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Tipps für Flugreisen mit Cello

Fliegen gehört für mich zu den am wenigsten angenehmen Seiten meines Berufs. Abgesehen von der ökologischen Fragwürdigkeit, die mich plagt, ist es in der Economy-Klasse, in die zu steigen ich als Normalmusiker quasi per definitionem verdammt bin, unbequem und anstrengend. Auf kurzen Flügen mag es noch ok sein, aber ab 5 Stunden fängt es an mühsam zu werden, von 14-stündigen Flügen ganz zu schweigen.

Hier ein paar Punkte, an die man bei Flugreisen mit Cello denken sollte und zudem ein paar Tipps, die Flugreisen für mich ein wenig erträglicher gemacht haben.

Instrumententransport:

Während ein Orchester die Instrumente in der Regel als Fracht in speziellen Flight-Cases um die Welt schickt und man sich in dem Fall um nichts kümmern muss, so muss man, wenn man allein mit Cello irgendwohin fliegt, selber für die Sicherheit des Instruments sorgen. Die einzige Option ist, fürs Cello einen Sitz im Flugzeug zu buchen. Niemals würde ich mein Instrument mit allen Koffern in den Frachtraum des Flugzeugs geben, da es dann mit nicht zu unterschätzender Wahrscheinlichkeit als Kleinholz an der Destination ankommen wird. Ein zweiter Sitz ist natürlich teuer, doch da lässt sich leider nichts machen. Diesbezüglich denke ich, dass man lieber ein Konzertengagement ablehnt, als sein Cello den Gefahren des Frachtraums auszusetzen.

Artenschutz (CITES):

In den letzten Jahren ist der Artenschutz für reisende Musiker ein Thema geworden. Wenn ein Bogen oder ein Instrument geschützte Materialien hat wie Elfenbein, Schildpatt, Wal, Palisander sowie einige andere (Geigenbauerberatung einholen), dann würde ich versuchen, entweder diese Anbauteile gegen unbedenkliche Materialien auszutauschen, oder, wenn das aus irgendeinem Grund nicht geht, ein anderes Instrument bzw. einen anderen Bogen mitzunehmen. Man könnte sonst am Zoll hängen bleiben, und das Instrument könnte gar beschlagnahmt werden.

Zoll:

Mit Vorteil hat man sein Instrument, falls es im Ausland gekauft wurde, verzollt. Auch da kann man sonst am Zoll hängen bleiben und kann im schlimmsten Fall sehr hohe Bussen aufgebrummt kriegen.

Vor einem langen Flug:

  • Sport treiben: Ich treibe ohnehin regelmässig Sport, aber vor einem langen Flug versuche ich, den Sport auf den Vortag oder gar den Tag des Abflugs zu legen, damit mein Körper müde und zufrieden ist. So halte ich die engen Sitze in der Economy-Klasse besser aus, weil ich dann froh bin, zu sitzen.
  • Genug schlafen: Vor einem Flug wenig zu schlafen und zu denken, dass man dann in der Economy-Klasse den Schlaf nachholen kann, ist meiner Meinung nach keine gute Strategie. Es ist dort bekanntermassen ja sowas von unbequem, dass ich normalerweise nur ein paar Stunden schlafen kann, was nie reicht, um bei der Ankunft nicht müde zu sein.
  • Koffer nicht im letzten Moment packen: Ist stressig und man vergisst leicht Sachen, wenn man in Eile ist.

Im Flugzeugiu

  • Nur wenige Sachen in die Kabine mitnehmen: Da man ja ohnehin kaum Platz für nichts hat, nehme ich in die Kabine nur ein gutes Buch, Gehörschutz und ein aufblasbares Nackenkissen mit.
  • Zurückhaltung bei Kaffee und Alkohol üben: Beide stören den Schlaf und die Anpassung an eine neue Zeitzone. Hier habe ich das Glück, dass ich sowieso weder das eine noch das andere trinke.
  • Vorsicht mit Schlafmitteln: Ich habe bis jetzt noch nie Schlafmittel genommen und denke, dass es nicht nötig ist. Eine Flugreise über mehrere Zeitzonen ist einfach anstrengend, das lässt sich mit Schlafmitteln wohl kaum ändern oder lindern.
  • Gehörschutz: Flugzeuge sind unangenehm laut. Ein starker Gehörschutz hilft ungemein, auch um besser schlafen zu können. Wenn man das Angebot des Inflight Entertainment Systems (Filme) nutzen will, dann empfiehlt es sich, Kopfhörer zu kaufen, die Geräusche reduzieren. Nur so kann man die Dialoge verstehen, ohne die Lautstärke auf gehörschädigende Niveaus hochstellen zu müssen.

Bei der Ankunft

  • Es ist ein bekannter Anfängerfehler, bei der Ankunft im Hotel gleich ins Bett zu sinken und zu schlafen, bis man ausgeruht ist. Man sollte sich nach der Ortszeit richten und somit also warten, bis es etwa 22h abends ist. Ansonsten, das ist meine Erfahrung und auch die von anderen Vielreisenden, wird man das Jetlag möglicherweise auch nach einer Woche in der neuen Zeitzone noch nicht im Griff haben. Allenfalls eine kurze Siesta von einer halben Stunde direkt nach der Ankunft, aber mehr ist gefährlich. Die Zeit bis zum bis zum Schlafengehen um ca. 22h kann man sich mit einem Spaziergang und einem Abendessen in der neuen Stadt verkürzen.

