wohl kaum ändern oder lindern.
  • Gehörschutz: Flugzeuge sind unangenehm laut. Ein starker Gehörschutz hilft ungemein, auch um besser schlafen zu können. Wenn man das Angebot des Inflight Entertainment Systems (Filme) nutzen will, dann empfiehlt es sich, Kopfhörer zu kaufen, die Geräusche reduzieren. Nur so kann man die Dialoge verstehen, ohne die Lautstärke auf gehörschädigende Niveaus hochstellen zu müssen.

Bei der Ankunft

  • Es ist ein bekannter Anfängerfehler, bei der Ankunft im Hotel gleich ins Bett zu sinken und zu schlafen, bis man ausgeruht ist. Man sollte sich nach der Ortszeit richten und somit also warten, bis es etwa 22h abends ist. Ansonsten, das ist meine Erfahrung und auch die von anderen Vielreisenden, wird man das Jetlag möglicherweise auch nach einer Woche in der neuen Zeitzone noch nicht im Griff haben. Allenfalls eine kurze Siesta von einer halben Stunde direkt nach der Ankunft, aber mehr ist gefährlich. Die Zeit bis zum bis zum Schlafengehen um ca. 22h kann man sich mit einem Spaziergang und einem Abendessen in der neuen Stadt verkürzen.

 

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Q & A: Kann ein Second-Hand-Cellokoffer eine gute Sache sein?

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Frage:
Ich bin schon länger auf der Suche nach einem geeigneten und gleichzeitig bezahlbaren Cellokoffer. Ich stelle mir zum Beispiel die Frage, ob es sinnvoll ist, angesichts von Preisen von häufig 100€ und mehr (in Deutschland) auf einen gebrauchten Koffer auszuweichen (oder ermüdet das meistens verwendete Material?). Wenn ja, gibt es geeignete Bezugsquellen außerhalb von persönlichen Kontakten und ebay/kleinanzeigen (bspw. einen speziellen Marktplatz für gebrauchtes Streicherzubehör?).
Ich weiß, dass Sie erst kürzlich eine Anfrage zu einem speziellen Kasten beantwortet haben. Vielleicht wären ein paar allgemeine Hinweise (vll. auch: worauf ist beim Kauf zu Achten?) auch für andere Lesen von Interesse…

Antwort:
Ihre Frage ist sehr interessant.
Ehrlicherweise muss ich vorausschicken, dass ich den Gebraucht-Cellokoffer-Markt nicht kenne. Aber ich vermute, dass man bei den Second Hand Koffern häufig mit sehr schweren, älteren Koffern konfrontiert wird.
Eine Investition in einen guten neuen Cellokoffer lohnt sich für Cellisten in der Regel immer. Es muss ja nicht unbedingt das ultraleichte Top-Modell aus Kohlefasern sein, welches nur 2.8kg wiegt. Aber einen vernünftigen Plastikkoffer wie diesen hier (wiegt 4,8kg) würde ich in Erwägung ziehen. Ich hatte das Vorgängermodell davon und es diente mir 12 Jahre lang. Danach war der Koffer nicht mehr ganz wasserdicht, weswegen ich ihn weitergab (der neue Besitzer war über die Undichte informiert). Mein aktueller Cellokoffer (ein Accord Standard) hält auch bereits über 13 Jahre, trotz intensivem, täglichem Gebrauch. Einzig die Verschluss-Schnallen musste ich auswechseln lassen. Vermutlich wird er mir noch mehrere weitere Jahre dienen. Ich finde, dass die lange Lebensdauer den hohen Preis eines guten Cellokoffers relativiert. Einen billigen, der dann nur ein paar Jahre hält, weil die Qualität schlecht ist, würde ich vermeiden.
Second Hand Angebote können Sie durchaus prüfen. Ich würde aber jeden Koffer immer persönlich in Augenschein nehmen und nebst der Qualität und dem Zustand auch auf das Gewicht und den Tragekomfort achten (die beste Art, ein Cello zu transportieren ist wie ein Rucksack auf dem Rücken – ältere und zum Teil sehr schwere Koffer bieten diese Möglichkeit oft nicht oder haben nur einen einzigen Riemen anstatt zwei, was besonders bei schweren Koffern sehr unbequem ist). Von allzu schweren Koffern (über 5kg) rate ich ab.

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Q & A: Ist der Brack-Cellokasten gut?

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Frage:

Ich bin ein Hobby-Cellist auf der Suche nach einem Cellokasten. Dabei bin ich auf die Schweizer Firma Brack gestoßen. Bei uns kann man nur GEWA- und BAM-Kästen anschauen. Haben Sie zufällig Ihre Erfahrungen mit Brack-Kästen?

