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David Popper Experience #18/40

Heute gehen wir wieder mal einen Schritt voran in diesem Dekaden-Projekt, welches mich auf dem Cello fit hält und mir grossen Spass macht, hilft, Struktur in meinen Übealltag zu bringen und auch etwas ist, was in der Form nicht jeder macht.
Die 18. Etüde in David Poppers High School of Cello Playing ist ziemlich schwierig, weil die linke Hand einen grossen Teil der Zeit in der Daumenlage spielt und viele Lagenwechsel machen muss. Auch der vierte Finger wird in der Daumenlage verwendet. Gute Intonation ist wahrscheinlich die grösste Herausforderung in diesem Stück.

Eine weitere Schwierigkeit dieser Etüde ist für mich der umfangreiche Einsatz von Flageoletts, und dazu habe ich eine Empfehlung. Durch das Studium der Popper-Etüden habe ich festgestellt, dass es sehr hilfreich sein kann, diese hohen natürlichen Flageolettreihen zunächst so zu üben, als wären es ganz normale Töne. Drücken Sie den Finger normal auf die Saite und spielen Sie sie beim Üben wie gewöhnliche gegriffene Töne. Wenn das gut funktioniert, wissen Sie genauer, wo der Finger platziert werden muss, und das Flageolett wird zuverlässiger ansprechen. Das können Sie einmal ausprobieren.

Die wichtigste Empfehlung beim Üben von schwierigem Material wie diesem ist, langsam zu üben. Sie würden nicht glauben, wie viel Zeit ich mit langsamem Üben verbringe – ohne Vibrato, mit Fokus auf einen guten Klang, präzise Intonation und saubere Lagenwechsel. Ich bin zu 100 % überzeugt, dass das Zeit spart – selbst wenn man es eigentlich eilig hat.

Wie so oft bei Popper-Etüden können sie leicht wie reine Übungen klingen, wenn man nicht darauf achtet, sie wie echte Musik klingen zu lassen. So würde ich diese Etüde zusammenfassen.

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Bach37 #1/37 · Suite Nr. 1 in G-Dur, I. Präludium

https://www.youtube.com/watch?v=203tF4PP4-E

Heute beginnt ein neues, grosses Projekt, welches sich wie meine anderen über mehrere Jahre erstrecken wird: Bach37. Wie der Name erahnen lässt, nehme ich dabei die Bach-Suiten auf. Ähnlich wie bei meinen beiden anderen grossen Aufnahmen (Piatti und Popper) werde ich auch dieses Mal nicht alles auf einmal aufnehmen, sondern ein Satz nach dem anderen. Dies hat in erster Linie damit zu tun, dass ich einerseits Qualität vor Quantität stelle und andererseits meine begrenzten zeitlichen Ressourcen ein schnelleres Arbeiten erschweren.

Wie bei den Piatti-Capricen und den Popper-Etüden ist auch bei den Bach-Suiten das Cello allein “genug”, gibt es also keine Begleitung. Steht bei Piatti und Popper aber die Entwicklung der Technik im Vordergrund und die Musik kommt nachgeordnet (beim einen mehr, beim anderen etwas weniger), so ist es bei Bach genau umgekehrt: Die Technik steht der Musik jederzeit zu Diensten. Und welche Musik das ist! Bachs Cellosuiten sind vielleicht die besten Werke überhaupt, die für Cello je geschrieben wurden. Formal, harmonisch, kontrapunktisch, melodisch… in jeder Hinsicht haben wir es mit Musik der allerersten Kategorie zu tun. 

Die Bach-Suiten haben wohl das Cello in seiner solistischen Prägung überhaupt erst möglich gemacht, denn sie zeigten (und zeigen immer noch) das volle Potenzial dieses Instruments. Man hört in diesen Suiten Einfachheit und Komplexität zugleich, echte und “virtuelle” Vielstimmigkeit auf einem (vermeintlich) monophonen Instrument, das in diesen Meisterwerken den ganzen sinnvollen Tonumfang von Bässen bis in höhere Lagen abbilden darf, Doppelgriffe, Arpeggios und vieles, vieles mehr. Alles stets aus einer musikalischen Notwendigkeit heraus, künstlerisch wie kompositionshandwerklich vollkommen und den glücklichen Cellisten vom vermutlich grössten Komponisten aller Zeiten in die Hände gelegt. 