 

QA

Q & A: Kann ein Second-Hand-Cellokoffer eine gute Sache sein?

Ab und zu stellen mir Leser eine Frage von allgemeinem Interesse. Ich publiziere sie dann mit meiner Antwort anonymisiert unter der Rubrik Q & A (Question and Answer). Zögern Sie nicht: Auch Sie können mir Ihre Frage stellen.

Frage:
Ich bin schon länger auf der Suche nach einem geeigneten und gleichzeitig bezahlbaren Cellokoffer. Ich stelle mir zum Beispiel die Frage, ob es sinnvoll ist, angesichts von Preisen von häufig 100€ und mehr (in Deutschland) auf einen gebrauchten Koffer auszuweichen (oder ermüdet das meistens verwendete Material?). Wenn ja, gibt es geeignete Bezugsquellen außerhalb von persönlichen Kontakten und ebay/kleinanzeigen (bspw. einen speziellen Marktplatz für gebrauchtes Streicherzubehör?).
Ich weiß, dass Sie erst kürzlich eine Anfrage zu einem speziellen Kasten beantwortet haben. Vielleicht wären ein paar allgemeine Hinweise (vll. auch: worauf ist beim Kauf zu Achten?) auch für andere Lesen von Interesse…

Antwort:
Ihre Frage ist sehr interessant.
Ehrlicherweise muss ich vorausschicken, dass ich den Gebraucht-Cellokoffer-Markt nicht kenne. Aber ich vermute, dass man bei den Second Hand Koffern häufig mit sehr schweren, älteren Koffern konfrontiert wird.
Eine Investition in einen guten neuen Cellokoffer lohnt sich für Cellisten in der Regel immer. Es muss ja nicht unbedingt das ultraleichte Top-Modell aus Kohlefasern sein, welches nur 2.8kg wiegt. Aber einen vernünftigen Plastikkoffer wie diesen hier (wiegt 4,8kg) würde ich in Erwägung ziehen. Ich hatte das Vorgängermodell davon und es diente mir 12 Jahre lang. Danach war der Koffer nicht mehr ganz wasserdicht, weswegen ich ihn weitergab (der neue Besitzer war über die Undichte informiert). Mein aktueller Cellokoffer (ein Accord Standard) hält auch bereits über 13 Jahre, trotz intensivem, täglichem Gebrauch. Einzig die Verschluss-Schnallen musste ich auswechseln lassen. Vermutlich wird er mir noch mehrere weitere Jahre dienen. Ich finde, dass die lange Lebensdauer den hohen Preis eines guten Cellokoffers relativiert. Einen billigen, der dann nur ein paar Jahre hält, weil die Qualität schlecht ist, würde ich vermeiden.
Second Hand Angebote können Sie durchaus prüfen. Ich würde aber jeden Koffer immer persönlich in Augenschein nehmen und nebst der Qualität und dem Zustand auch auf das Gewicht und den Tragekomfort achten (die beste Art, ein Cello zu transportieren ist wie ein Rucksack auf dem Rücken – ältere und zum Teil sehr schwere Koffer bieten diese Möglichkeit oft nicht oder haben nur einen einzigen Riemen anstatt zwei, was besonders bei schweren Koffern sehr unbequem ist). Von allzu schweren Koffern (über 5kg) rate ich ab.

QA

Q & A: Ist der Brack-Cellokasten gut?

Ab und zu stellen mir Leser eine Frage von allgemeinem Interesse. Ich publiziere sie dann mit meiner Antwort anonymisiert unter der Rubrik Q & A (Question and Answer). Zögern Sie nicht: Auch Sie können mir Ihre Frage stellen.

Frage:

Ich bin ein Hobby-Cellist auf der Suche nach einem Cellokasten. Dabei bin ich auf die Schweizer Firma Brack gestoßen. Bei uns kann man nur GEWA- und BAM-Kästen anschauen. Haben Sie zufällig Ihre Erfahrungen mit Brack-Kästen?

Antwort:

Selber habe ich keinen Brack-Cellokasten. Aber die Kollegen, die einen besitzen sind damit sehr zufrieden. Es handelt sich um ein Qualitätsprodukt. Zwar ist er ein wenig schwerer als etwa der Kohlefaserkasten der Firma Accord. Aber ich würde ihn in Zukunft dennoch in die engere Auswahl nehmen, weil er das Cello offenbar besser gegen Kälte isoliert als der Accord-Kasten.
Die Kästen von Bam und Gewa kenne ich nicht gut.

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Alltag für Cellisten: “Ist das ein Maschinengewehr?”

