Die Courante der ersten Suite ist einer dieser Bach-Sätze, die richtig tanzen. Ich spiele sie lieber nicht zu virtuos oder übermässig schnell, damit ihr tänzerischer Charakter besser zur Geltung kommt. Andererseits handelt es sich in den Bach-Suiten um stilisierte Tänze, welche nicht eigentlich als Tanzmusik gedacht waren. Eine gewisse Eleganz sollte also stets gewahrt bleiben.
Auch dieses Mal habe ich mich für die Bogenstriche und Artikulationen von den Abschriften Anna Magdalena Bachs aus den Jahren 1727 bis 1731 und J. P. Kellners aus dem Jahr 1726 inspirieren lassen. Wirklich eindeutig und genau sind die Striche dort indes nicht notiert, und oft widersprechen sich die beiden Kopisten auch. Es bleibt also Raum für eigene Entscheidungen, um die Bogeneinteilung etwas zu optimieren. Vieles kann man aber durchaus erkennen oder zumindest erahnen, in welche Richtung es geht, und man kriegt den Eindruck, dass manche moderne Artikulationskonzepte zu stark vereinfachend sind. Einfachere bzw. systematischere Artikulationen und Bogenstriche machen natürlich das Auswendigspiel dieser Suiten viel praktikabler. Dies dürfte der Hauptgrund für ihre Existenz sein.
Sich all diese Bogenstriche zu merken, ist nämlich tatsächlich wohl die grösste Herausforderung in diesem ansonsten nicht besonders schwierigen Stück. Manchmal frage ich mich deshalb sogar, ob solche komplizierten Striche wirklich nötig sind, und ich vermute, die Antwort lautet: wahrscheinlich nicht. Aber so vieles im Leben ist nicht notwendig und trotzdem schön zu haben.