Das Präludium der ersten Suite ist ein besonderer Moment dieser sechs Suiten, denn es ist musikalisch eingängig und leicht, aber dennoch so reichhaltig und substanziell, dass es eins der bekanntesten Musikstücke der Welt geworden ist, und den allgemeinen Zuhörer wie auch den professionellen Musiker gleichermassen zu faszinieren vermag. 

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Diezig Solo Sonata op. 3

Diezig: Cellosonate op. 3 (2020) – Eine neue Solosonate für Violoncello

  1. Andante
  2. Largo
  3. Presto

Sebastian Diezig – Violoncello
www.SebastianDiezig.com

Mit der richtigen Literatur erweist sich das Violoncello als ein erstaunlich ausdrucksstarkes und vielseitiges Soloinstrument. Die Sonate, die ich 2020 komponiert habe, lotet alles aus, was das Cello zu bieten hat, und ich freue mich, nun endlich ein Video davon zu veröffentlichen. Auf der Suche nach grösstmöglicher Polyphonie sowie harmonischer und melodischer Schönheit umfasst dieses Werk drei kontrastierende Sätze.

Als junger Cellist bewunderte ich stets die grossen Geigerinnen und Geiger dafür, wie mühelos und natürlich sie ihre Instrumente zum Singen brachten. Dies half mir damals auf der Suche nach meinem Klangideal. Heute stelle ich mir zudem aber oft vor, das Cello sei fast ebenso fähig zu reicher Polyphonie wie das Klavier, und so versuche ich, das Cello so zu nutzen, als wäre es ein Steinway. Grosse Pianistinnen und Pianisten sind mir eine starke Inspirationsquelle – ebenso bedeutende Sängerinnen und Sänger und natürlich das Sinfonieorchester mit seiner praktisch unbegrenzten Polyphonie, Farbenpalette und Klangweite.

Ein weiterer Gedanke, der mich fasziniert, ist das Konzept der One-Man-Band: Alles – von der Komposition über das Spielen, Aufnehmen und Bearbeiten bis hin zur Veröffentlichung – wird von einer einzigen Person gemacht. Das sind einige der Ideen hinter dem Projekt, das heute seinen Abschluss findet.

Alles Weitere lade ich Sie ein, selbst in dieser neuen Sonate für Violoncello solo zu entdecken!

Die Noten sind erhältlich unter www.SebastianDiezig.com/wordpress/shop

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David Popper Experience #17/40

Langsam aber sicher bahne ich mir einen Weg durch David Poppers High School Book und ich freue mich, heute ein neues Video präsentieren zu können.
Nr. 17 ist kurz und prägnant. Die Form des Stücks ist A-B-A, und während ich den A-Teil in einer von der Romantik inspirierten und dafür typisch aufgewühlten Stimmung empfinde, ist der B-Teil viel zarter (Adagio und Piano dolce). In technischer Hinsicht erkundet Popper in dieser Etüde sich schnell bewegenden Doppelgriffsequenzen (zumeist Sexten und im Mittelteil auch andere Intervalle, darunter sogar einige ungewöhnliche wie Dezimen).
In den A-Teilen stechen die Basstöne automatisch heraus, was wahrscheinlich der Grund dafür ist, dass Popper auf die hohen Noten (auf dem zweiten und vierten Schlag) Akzente gesetzt hat. Um diese akzentuierten Noten noch mehr hervorzuheben, spiele ich sie kürzer und trenne sie dadurch von der nächsten Note, damit sie sich deutlicher von der folgenden Musik abheben. Ich spiele die A-Teile auch in einem eher bewegten Tempo, weil dies musikalisch für mich mehr Sinn macht. Allerdings werden die Doppelgriff-Abläufe dadurch schwieriger.