Sie machen sich keine Vorstellung, wie oft man als Cellist folgende Situation erlebt:

Ich gehe durch die Stadt oder sitze in einem öffentlichen Verkehrsmittel und ein Kind zeigt mit dem Finger auf meinen Cellokasten und fragt seine Mutter: “Mami, was ist das?” Sehr oft hat die Mutter keine Ahnung (was ich ihr nicht allzu übel nehme, ich weiss ja auch nicht alles) und antwortet ihrem Kind: “Das ist eine Gitarre”. Nicht selten denkt sie aber auch, es sei eine “Bassgeige”. Fragt das Kind aber seinen Vater, dann ist die Antwort nicht selten: “Das ist ein Maschinengewehr”. Und der Vater freut sich dann laut lachend über seinen guten Witz. Eine häufige Variante davon ist, dass man spontan von wildfremden Herren angesprochen wird: “Haben Sie da ein Maschinengewehr drin?” Natürlich kennt jeder Cellist den James Bond Film, in dem ein Gewehr im Cellokasten transportiert wird und meiner Meinung nach ist es auch ein sehr guter Bond-Film. Aber als jemand, der sein Cello tagtäglich auf dem Rücken trägt, hört man diesen “Witz” so oft, dass es mich nicht erstaunte, als ich neulich ein von leidgeprüften Berufskollegen entworfenes T-Shirt mit folgendem Aufdruck sah: “Dies ist keine Gitarre, kein Kontrabass und kein Maschinengewehr. Nein, es ist ein Cello.”

Vielleicht spricht es sich ja mal rum, dass der Witz nicht mehr so originell ist.

Allerdings ist mir die Frage nach dem Maschinengewehr immer noch lieber als das, was ich neulich erlebt habe. Anlässlich einer Opernaufführung in einer ausrangierten Fabrik, in der das Publikum sich direkt neben dem Orchester aufhielt, kam ein älterer Herr auf mich zu. Mit dem Fingernagel seines rechten Zeigefingers hämmerte er energisch auf die Decke meines Cellos und fragte: “Was ist das?” Geschockt, dass jemand mein fragiles Cello so behandelt, reagierte ich nicht gleich und somit klopfte er erneut viermal auf mein Cello, wieder mit dem Fingernagel seines Zeigefingers und durchaus kräftig. Als ich dann endlich schaltete und ihm antwortete: “Das ist ein Cello”, gab er sich zufrieden und ging. Vermutlich hatte er gedacht, es sei ein Maschinengewehr.

Als Orchestermusiker fit bleiben

Wenn man eine Vollzeitstelle im Orchester hat, dann ist der Terminkalender automatisch mit Proben, Konzerten und oft auch Konzertreisen zugepflastert. Dazu kommt das Privatleben mit weiteren genauso wichtigen Terminen und Verpflichtungen und schlussendlich bleibt fürs individuelle Üben nur noch wenig Zeit. Ist es in so einer Situation überhaupt möglich, ein hohes Niveau zu halten? Manche würden mit nein antworten. Aber meiner Meinung nach ist es machbar. Letztendlich läuft es darauf hinaus, ob man es wirklich will oder nicht. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.

Eines der grössten Probleme des Streichers im Orchester ist, dass er fast immer in einer Gruppe musiziert und sich selber somit nicht wirklich hört. An die Intonation werden in diesem Kontext weniger hohe Ansprüche gestellt und kleinere Fehler in der Bogenführung werden oft von der Gruppe kompensiert. Es kann daher durchaus passieren, dass man sich nach 10 Jahren im Orchester für solistische und kammermusikalische Auftritte nicht mehr fit fühlt, weil man den Klang und die Intonation vernachlässigt hat.

Wie kann man es dennoch schaffen, auf solistischem und kammermusikalischem Niveau zu bleiben?

Jeden Tag üben
Man kann es sich nicht zu oft erlauben, nicht zu üben und zwar aus dem einfachen Grund dass man als Vollzeit-Orchestermusiker so oder so schon wenig zum üben kommt und man sich die Zeit fürs Üben täglich regelrecht zusammenkratzen muss ist. Klar gibt es ab und zu mal einen Tag, an dem man körperlich oder mental einfach zu müde ist oder schlichtweg keine Zeit findet. Solche Tage sollten aber die Ausnahme sein wenn man man Ball bleiben will.

Nicht nur Orchestermaterial üben
Obschon die Orchesterliteratur technisch sehr anspruchsvolle Stücke bereithält, sollte man doch auch eigene Projekte haben. Im Moment arbeite ich mich beispielsweise durch alle Piatti-Capricen durch und gehe erst zur nächsten weiter, wenn ich finde, dass ich mit dem Niveau zufrieden sein kann.

Eigene Konzerte geben
Ich glaube dass es sehr wichtig ist, nicht nur im Orchester zu konzertieren. Idealerweise sucht man sich auch Auftrittsmöglichkeiten als Solist und Kammermusiker. Das sind dann vielleicht nicht immer die lukrativsten Engagements aber für den Künstler im Orchestermusiker ist es sehr wichtig auch ohne die Unterstützung des ganzen Orchesters mit herausfordernden Werken vors Publikum zu treten. Für mich ist es am besten, eine Mischung zu haben: Quartett, Klaviertrio, Solorezitals, Duos (mit Klavier, Violine, Bratsche, etc.) und hin und wieder auch einen Auftritt als Solist mit Orchester. Auf diese Weise ist man gezwungen den Klang zu pflegen, die Intonation ständig zu verbessern, die eigene Technik immer auf Bestniveau zu halten und sich ein solides Nervenkostüm zu bewahren. Es sorgt auch für Abwechslung im Musikeralltag.

