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Bach37 #2/37 · Suite Nr. 1 in G-Dur, II. Allemande

Heute setzen wir das Bach37-Projekt mit der Allemande aus der ersten Suite fort. Wie Sie wahrscheinlich wissen, werde ich die gesamten Suiten für Violoncello solo Satz für Satz aufnehmen — so, wie ich es zuvor bereits mit den Piatti-Capricen getan habe und wie ich es weiterhin mit den Popper-Etüden aus der High School of Cello Playing mache.

Wir können uns natürlich glücklich schätzen, dass die Bach-Suiten überhaupt erhalten geblieben sind. Gleichzeitig ist die Quellenlage bekanntermassen komplex, da Bachs Originalmanuskript verloren gegangen ist. Deshalb müssen wir uns in erster Linie auf Abschriften von Anna Magdalena Bach und J. P. Kellner stützen. Keine dieser Quellen ist hinsichtlich Artikulation besonders präzise, und zudem widersprechen sie sich häufig. Die Aufführung der Suiten erfordert daher zwangsläufig interpretatorische Entscheidungen bezüglich Artikulation und Stricharten.

Aus den erhaltenen Quellen scheint klar hervorzugehen, dass viele Passagen eher mit getrennten Strichen als mit Bindungen versehen sind, was darauf hindeutet, dass ein allzu legatohaftes Spiel möglicherweise nicht angemessen ist. Gleichzeitig glaube ich, dass diese Musik so tiefgründig und universell ist, dass sie selbst mit der „falschen“ Artikulation oder Bogentechnik aussergewöhnlich bleibt — vorausgesetzt, sie wird überzeugend gespielt. Wenn man jedoch Artikulationen übernimmt, die von Anna Magdalena Bach und Kellner inspiriert sind, wie ich es hier getan habe, klingt die Musik tatsächlich anders: strukturierter und in meinen Ohren stärker „continuo-artig“.

Das ist keineswegs ein Nachteil. Auf einem einzelnen Cello muss man die gesamte musikalische Textur gleichzeitig erschaffen: Bass, Melodie, Gegenstimmen und Polyphonie zugleich. Solche Stricharten können helfen, diese Ebenen klarer hervortreten zu lassen. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass dieser Ansatz die Musik stärker an die Klangwelt heranführt, die Bach auf dem Cembalo oder Klavier entfalten kann. In jedem Fall ist es eine faszinierende künstlerische und intellektuelle Übung.

Andererseits erschwert dieser Ansatz das Auswendigspielen der Suiten erheblich, da allein das Erinnern an all die unterschiedlichen Stricharten zu einer Herausforderung wird. Hier prallt der heutige perfektionistische Ansatz gewissermassen auf das, was ich mir als weniger starre Aufführungskultur zu Bachs Zeit vorstelle. Möglich ist auch, dass die Suiten damals gar nicht routinemässig auswendig gespielt wurden — und falls doch, dass gewisse Aspekte der Stricharten und Artikulation improvisiert wurden. Das wäre damals vermutlich kein Problem gewesen, weil Musiker jener Zeit die stilistisch passenden Gesten und Konventionen vollständig verinnerlicht hatten.

Ich könnte diese Gedanken endlos weiterführen, aber stattdessen werde ich weiter darüber nachdenken und vielleicht in zukünftigen Videos auf das Thema zurückkommen.

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