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David Popper Experience #16/40

Sebastian Diezig interpretiert David Poppers 16. Etüde

Zuerst erschien mir die 16. Etüde von Popper nicht übermässig spannend. Mit der Zeit merkte ich aber, dass dieses Stück, wenn es inspiriert gespielt wird, richtig schön anzuhören ist. Wie immer bei Popper ist es die Vielzahl fast schon genialer harmonischer Vorgänge, die man hervorheben kann und von denen man sich leiten lassen sollte, damit die Musik farbig wird. Mein Ziel war auch dieses Mal eine musikalische Interpretation, welche hoffentlich ein wenig vergessen lässt, dass es sich “nur” um ein technisches Übungsstück handelt. Ich finde, diese Musik hat einen erzählenden Charakter. Die gedruckten Akzente sind meiner Meinung nach in dieser Etüde eher als dezenten Hinweis auf harmonisch wichtige Töne denn in beethoven’scher Manier kräftig zu spielen, da sonst die Musik leidet. Gegen Schluss, wo ich mehr Brillanz suchte, habe ich aber vier Akzente kräftig gespielt.

Als technische Schwierigkeit fallen mir vor allem die schnellen Bogen-Wechsel über mehrere Saiten ins Auge, bei denen man schnell und präzise “hebeln” muss. Auch ist für die linke Hand an der einen oder anderen Stelle das Erreichen guter Intonation nicht trivial. Insgesamt ist es aber wohl nicht die allerschwerste Etüde in dieser Sammlung. Vielleicht ist es eins der schwierigeren Stücke im Buch zum auswendig Spielen, das kann sein. Es hat vermutlich mit den vielen schnellen Noten zu tun.

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David Popper Experience 15/40

Sebastian Diezig spielt Poppers 15. Etüde

Diese 15. Etüde von David Popper hat’s wirklich in sich mit ihren den ganzen Cello-Tonumfang abdeckenden schnellen Passagen und richtig schwierigen Doppelgriffpassagen gegen Ende des Stücks. Wie immer braucht so eine Popper-Etüde auch ein wenig musikalische Hilfe, damit sie nicht allzu schülerhaft daherkommt. Es ist nicht so, dass gar keine musikalische Substanz da wäre, aber es ist eben auch kein Mozart oder Bach, und ich merke den Stücken immer an, dass sie von ihrem Schöpfer mehr für das Klassenzimmer als für den Konzertsaal gedacht waren. Trotzdem kann man musikalisch einiges rausholen, wenn man die Tempi gut wählt und mit den sich wiederholenden Teilen spielerisch umgeht. Zumindest ist dies jedes Mal meine Absicht.

Wir gehen nun schon bald ins sechste Jahr mit diesem grossen Projekt und ich stelle fest, dass ich eher langsamer vorankomme als anfänglich projektiert. Das ist aber nicht schlimm. Auch fällt mir auf, dass das Unterfangen mittlerweile ziemlich viele Leute auf Youtube interessiert, was mich natürlich ausserordentlich freut.

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David Popper Experience 14/40 “Staccato”

Sebastian Diezig spielt Poppers vierzehnte Etüde.

In diesem grossen Projekt war mir bereits am Anfang klar, dass die vierzehnte Etüde der härteste Prüfstein sein würde. Denn Staccato ist eine richtig schwierige Strichart, die selbst weltberühmte Solisten nicht immer beherrschen. Anderen gab’s der Herr im Schlaf. Doch bei mir war es so etwas dazwischen: Im Aufstrich war das Staccato seit jeher gut brauchbar. In dieser Etüde wird jedoch auch viel Staccato im Abstrich verlangt, und dies war meine Stärke bislang nicht.