Keine schlechten Angewohnheiten im Orchester
Auch oder gerade bei den schweren Stellen sollte man im Orchester nicht davon ausgehen, dass die anderen dann schon geübt haben werden. Immer versuchen, der Gruppe eine Stütze zu sein. Auch bei gesanglichen Stellen sollte man auf den Klang achten. Eine verbreitete “Krankheit” ist, das schöne Legato zu vernachlässigen. In der Gruppe klingt es ok, aber beim solistischen Spielen fehlt dann etwas. Ständig sollte man nach solchen Tendenzen Ausschau halten.

Gute Terminplanung und entsprechende Prioritäten
Wer auf dem Instrument fit bleiben will, muss dies zu einer Top-Priorität im Leben machen. Es ist zugegebenermassen nicht einfach, jeden Tag genügend Zeit fürs Üben freizuschaufeln und andere Sachen sind auch wichtig. Aber wenn fit bleiben auf dem Cello ein wichtiges Ziel ist, dann muss das tägliche Üben eine sehr hohe Priorität haben.

Sich aufnehmen

Das eigene Spiel von aussen wahrzunehmen ist eine riesige Hilfe. Man hört so viele Dinge, die einem sonst entgehen.

Vor der  eigenen Haustüre kehren

Über andere zu lästern ist ein unterhaltsames Hobby. Aber letztendlich kann man wenn man bei sich selber ansetzt die grösseren Erfolge erzielen, weshalb ein Quäntchen Selbstkritik, gefolgt von einer guten Übesession mehr bringt.

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Zeitmanagement-Tipps für Musiker

Eine Agenda führen

Es gibt ab und zu Leute, die keine Agenda führen und alle Termine im Kopf haben. Ich finde das immer erstaunlich um nicht zu sagen an der Grenze zur Unverantwortlichkeit. Wenngleich eine beeindruckende Gedächtnisleistung ist es doch sehr gefährlich und nicht nachahmenswert, weil es verheerende Folgen haben kann, wenn man einen wichtigen Termin vergisst. Und das Sprichwort “der schwächste Bleistift ist stärker als das beste Gedächtnis” darf man in seiner Wahrheit nicht unterschätzen.

Kein Double-Booking

Wenn man eine Agenda führt ist die Gefahr des Double-Bookings viel kleiner. Double-Booking oder zu deutsch “Doppel-Buchen” ist, wenn man in zwei Konzerten oder Proben gleichzeitig spielen sollte, also an zwei Orten gleichzeitig sein sollte, was natürlich nicht geht. Ein unverzeihliches Vergehen!

Nein sagen

Daraus resultiert, dass man Anfragen ablehnen muss, wenn man bereits anderweitig verplant ist. Auch muss man hin und wieder Anfragen negativ beantworten, weil man nicht jede freie Minute in einer Probe oder einem Konzert sitzen kann. Ab und zu muss man sich auch erholen, oder üben oder schlicht sein Privatleben führen.

Einmal angenommene Engagements nicht mehr absagen

Nur wenige Gründe rechtfertigen die Absage eines einmal angenommenen Engagements. Dazu gehört ein Todesfall oder Krankheit. Was nicht gut ankommt ist, wenn man ein Engagement absagen will, weil man in der Zwischenzeit ein “besseres” angeboten gekriegt hat. Es kommt deswegen schlecht an, weil sich dann jemand als zweite Wahl fühlt, was nicht schmeichelhaft ist. Wenn man das oft tut, wird man mit der Zeit nicht mehr angefragt werden. (Ich machte das nur einmal und beschloss: nie wieder. Man muss vorher entscheiden, ob man ein Engagement annehmen will oder nicht.)

Frühzeitig beginnen

Es zahlt sich immer aus, frühzeitig mit der Arbeit an Projekten zu beginnen. In einem ersten Schritt schätze ich immer ab, wieviel Übezeit ich für einen Stück ungefähr brauche und dann versuche ich, dementsprechend rechtzeitig zu beginnen. Wenn man zu spät beginnt entsteht sehr viel unnötiger Stress und die Qualität des Konzerts kann schlechter sein als üblich.

Täglich weiterkommen

Die beste Art sich als Musiker durchs Berufsleben zu schlagen besteht darin, am Instrument immer in Form zu bleiben. Man sollte jeden Tag Zeit finden nicht nur die Stücke, die im Orchester anstehen zu üben und zu lernen sondern auch individuell besser zu werden. Tonleitern, Etüden, Kammermusik, Solowerke und dazu selbstverständlich das Orchestermaterial eignen sich bestens um sich stets zu fordern und Fortschritte zu erzielen. So bleibt man immer vorne dabei.

Ausgeruht sein

Genug Schlaf während der Nacht ist für mich extrem wichtig und ich mache wenn es irgendwie geht auch einen Mittagsschlaf, weil man als Musiker auch abends sehr konzentriert arbeiten können muss.Müdigkeit sowie Unlust können da ein Problem sein. Auch fällt man ausgeruht bessere Entscheidungen in allen Bereichen… sei es musikalisch, zeitplanerisch oder wo auch immer.