Antwort:

Selber habe ich keinen Brack-Cellokasten. Aber die Kollegen, die einen besitzen sind damit sehr zufrieden. Es handelt sich um ein Qualitätsprodukt. Zwar ist er ein wenig schwerer als etwa der Kohlefaserkasten der Firma Accord. Aber ich würde ihn in Zukunft dennoch in die engere Auswahl nehmen, weil er das Cello offenbar besser gegen Kälte isoliert als der Accord-Kasten.
Die Kästen von Bam und Gewa kenne ich nicht gut.

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Alltag für Cellisten: “Ist das ein Maschinengewehr?”

Sie machen sich keine Vorstellung, wie oft man als Cellist folgende Situation erlebt:

Ich gehe durch die Stadt oder sitze in einem öffentlichen Verkehrsmittel und ein Kind zeigt mit dem Finger auf meinen Cellokasten und fragt seine Mutter: “Mami, was ist das?” Sehr oft hat die Mutter keine Ahnung (was ich ihr nicht allzu übel nehme, ich weiss ja auch nicht alles) und antwortet ihrem Kind: “Das ist eine Gitarre”. Nicht selten denkt sie aber auch, es sei eine “Bassgeige”. Fragt das Kind aber seinen Vater, dann ist die Antwort nicht selten: “Das ist ein Maschinengewehr”. Und der Vater freut sich dann laut lachend über seinen guten Witz. Eine häufige Variante davon ist, dass man spontan von wildfremden Herren angesprochen wird: “Haben Sie da ein Maschinengewehr drin?” Natürlich kennt jeder Cellist den James Bond Film, in dem ein Gewehr im Cellokasten transportiert wird und meiner Meinung nach ist es auch ein sehr guter Bond-Film. Aber als jemand, der sein Cello tagtäglich auf dem Rücken trägt, hört man diesen “Witz” so oft, dass es mich nicht erstaunte, als ich neulich ein von leidgeprüften Berufskollegen entworfenes T-Shirt mit folgendem Aufdruck sah: “Dies ist keine Gitarre, kein Kontrabass und kein Maschinengewehr. Nein, es ist ein Cello.”

Vielleicht spricht es sich ja mal rum, dass der Witz nicht mehr so originell ist.

Allerdings ist mir die Frage nach dem Maschinengewehr immer noch lieber als das, was ich neulich erlebt habe. Anlässlich einer Opernaufführung in einer ausrangierten Fabrik, in der das Publikum sich direkt neben dem Orchester aufhielt, kam ein älterer Herr auf mich zu. Mit dem Fingernagel seines rechten Zeigefingers hämmerte er energisch auf die Decke meines Cellos und fragte: “Was ist das?” Geschockt, dass jemand mein fragiles Cello so behandelt, reagierte ich nicht gleich und somit klopfte er erneut viermal auf mein Cello, wieder mit dem Fingernagel seines Zeigefingers und durchaus kräftig. Als ich dann endlich schaltete und ihm antwortete: “Das ist ein Cello”, gab er sich zufrieden und ging. Vermutlich hatte er gedacht, es sei ein Maschinengewehr.

Als Orchestermusiker fit bleiben

Wenn man eine Vollzeitstelle im Orchester hat, dann ist der Terminkalender automatisch mit Proben, Konzerten und oft auch Konzertreisen zugepflastert. Dazu kommt das Privatleben mit weiteren genauso wichtigen Terminen und Verpflichtungen und schlussendlich bleibt fürs individuelle Üben nur noch wenig Zeit. Ist es in so einer Situation überhaupt möglich, ein hohes Niveau zu halten? Manche würden mit nein antworten. Aber meiner Meinung nach ist es machbar. Letztendlich läuft es darauf hinaus, ob man es wirklich will oder nicht. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.

Eines der grössten Probleme des Streichers im Orchester ist, dass er fast immer in einer Gruppe musiziert und sich selber somit nicht wirklich hört. An die Intonation werden in diesem Kontext weniger hohe Ansprüche gestellt und kleinere Fehler in der Bogenführung werden oft von der Gruppe kompensiert. Es kann daher durchaus passieren, dass man sich nach 10 Jahren im Orchester für solistische und kammermusikalische Auftritte nicht mehr fit fühlt, weil man den Klang und die Intonation vernachlässigt hat.

Wie kann man es dennoch schaffen, auf solistischem und kammermusikalischem Niveau zu bleiben?