Ich weiss allerdings, dass im Staccato die Synchronisation zwischen linker und rechter Hand absolut perfekt sein muss. Und Staccato ist eine Strichart, die man nicht bereits als Anfänger übt. Denn würde man als Anfänger sich damit befassen, täte man das, was alle Anfänger tun: Langsam üben. Und genau das muss man beim Staccato meiner Meinung nach tun – langsam üben und zwar viel. Auch muss wie gesagt die Synchronisation der linken Hand mit der rechten völlig einwandfrei sein, sonst verhaspelt man sich. Folglich muss jede kleinste Ungenauigkeit in der linken Hand eliminiert werden. Aus diesem Grund empfehle ich, die Etüde auch viel im Hin- und Her-Strich zu üben.

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Neues Blues-Video von Roger Morelló Ros

Es freut mich natürlich immer besonders, wenn ein Cellist eines meiner Werke aufnimmt, da es Ausdruck von Wertschätzung für eine Komposition ist. Mein Blues (komponiert 2007 während meinem Studium) wurde bereits von Luciano Tarantino auf CD aufgenommen. Nun, vor 9 Tagen, publizierte der junge Cellist Roger Morelló Ros ein Video mit dem gleichen Solostück. Ich gratuliere zur brillanten und stilsicheren Interpretation!

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Diezig Solo Sonate op. 3

Im Jahr 2020 schrieb ich eine Sonate für Cello solo, welche nun hier auf der Homepage angehört werden kann. Für ein Video bin ich noch am Üben und es wird wohl noch eine Weile dauern, da ich das Stück auswendig und perfekt spielen will. Es ist recht schwer geworden aber ich meine, es ist eine gute Komposition. Wie immer bei mir klingt es meistens harmonisch. Mein Ziel war es dieses Mal aber auch, die polyphonischen Möglichkeiten des Cellos auszuschöpfen. So gibt es im letzten Satz z.B. ein vierstimmiges Fugato.

Die Sonate hat drei Sätze:

  1. Andante in Sonatensatz-Form
  2. Largo in der A-B-A-Form
  3. Presto in einer Art Rondo-Form

Dauer: 15 min

Schreiben Sie gerne in die Kommentar-Sektion, was Sie von dem Stück halten. Im Shop können Sie ausserdem das Notenmaterial dazu (und zu meinen anderen Kompositionen) kaufen.

Live-Aufnahme vom Konzert in Ueberstorf am 19.2.2023, Sebastian Diezig – cello:

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David Popper Experience 13/40

Sebastian Diezig spielt Poppers Etüde Nr. 13

Heute bin ich bei meinem David Popper Projekt wieder mal einen kleinen Schritt weiter gekommen. Da ich auch bereits alle Piatti-Capricen in ähnlicher Weise aufgenommen habe, frage ich mich immer mal wieder, ob die Popper-Etüden womöglich schwieriger zu spielen sind als die Piatti-Capricen. Mein Zwischeneindruck ist folgender: Ich denke ja. Natürlich gibt es einige Etüden von Popper, welche nicht sonderlich schwer sind, aber die allerschwierigsten wie etwa diese Nr. 13 sind wohl tatsächlich unangenehmer zu spielen als die schwersten Piatti-Capricen. Es kann zwar sein, dass ich mit der Zeit die zurückliegenden Schwierigkeiten etwas vergessen habe, zumal das Piatti-Projekt bereits mehrere Jahre in der Vergangenheit liegt. Aber Popper hat eine fast obsessive Art, gewisse technische Spitzfindigkeiten seitenlang und in allen Lagen und Tonarten auszubreiten und auszubrüten, die ich bei Piatti in der Ausgeprägtheit nicht zu erinnern vermag. Auch kommt dazu, dass Poppers Etüden grundsätzlich – mit einigen Ausnahmen – von der musikalischen Aussage weniger substanziell sind, da sie nach meinem Dafürhalten nicht fürs Konzert gedacht waren, sondern als Übungen. Dadurch hat man die zusätzliche Sorge, sie ständig musikalisch beleben und “beseelen” zu wollen. Dies gesagt, finde ich sie trotzdem äusserst interessant und hilfreich und mache selbstverständlich weiter.