Fokus

Menschen, die sich hinsetzen und fokussiert arbeiten kommen viel weiter als solche, die sich ständig ablenken lassen. Beim Cello üben ist das sehr manifest. Eine Pause nach 40 Minuten ist sicher richtig, aber wenn man ständig nach 10 Minuten wieder für eine halbe Stunde andere Sachen erledigt oder an den PC sitzt um schnell mal im Web ein bisschen rumzusurfen, so hat man am Ende des Tages das Cello zwar stets ausgepackt gehabt, wahrscheinlich aber kaum geübt.

Wegzeit/Reisezeit nicht unterschätzen

Gewisse Engagements machen einfach keinen Sinn, weil sie zu weit weg von zu Hause stattfinden oder der Reiseaufwand unverhältnismässig hoch ist. Orchestertourneen sind ein gutes Beispiel dafür. Ich mache nur welche mit dem eigenen Orchester, weil ich da keine Wahl habe und muss. Aber zweieinhalb Wochen lang weg von zu Hause sein, ständig extrem lange Flüge aushalten, davor im Flughafen rumsitzen, danach im Bus und dann ständig alle zwei bis drei Tage die Stadt wechseln… wenn Zeit kostbar ist, würde ich solche Engagements meiden, sofern ich die Wahl habe.

Auch für “normale” Proben und Konzerte in der Nähe muss man immer genug Wegzeit und ein bisschen Zeitreserve einplanen für Unwägbarkeiten wie Stau, Zugausfall oder Verspätungen berücksichtigen.

In der Nähe des Arbeitsortes leben

Hat man eine feste Stelle, dann zahlt es sich aus, wenn möglich in der Nähe zu wohnen. Die Zeit, die durch Pendeln verlorengeht ist nicht zu unterschätzen. Klar kann man während einer einstündigen Zugfahrt lesen, Musik hören, essen und ein paar andere Sachen machen. Aber zu Hause geht das alles auch und dazu noch viel besser. Vor allem kann man zu Hause üben. Eine Zeit lang arbeitete ich in Luzern, wohnte aber noch in Basel. Immer wenn ich in Luzern einfuhr dachte ich mir: jetzt fahren die Kollegen zu Hause los und ich bin bereits eineinhalb Stunden unterwegs – eine schwer erträgliche Vorstellung. Wir sind dann bald nach Luzern umgezogen, was die Lebensqualität enorm verbessert hat.

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Demut

Wenn einen der Musikerberuf etwas ganz bestimmt lehrt, dann Demut. Wohl macht man immer kleine Fortschritte und erzielt beachtliche Ergebnisse. Aber in einer Branche, in der die Ansprüche sehr hoch sind, Bestleistungen gerade gut genug sind und die Erbringung solcher als selbstverständlich erachtet wird, muss man sich immer wieder kleine Fehler eingestehen. Man trifft den einen Ton nicht, man verschläft einen Einsatz. Man liest einen Rhythmus falsch. Man kann immer eine Entschuldigung suchen und finden. Da wären die Umstände, das Licht, die Temperatur, der Dirigent, der Saal usw. Aber letztendlich kann man es sich in diesem Hochleistungsbereich kaum erlauben, eigene Fehler zu ignorieren, weil man sonst eines schönen Tages merkt, dass man nicht mehr auf der Höhe ist.

Jedenfalls mache ich bei fast jedem Konzert eine Tonaufnahme, welche ich nachher abhöre. Und es ist einfach erstaunlich, wie meine Wahrnehmung während dem Konzert abweichen kann von dem was ich nachher auf der Aufnahme höre – und zwar im Guten wie im Schlechten.

Oft ist man positiv überrascht wenn man etwa dachte, dass ein Konzert nicht so toll war, beim Hören der Aufnahme aber merkt, dass es ja im Grunde genommen gar nicht so übel war.

Es kommt aber genauso oft vor, dass man im Konzert meinte genau den richtigen Klang für das Cellosolo gefunden zu haben, später beim Abhören der Aufnahme aber beispielsweise über die Amplitude des Vibratos und die dem Klang zu Grunde liegende Bogenführung geschockt ist.

Oder man stellt fest, dass man im Konzert fast immer zu leise war resp. die anderen zu laut. Im nächsten Konzert gibt man dann alles was das Cello klanglich hergibt, merkt danach aber, dass man nun häufig selber zu laut war oder die Klangschönheit gelitten hat und man folglich überkompensiert hat.

Viele verzichten darauf, sich selber aufzunehmen und verlassen sich aufs Gefühl und auf die Rückmeldungen der Kollegen und des Publikums. Das wäre natürlich bequem, weil man dann nicht immer die Aufnahmeausrüstung mitschleppen müsste. Doch gerade die kleinen Fehler, die man bei sich selber entdeckt und auf die einen oft niemand aufmerksam macht sind ein sehr wichtiger Grund, warum man sich aufnimmt. Wie will man ein Problem bekämpfen, das man nicht als solches wahrnimmt? Ich möchte den Luxus einer Aufnahme nicht missen, weil sie hilft, sich auf dem Weg zum richtig guten Musiker zu orientieren und schlicht Demut lehrt, welche hoffentlich unangenehmen Grössenwahnfantasien vorbeugt.