Jeden Tag üben
Man kann es sich nicht zu oft erlauben, nicht zu üben und zwar aus dem einfachen Grund dass man als Vollzeit-Orchestermusiker so oder so schon wenig zum üben kommt und man sich die Zeit fürs Üben täglich regelrecht zusammenkratzen muss ist. Klar gibt es ab und zu mal einen Tag, an dem man körperlich oder mental einfach zu müde ist oder schlichtweg keine Zeit findet. Solche Tage sollten aber die Ausnahme sein wenn man man Ball bleiben will.

Nicht nur Orchestermaterial üben
Obschon die Orchesterliteratur technisch sehr anspruchsvolle Stücke bereithält, sollte man doch auch eigene Projekte haben. Im Moment arbeite ich mich beispielsweise durch alle Piatti-Capricen durch und gehe erst zur nächsten weiter, wenn ich finde, dass ich mit dem Niveau zufrieden sein kann.

Eigene Konzerte geben
Ich glaube dass es sehr wichtig ist, nicht nur im Orchester zu konzertieren. Idealerweise sucht man sich auch Auftrittsmöglichkeiten als Solist und Kammermusiker. Das sind dann vielleicht nicht immer die lukrativsten Engagements aber für den Künstler im Orchestermusiker ist es sehr wichtig auch ohne die Unterstützung des ganzen Orchesters mit herausfordernden Werken vors Publikum zu treten. Für mich ist es am besten, eine Mischung zu haben: Quartett, Klaviertrio, Solorezitals, Duos (mit Klavier, Violine, Bratsche, etc.) und hin und wieder auch einen Auftritt als Solist mit Orchester. Auf diese Weise ist man gezwungen den Klang zu pflegen, die Intonation ständig zu verbessern, die eigene Technik immer auf Bestniveau zu halten und sich ein solides Nervenkostüm zu bewahren. Es sorgt auch für Abwechslung im Musikeralltag.

Keine schlechten Angewohnheiten im Orchester
Auch oder gerade bei den schweren Stellen sollte man im Orchester nicht davon ausgehen, dass die anderen dann schon geübt haben werden. Immer versuchen, der Gruppe eine Stütze zu sein. Auch bei gesanglichen Stellen sollte man auf den Klang achten. Eine verbreitete “Krankheit” ist, das schöne Legato zu vernachlässigen. In der Gruppe klingt es ok, aber beim solistischen Spielen fehlt dann etwas. Ständig sollte man nach solchen Tendenzen Ausschau halten.

Gute Terminplanung und entsprechende Prioritäten
Wer auf dem Instrument fit bleiben will, muss dies zu einer Top-Priorität im Leben machen. Es ist zugegebenermassen nicht einfach, jeden Tag genügend Zeit fürs Üben freizuschaufeln und andere Sachen sind auch wichtig. Aber wenn fit bleiben auf dem Cello ein wichtiges Ziel ist, dann muss das tägliche Üben eine sehr hohe Priorität haben.

Sich aufnehmen

Das eigene Spiel von aussen wahrzunehmen ist eine riesige Hilfe. Man hört so viele Dinge, die einem sonst entgehen.

Vor der  eigenen Haustüre kehren

Über andere zu lästern ist ein unterhaltsames Hobby. Aber letztendlich kann man wenn man bei sich selber ansetzt die grösseren Erfolge erzielen, weshalb ein Quäntchen Selbstkritik, gefolgt von einer guten Übesession mehr bringt.

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Zeitmanagement-Tipps für Musiker

Eine Agenda führen

Es gibt ab und zu Leute, die keine Agenda führen und alle Termine im Kopf haben. Ich finde das immer erstaunlich um nicht zu sagen an der Grenze zur Unverantwortlichkeit. Wenngleich eine beeindruckende Gedächtnisleistung ist es doch sehr gefährlich und nicht nachahmenswert, weil es verheerende Folgen haben kann, wenn man einen wichtigen Termin vergisst. Und das Sprichwort “der schwächste Bleistift ist stärker als das beste Gedächtnis” darf man in seiner Wahrheit nicht unterschätzen.

Kein Double-Booking

Wenn man eine Agenda führt ist die Gefahr des Double-Bookings viel kleiner. Double-Booking oder zu deutsch “Doppel-Buchen” ist, wenn man in zwei Konzerten oder Proben gleichzeitig spielen sollte, also an zwei Orten gleichzeitig sein sollte, was natürlich nicht geht. Ein unverzeihliches Vergehen!

Nein sagen

Daraus resultiert, dass man Anfragen ablehnen muss, wenn man bereits anderweitig verplant ist. Auch muss man hin und wieder Anfragen negativ beantworten, weil man nicht jede freie Minute in einer Probe oder einem Konzert sitzen kann. Ab und zu muss man sich auch erholen, oder üben oder schlicht sein Privatleben führen.

