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Bach37 #3/37 · Suite Nr. 1 in G-Dur, III. Courante

Die Courante der ersten Suite ist einer dieser Bach-Sätze, die richtig tanzen. Ich spiele sie lieber nicht zu virtuos oder übermässig schnell, damit ihr tänzerischer Charakter besser zur Geltung kommt. Andererseits handelt es sich in den Bach-Suiten um stilisierte Tänze, welche nicht eigentlich als Tanzmusik gedacht waren. Eine gewisse Eleganz sollte also stets gewahrt bleiben.

Auch dieses Mal habe ich mich für die Bogenstriche und Artikulationen von den Abschriften Anna Magdalena Bachs aus den Jahren 1727 bis 1731 und J. P. Kellners aus dem Jahr 1726 inspirieren lassen. Wirklich eindeutig und genau sind die Striche dort indes nicht notiert, und oft widersprechen sich die beiden Kopisten auch. Es bleibt also Raum für eigene Entscheidungen, um die Bogeneinteilung etwas zu optimieren. Vieles kann man aber durchaus erkennen oder zumindest erahnen, in welche Richtung es geht, und man kriegt den Eindruck, dass manche moderne Artikulationskonzepte zu stark vereinfachend sind. Einfachere bzw. systematischere Artikulationen und Bogenstriche machen natürlich das Auswendigspiel dieser Suiten viel praktikabler. Dies dürfte der Hauptgrund für ihre Existenz sein.
Sich all diese Bogenstriche zu merken, ist nämlich tatsächlich wohl die grösste Herausforderung in diesem ansonsten nicht besonders schwierigen Stück. Manchmal frage ich mich deshalb sogar, ob solche komplizierten Striche wirklich nötig sind, und ich vermute, die Antwort lautet: wahrscheinlich nicht. Aber so vieles im Leben ist nicht notwendig und trotzdem schön zu haben.

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Bach37 #1/37 · Suite Nr. 1 in G-Dur, I. Präludium

https://www.youtube.com/watch?v=203tF4PP4-E

Heute beginnt ein neues, grosses Projekt, welches sich wie meine anderen über mehrere Jahre erstrecken wird: Bach37. Wie der Name erahnen lässt, nehme ich dabei die Bach-Suiten auf. Ähnlich wie bei meinen beiden anderen grossen Aufnahmen (Piatti und Popper) werde ich auch dieses Mal nicht alles auf einmal aufnehmen, sondern ein Satz nach dem anderen. Dies hat in erster Linie damit zu tun, dass ich einerseits Qualität vor Quantität stelle und andererseits meine begrenzten zeitlichen Ressourcen ein schnelleres Arbeiten erschweren.

Wie bei den Piatti-Capricen und den Popper-Etüden ist auch bei den Bach-Suiten das Cello allein “genug”, gibt es also keine Begleitung. Steht bei Piatti und Popper aber die Entwicklung der Technik im Vordergrund und die Musik kommt nachgeordnet (beim einen mehr, beim anderen etwas weniger), so ist es bei Bach genau umgekehrt: Die Technik steht der Musik jederzeit zu Diensten. Und welche Musik das ist! Bachs Cellosuiten sind vielleicht die besten Werke überhaupt, die für Cello je geschrieben wurden. Formal, harmonisch, kontrapunktisch, melodisch… in jeder Hinsicht haben wir es mit Musik der allerersten Kategorie zu tun. 

Die Bach-Suiten haben wohl das Cello in seiner solistischen Prägung überhaupt erst möglich gemacht, denn sie zeigten (und zeigen immer noch) das volle Potenzial dieses Instruments. Man hört in diesen Suiten Einfachheit und Komplexität zugleich, echte und “virtuelle” Vielstimmigkeit auf einem (vermeintlich) monophonen Instrument, das in diesen Meisterwerken den ganzen sinnvollen Tonumfang von Bässen bis in höhere Lagen abbilden darf, Doppelgriffe, Arpeggios und vieles, vieles mehr. Alles stets aus einer musikalischen Notwendigkeit heraus, künstlerisch wie kompositionshandwerklich vollkommen und den glücklichen Cellisten vom vermutlich grössten Komponisten aller Zeiten in die Hände gelegt. 

Das Präludium der ersten Suite ist ein besonderer Moment dieser sechs Suiten, denn es ist musikalisch eingängig und leicht, aber dennoch so reichhaltig und substanziell, dass es eins der bekanntesten Musikstücke der Welt geworden ist, und den allgemeinen Zuhörer wie auch den professionellen Musiker gleichermassen zu faszinieren vermag.