 

Wo habe ich meine Noten? (Photo by Charly Rappo)

Das perfekte Cello…

In meinem Leben habe ich bereits auf zahlreichen Instrumenten spielen dürfen. Fünf habe ich selber besessen, eines wurde mir für ein Jahr zur Verfügung gestellt und viele mehr habe ich ausprobiert. Es waren Celli in allen Preisklassen (9500 – 1’000’000 SFr) wobei ich die Instrumente im sechsstelligen Preisbereich nicht gekauft hatte, sondern sie mir längerfristig zur Verfügung gestellt wurden. Das Millionencello (ein Gofriller) habe ich nur beim Verkäufer ausprobiert.

Jedes einzelne dieser Instrumente hatte seine Stärken, aber eben auch seine Schwächen. Ich bin versucht zu schreiben, dass es das perfekte Cello gar nicht gibt, habe aber natürlich nicht alle Celli dieser Welt ausprobiert.

Was wäre denn überhaupt ein perfektes Cello? Meine Wunschliste ist wie folgt:

Das Cello…

  1. hat einen schönen Klang,
  2. eine schnelle und unkomplizierte Ansprache,
  3. einen grossen Klang und/oder eine durchsetzungsfähige/obertonreiche Klangfarbe (was nicht das gleiche ist),
  4. einen bezahlbaren Preis,
  5. ist in gutem Zustand
  6. sieht schön aus
  7. stammt von einem namhaften Geigenbauer
  8. ist finanziell gesehen eine gute Investition

Bislang ist mir kein Cello untergekommen, das alles konnte.

Gewisse Eigenschaften scheinen zudem im Widerspruch zueinander zu stehen. So hat ein lautes Cello oft nicht den allerschönsten Ton. Umgekehrt haben leisere Celli oft eine sehr schöne Klangqualität. Eine andere Eigenschaft, die man sich wünscht ist ein durchsetzungsfähiger Klang. So ein Klang ist aber normalerweise obertonreich, was manche Leute als “schrill” bezeichnen würden und somit nicht als schönen Klang.

Aber gehen wir doch nun meine Wunschliste der Reihe nach durch und ich gebe meine Meinung dazu.

