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Q & A: Kann ein Second-Hand-Cellokoffer eine gute Sache sein?

Ab und zu stellen mir Leser eine Frage von allgemeinem Interesse. Ich publiziere sie dann mit meiner Antwort anonymisiert unter der Rubrik Q & A (Question and Answer). Zögern Sie nicht: Auch Sie können mir Ihre Frage stellen.

Frage:
Ich bin schon länger auf der Suche nach einem geeigneten und gleichzeitig bezahlbaren Cellokoffer. Ich stelle mir zum Beispiel die Frage, ob es sinnvoll ist, angesichts von Preisen von häufig 100€ und mehr (in Deutschland) auf einen gebrauchten Koffer auszuweichen (oder ermüdet das meistens verwendete Material?). Wenn ja, gibt es geeignete Bezugsquellen außerhalb von persönlichen Kontakten und ebay/kleinanzeigen (bspw. einen speziellen Marktplatz für gebrauchtes Streicherzubehör?).
Ich weiß, dass Sie erst kürzlich eine Anfrage zu einem speziellen Kasten beantwortet haben. Vielleicht wären ein paar allgemeine Hinweise (vll. auch: worauf ist beim Kauf zu Achten?) auch für andere Lesen von Interesse…

Antwort:
Ihre Frage ist sehr interessant.
Ehrlicherweise muss ich vorausschicken, dass ich den Gebraucht-Cellokoffer-Markt nicht kenne. Aber ich vermute, dass man bei den Second Hand Koffern häufig mit sehr schweren, älteren Koffern konfrontiert wird.
Eine Investition in einen guten neuen Cellokoffer lohnt sich für Cellisten in der Regel immer. Es muss ja nicht unbedingt das ultraleichte Top-Modell aus Kohlefasern sein, welches nur 2.8kg wiegt. Aber einen vernünftigen Plastikkoffer wie diesen hier (wiegt 4,8kg) würde ich in Erwägung ziehen. Ich hatte das Vorgängermodell davon und es diente mir 12 Jahre lang. Danach war der Koffer nicht mehr ganz wasserdicht, weswegen ich ihn weitergab (der neue Besitzer war über die Undichte informiert). Mein aktueller Cellokoffer (ein Accord Standard) hält auch bereits über 13 Jahre, trotz intensivem, täglichem Gebrauch. Einzig die Verschluss-Schnallen musste ich auswechseln lassen. Vermutlich wird er mir noch mehrere weitere Jahre dienen. Ich finde, dass die lange Lebensdauer den hohen Preis eines guten Cellokoffers relativiert. Einen billigen, der dann nur ein paar Jahre hält, weil die Qualität schlecht ist, würde ich vermeiden.
Second Hand Angebote können Sie durchaus prüfen. Ich würde aber jeden Koffer immer persönlich in Augenschein nehmen und nebst der Qualität und dem Zustand auch auf das Gewicht und den Tragekomfort achten (die beste Art, ein Cello zu transportieren ist wie ein Rucksack auf dem Rücken – ältere und zum Teil sehr schwere Koffer bieten diese Möglichkeit oft nicht oder haben nur einen einzigen Riemen anstatt zwei, was besonders bei schweren Koffern sehr unbequem ist). Von allzu schweren Koffern (über 5kg) rate ich ab.

2 thoughts on “Q & A: Kann ein Second-Hand-Cellokoffer eine gute Sache sein?

  1. Herzlichen Dank für den Erfahrungsbericht und danke für die Empfehlung. Vielleicht findet sich dieser Kasten bei Gelegenheit mal reduziert – der Normalpreis macht schon 1/4 des Cellowerts aus…
    Stichwort Tragesystem/Rucksackgurte: Können Sie die Fiedler-Systeme (auch im Hinblick auf den Preis) empfehlen? Selbstmontage empfehlenswert?

    • Ich finde das Fiedler-System gut, weil es den Tragekomfort verbessert und zudem auf kluge Weise multifunktional ist (abnehmbare Noten- und Schreibzeugtasche, aus den Tragegurten kann man einen Parkettschoner machen, abnehmbares Sitzkissen). Der einzige Nachteil ist, dass durch das Fiedler-System der Koffer ein wenig schwerer wird. Aber die Noten und das Schreibzeug muss man irgendwie ja ohnehin transportieren, weshalb ich dies nicht als allzu grossen Nachteil ansehe und die einzelnen Teile (etwa Sitzkissen oder Notentasche) kann man ja wie gesagt auch abnehmen, wenn man sie nicht braucht und dann ist der Koffer kaum schwerer als mit dem Standard-Tragesystem.
      Wenn man jedoch Geld sparen will oder sich ein enges Budget setzt, dann würde ich zuerst einen guten Koffer kaufen. Das Fiedler-System ist nämlich keine Notwendigkeit, sondern geht eher in die Kategorie “Nice to have” und man kann es auch später noch nachrüsten.
      Selbstmontage ist für jemand, der handwerklich erfahren und begabt ist, wohl kein allzugrosses Problem. Ich liess die Arbeit aber meinen Vertrauens-Geigenbauer machen.

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