Einmal angenommene Engagements nicht mehr absagen

Nur wenige Gründe rechtfertigen die Absage eines einmal angenommenen Engagements. Dazu gehört ein Todesfall oder Krankheit. Was nicht gut ankommt ist, wenn man ein Engagement absagen will, weil man in der Zwischenzeit ein “besseres” angeboten gekriegt hat. Es kommt deswegen schlecht an, weil sich dann jemand als zweite Wahl fühlt, was nicht schmeichelhaft ist. Wenn man das oft tut, wird man mit der Zeit nicht mehr angefragt werden. (Ich machte das nur einmal und beschloss: nie wieder. Man muss vorher entscheiden, ob man ein Engagement annehmen will oder nicht.)

Frühzeitig beginnen

Es zahlt sich immer aus, frühzeitig mit der Arbeit an Projekten zu beginnen. In einem ersten Schritt schätze ich immer ab, wieviel Übezeit ich für einen Stück ungefähr brauche und dann versuche ich, dementsprechend rechtzeitig zu beginnen. Wenn man zu spät beginnt entsteht sehr viel unnötiger Stress und die Qualität des Konzerts kann schlechter sein als üblich.

Täglich weiterkommen

Die beste Art sich als Musiker durchs Berufsleben zu schlagen besteht darin, am Instrument immer in Form zu bleiben. Man sollte jeden Tag Zeit finden nicht nur die Stücke, die im Orchester anstehen zu üben und zu lernen sondern auch individuell besser zu werden. Tonleitern, Etüden, Kammermusik, Solowerke und dazu selbstverständlich das Orchestermaterial eignen sich bestens um sich stets zu fordern und Fortschritte zu erzielen. So bleibt man immer vorne dabei.

Ausgeruht sein

Genug Schlaf während der Nacht ist für mich extrem wichtig und ich mache wenn es irgendwie geht auch einen Mittagsschlaf, weil man als Musiker auch abends sehr konzentriert arbeiten können muss.Müdigkeit sowie Unlust können da ein Problem sein. Auch fällt man ausgeruht bessere Entscheidungen in allen Bereichen… sei es musikalisch, zeitplanerisch oder wo auch immer.

Fokus

Menschen, die sich hinsetzen und fokussiert arbeiten kommen viel weiter als solche, die sich ständig ablenken lassen. Beim Cello üben ist das sehr manifest. Eine Pause nach 40 Minuten ist sicher richtig, aber wenn man ständig nach 10 Minuten wieder für eine halbe Stunde andere Sachen erledigt oder an den PC sitzt um schnell mal im Web ein bisschen rumzusurfen, so hat man am Ende des Tages das Cello zwar stets ausgepackt gehabt, wahrscheinlich aber kaum geübt.

Wegzeit/Reisezeit nicht unterschätzen

Gewisse Engagements machen einfach keinen Sinn, weil sie zu weit weg von zu Hause stattfinden oder der Reiseaufwand unverhältnismässig hoch ist. Orchestertourneen sind ein gutes Beispiel dafür. Ich mache nur welche mit dem eigenen Orchester, weil ich da keine Wahl habe und muss. Aber zweieinhalb Wochen lang weg von zu Hause sein, ständig extrem lange Flüge aushalten, davor im Flughafen rumsitzen, danach im Bus und dann ständig alle zwei bis drei Tage die Stadt wechseln… wenn Zeit kostbar ist, würde ich solche Engagements meiden, sofern ich die Wahl habe.

Auch für “normale” Proben und Konzerte in der Nähe muss man immer genug Wegzeit und ein bisschen Zeitreserve einplanen für Unwägbarkeiten wie Stau, Zugausfall oder Verspätungen berücksichtigen.

In der Nähe des Arbeitsortes leben

Hat man eine feste Stelle, dann zahlt es sich aus, wenn möglich in der Nähe zu wohnen. Die Zeit, die durch Pendeln verlorengeht ist nicht zu unterschätzen. Klar kann man während einer einstündigen Zugfahrt lesen, Musik hören, essen und ein paar andere Sachen machen. Aber zu Hause geht das alles auch und dazu noch viel besser. Vor allem kann man zu Hause üben. Eine Zeit lang arbeitete ich in Luzern, wohnte aber noch in Basel. Immer wenn ich in Luzern einfuhr dachte ich mir: jetzt fahren die Kollegen zu Hause los und ich bin bereits eineinhalb Stunden unterwegs – eine schwer erträgliche Vorstellung. Wir sind dann bald nach Luzern umgezogen, was die Lebensqualität enorm verbessert hat.