  1. Schöner Klang: In der Tat ist ein schöner Klang eine sehr wünschenswerte Eigenschaft. Was gefällt ist wie bei allem Geschmacksache und individuell verschieden. Aber ich denke, dass die meisten Musiker einen warmen, weichen, runden und komplexen Klang schätzen. Auf der andere Seite ist ein solcher Klang meistens nicht sehr durchsetzungsfähig und trägt eher schlechter als ein heller Klang. Zudem macht der Musiker und nicht das Cello den Klang. Ich will damit sagen, dass ein Cellist jedem Cello seinen Stempel aufdrückt und im Endeffekt auf jedem Instrument gleich klingt. Die Unterschiede von einem Cello zum anderen sind wirklich minimal und wenn man so ein Experiment durchführt, so merkt man, dass ein Super-Cellist auf jedem Cello sein Klang-Ideal reproduziert, egal wie gut oder schlecht das Instrument ist. Es gibt indes aber Instrumente, die einem mehr entgegen kommen als andere und solche, auf denen man härter arbeiten muss, um seine Vorstellung zu verwirklichen. Und natürlich sind erstere zu bevorzugen. Schliesslich gibt es auch ein paar schlichtweg fürchterliche Celli, die man gar nicht spielen will. Aber selbst darauf würde ein guter Cellist in der Not erstaunlich schön spielen.
  2. eine unkomplizierte Ansprache: Für mich ist das eine der wenigen objektiv feststellbaren Eigenschaften. Es gibt Instrumente die beim Streichen mehr Nebengeräusche erzeugen als andere. Eine gute Ansprache ist etwas, worauf ich immer Wert lege, weil man einfach weniger Stress hat, wenn ein Ton zuverlässig frei von Nebengeräuschen erzeugt werden kann. Manchmal spielt hier auch der Bogen ein Rolle, nämlich wenn man neue Haare hat, welche noch nicht gleichmässig und richtig einkolofoniert sind, dann pfeift es mehr als üblich. Aber in der Regel ist das Cello der Hauptfaktor.
  3. einen grossen oder durchsetzungsfähigen Klang: Ich brauchte lange, bis ich realisierte, dass es nicht unbedingt das selbe ist. Natürlich wird ein Cello, das richtig laut ist, sich immer durchsetzen können und das ist auch eine tolle Eigenschaft, welche ein Cello haben kann! Aber wenn ein Cello auf dem Dezibel-Messgerät gemessen etwas leiser ist, so kann es sich vielleicht mit einem helleren, obertonreichen Klang retten, welcher im Saal gut trägt. Das ist dann vielleicht nicht immer der allerschönste Celloklang, aber manchmal geht es nur darum, dass man das Cello überhaupt hört. Nicht umsonst spielen viele Solisten mit einem belgischen Steg, welcher mehr Obertöne erzeugt und auch nicht umsonst spielt man wenn man laut sein muss nahe am Steg, wo mehr Obertöne erzeugt werden.
  4. Bezahlbarer Preis: Die Budgets sind von Person zu Person verschieden aber es gibt Celli, die nur noch Multimillionäre bezahlen können. Ich würde nie Schulden machen, um ein Cello zu kaufen. Man sollte einfach so lange suchen, bis man ein bezahlbares Cello findet, das einem gefällt. Warum: Es kann durchaus passieren, dass man nach ein paar Jahren ein Cello wieder verkaufen will. Wenn es dann einen exorbitant hohen Preis hat, so ist der Kreis potenzieller Käufer kleiner und es ist schwieriger abzustossen wohingegen ein bezahlbares und gutes Cello einfacher verkauft werden kann. Und zweitens kann man sich fragen, ob man diese hohen Preise tatsächlich unterstützen will. Es ist schon fragwürdig, dass die Preise immer weiter steigen weil sich Musiker in Schulden stürzen, welche sie dann über Jahrzehnte abstottern. Vielleicht steigen die Preise für namhafte Geigenbauer tatsächlich immer weiter aber man muss wissen, dass es auch Instrumente gibt, die bezahlbar sind und trotzdem exzellent sind.
  5. Der Zustand eines Instrumentes sollte gut sein. Natürlich kann man Stimmrisse sehr gut flicken aber so ein Cello ist immer schwieriger zu verkaufen, weil jeder Interessent (wahrscheinlich zu Recht) skeptisch ist. Auf der anderen Seite kann kein altes Cello mit dem Zustand eines neuen Instrumentes konkurrieren weil jedes ältere Exemplar hier und da ein paar Risse hat. Die Frage ist aber wo (nicht überall ist ein Riss gleich schlimm) und wie viele.
  6. Sieht schön aus: Ein optisch schönes Cello mit spektakulärem Holz und fantastischem Lack sowie schönen Formen usw. ist natürlich immer eine Freude. Aber in erster Linie muss es als Musikinstrument gut funktionieren (Klang, Ansprache, Zustand). Wenn es dann auch noch toll aussieht – umso besser.
  7. Namhafter Geigenbauer: Wer möchte nicht ein Cello von Stradivari, Gofriller, Montagnana, Vuillaume usw.? Leider rangieren diese Instrumente preislich zwischen extrem teuer bis unbezahlbar. Und auch wenn der Wert solcher Instrumente in Zukunft noch weiter steigt: Es gibt auch günstigere Instrumente, welche toll klingen und noch wichtiger: Es gibt bei den berühmten und extrem teuren Instrumenten auch solche, die nicht so toll sind. Der Wert dieser teuren Instrumente wird in erster Linie durch Angebot und Nachfrage bestimmt wobei nicht nur Musiker sondern auch Spekulanten mit viel Geld die Preise nach oben beeinflussen. Auf der anderen Seite sind diese Instrumente vor allem geschätzt, weil sie durch ihre schöne Bauweise Meilensteine im Geigenbau sind. Ob sie gut klingen und funktionieren muss man dann trotzdem im Einzelfall eruieren und es spielt bei der Preisansetzung eine sehr untergeordnete Rolle.
  8. Gute Investition: Ideal wäre es natürlich, wenn man ein Cello kauft und es zum Zeitpunkt der Pensionierung ein Mehrfaches wert ist. Aber irgendwo finde ich diese Entwicklung auch ein wenig ungesund. Aber natürlich ist sie unvermeidbar, weil ein paar sehr berühmte Geigenbauer (Stradivari und Co.) finanziell völlig ausser Reichweite sogar der bekanntesten Solisten gelangen und dadurch andere, etwas weniger bekannte Top-Geigenbauer entdeckt werden, welche dann auch wieder eines Tages sehr teuer werden. Wie schon gesagt finde ich, dass man einfach ein sehr gutes Instrument finden sollte, das man ohne Schulden bezahlen kann und von dem man denkt, dass man es eines Tages ohne Verlust verkaufen kann (der Kaufpreis also fair ist).

 

Luftbefeuchter

Erinnerung: Heizsaison/Luftbefeuchter

Am 12. November des letzten Jahres schrieb ich darüber, dass man in der Heizsaison gut daran tut, im Instrumentenzimmer einen Luftbefeuchter zu benützen. Diese Periode ist nun wieder gekommen.

Damp-it?

Damals wusste ich noch nicht so recht, was ich zum Thema Damp-it schreiben soll. In der Zwischenzeit habe ich mir eins zugelegt. Meine Einschätzung ist, dass es richtig angewendet eine gute Sache ist. Vermutlich ist sein Einfluss klein und ich würde es nicht als einzige Massnahme anwenden sondern nur als Ergänzung zum heimischen Luftbefeuchter. Aber wenn man beispielsweise viel in trockenen Räumen probt oder oft mit dem Cello in den bekanntermassen sehr trockenen Flugzeugen reist, ist es die einzige Lösung und als Ergänzung zum heimischen Luftbefeuchter sinnvoll.

Vor Auspacken das Cello Zimmertemperatur erreichen lassen

Die andere Sache, die mir im Winter wichtig scheint: Wenn man mit dem Cello in der Kälte war und anzunehmen ist, dass das Cello daher sehr stark abgekühlt ist, so würde ich vor dem Auspacken ca. fünf Minuten warten, um das Cello langsam Zimmertemperatur erreichen zu lassen. Ansonsten kann sich Kondenswasser auf dem Instrument bilden, was nicht gut ist. Auch ist ein abrupter Temperaturwechsel ein Schock, den man dem schönen und sensiblen Instrument ersparen will.

Was für ein Steg aufs Cello?

Letzte Woche wollte ich es wieder mal wissen und liess von meinem bevorzugten Geigenbauer einen neuen Steg anfertigen.

Die drei Möglichkeiten:

Wie bereits früher beschrieben, gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten: Man kann erstens den belgischen Steg wählen, welcher wegen seinem obertonreichen Klang auch Solistensteg genannt wird. Er hat proportional gesehen hohe Beine und relativ wenig Oberkörper. Zweitens kann man den französischen Steg wählen, welcher ab und zu auch deutscher Steg genannt wird. Er hat kürzere Beine und einen grösseren Oberkörper. Auch das Herz im Oberkörper ist grösser ausgeschnitten. Der Klang ist wärmer und runder. Drittens kann man ein Mittelding zwischen den zwei Stegen machen lassen. Meistens ist dieser Steg ein französischer mit längeren Beinen.

Stege: Deutscher (französischer), belgischer und ein Mittelding

Stege: Deutscher (französischer), belgischer und ein Mittelding

Zumal ich schon einen belgischen Steg hatte und befürchtete, dass ein waschechter französischer Steg klanglich zu sehr in die andere Richtung führen würde, bat ich um ein Mittelding. Nun habe ich die Möglichkeit, den belgischen Steg mit dem Mittelding zu vergleichen. Natürlich ist jedes Cello ein wenig anders aber hier kommen meine Erfahrungen, welche ich auch für mich als Referenz in der Zukunft niederschreibe, wenn’s mich wieder mal nach einem anderen Steg jucken sollte.

Belgischer Steg:

Klang: Hell und obertonreich in allen Registern. Nicht sehr rund. Lauter als das Mittelding. Man muss manchmal aufpassen, dass man nicht zu viele Obertöne erzeugt und der Klang so scharf wird, dass er nicht mehr schön ist oder im Orchester aus dem Klang der Cellogruppe hervortritt.
Ansprache: Sehr gut.
Spielkomfort: Man braucht wenig Kraft, um laut zu spielen. Leise spielen geht praktisch von selber.
Vorteile: Geringer Kraftaufwand beim Spielen, solistischer, lauter Klang, schnelle und unkomplizierte Ansprache, auch flautando-Klänge haben eine gute Präsenz.
Nachteile: A-Saite kann wenn man laut spielt und nicht aufpasst scharf und schrill klingen. Im Orchester etwas schwieriger, sich klanglich einzufügen ohne rauszustechen. Kann auf einigen Instrumenten den Klang metallischer machen.

Mittelding:

Klang: Deutlich weniger Obertöne als der belgische Steg. Runder und komplexer als der belgische Steg. Weniger laut. Auf meinem Cello in den tiefen Registern fast ein bisschen nasal. Schnelle Stellen auf tiefen Saiten klingen gerne etwas mulmig.
Ansprache: Etwas langsamer als beim belgischen Steg aber immer noch gut.
Spielkomfort: Ich habe gemerkt, dass ich viel schneller müde werde, weil ich deutlich mehr Kraft anwenden muss, um laut zu spielen. Trotzdem ist der Klang für solistische Zwecke auf meinem Cello zu klein, besonders in den tiefen Lagen. Der Widerstand des Bogens an der Saite ist grösser. Manchmal muss man in den tiefen Registern klanglich fast in die kratzige Richtung gehen, um gehört zu werden.
Vorteile: Runder, komplexer Klang, A-Saite klingt besonders schön und ausgewogen (nicht zu hell und nicht zu dunkel).
Nachteile: Laut spielen erfordert mehr Kraft, für Leute, die laut spielen müssen wahrscheinlich nicht die richtige Wahl. Kann auf einigen Instrumenten den Klang nasaler machen. Auf den tiefen Saiten fehlt vielleicht die Klarheit.

Was nun?

Letztendlich ist es eine Frage der Prioritäten, weil man nicht den Fünfer und das Weggli haben kann, wie wir in der Schweiz sagen. Entweder entscheidet man sich mit dem belgischen Steg für einen lauten Klang, den man ausserdem mit wenig Kraftaufwand aus dem Cello rausholen kann. Oder man entscheidet sich mit dem französischen Steg oder der dem Mittelding für einen interessanteren Klang, der dann vielleicht aber nicht gehört wird, weil die anderen zu laut spielen.

Ich glaube fast, dass es einfacher ist, den belgischen Steg zu wählen und den Klang mit den dem Cellisten zur Verfügung stehenden technischen Mitteln wie Bogengeschwindigkeit, Kontaktstelle und Vibrato interessanter zu machen als den Bogen noch stärker auf die Saite zu drücken, damit es laut genug wird, wenn überhaupt.