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Sei nicht besser, sei anders

mozartputztseine

Jeder Cellist sollte jeden Tag versuchen, “besser” zu werden.

Cello spielen ist jedoch nicht wie der Hundertmeterlauf der Leichtathletik, bei dem man ganz klar erkennen kann, wer der schnellste und somit der beste ist. Spitzenmusiker in ihren Fähigkeiten zu beurteilen und zu klassifizieren ist ein höchst subjektives und letztlich unmögliches und unsinniges Unterfangen. Denn gerade wenn wir eine Auswahl an bestmöglichen Cellisten haben, wird es selbst für Experten nicht eindeutig klar sein, welcher nun der allerbeste ist. Und wenn dann jemand den Cellisten A besser findet, dann wird garantiert auch Cellist B seine Fans haben. Gleich wird es sich mit Cellistin C verhalten. Die gesamte Sache ist extrem subjektiv und es werden Kriterien wie Sympathie, Ausstrahlung, Aussehen usw. eine Rolle spielen.

1. Nicht versuchen, es allen recht zu machen

Für mich folgt daraus, dass man es gar nicht erst versuchen sollte, so zu spielen, dass es allen gefällt, denn das ist definitiv und absolut unmöglich. Es ist viel sinnvoller, so zu spielen, wie es dir selber gefällt. Denn dann gefällt es wenigstens einer Person, nämlich dir. Und die Tatsache, dass man es sich selber recht macht, wirkt in jedem Falle überzeugender auf eine Jury oder ein Publikum, als wenn man quasi telepathisch den Geschmack der Zuhörer zu erahnen versucht.

2. Anders sein

Es ist leider so, dass der Klassikmarkt gesättigt ist. Der unwahrscheinlichste Weg zum Erfolg ist daher der, alles gleich zu machen, wie es die Konkurrenz seit 200 Jahren zu tun pflegt. Irgendwie muss man sich von den anderen deutlich unterscheiden. Die potenziellen Fans brauchen etwas besonderes, mit dem sie sich identifizieren können, ansonsten wird man automatisch zum Einheitsbrei der zwar sehr guten, aber eben nicht wirklich profilierten Musiker gehören. Anders zu sein verlangt nach einer guten Portion Mut, zumal es nicht reichen wird, im Takt 56 der Sonate XY den Triller von unten zu beginnen, wenn alle anderen den Triller von oben machen. Die Unterschiede müssen wirklich klar erkennbar sein. Niemals sollte man dafür allerdings den eigenen guten musikalischen Geschmack opfern. Es geht viel mehr um kreatives Bewirtschaften der eigenen Stärken. Bist du sehr begabt im Arrangieren von Musik? Dann schreibe deine eigenen Arrangements und spiele die im Konzert. Traust du dir zu, zu komponieren? Versuch’s. Hast du Humor und kannst du gute Reden halten? Dann baue geistreiche Ansprachen in deine Konzerte ein etc. etc. die Möglichkeiten sind wohl unbegrenzt und jeder kennt seine eigenen Stärken am besten. Und ich bin nicht einmal sicher, ob das reichen wird…aber es ist immerhin mal ein Anfang und die Konzertveranstalter werden anfangen zu verstehen, warum sie gerade dich buchen sollten.

3. Distanz zum Publikum reduzieren

Die richtig fetten Klassikkonzerte (also die der grossen Sinfonieorchester und Kammermusikreihen) sind zwar ohne Frage von allerhöchster Qualität. Aber grundsätzlich ist für mich allgemein die Distanz zwischen Publikum und Künstler eher zu gross.

Was ich feststelle: Ich habe in meinem Leben viele Konzerte besucht. Und die, die mir wirklich ganz stark in Erinnerung bleiben, sind die, in denen der Dirigent oder der Solist oder die Musiker sich mit kurzen Kommentaren ans Publikum gewendet haben. Denn die gespielten Werke sind überall die gleichen und wiederholen sich darüberhinaus noch alle paar Jahre. Die Kommentare der Musiker sind aber immer anders und geben eine neue Perspektive. Man sieht das leider sehr selten, obschon es den Abend ungemein bereichert.

 

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Video: Jean-Marie LeClair: Sonata No. 8

Recorded live in Blitzingen, December 30, 2012

This sonata by Jean-Marie LeClair is a beautiful piece of music and I had the great pleasure to play it with my wife Paula Novoa (violin) and my aunt Silvia Nowak (harpsichord) in a packed church in Blitzingen for our traditional christmas concert. This christmas concert has become a big event over the years and myself as a citizen of Blitzingen am very happy to be able to contribute to the tiny village’s cultural calendar.

 

Paula Novoa, violin

Sebastian Diezig, cello

Silvia Nowak, harpsichord

 

 

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(Fast) trivial: 3 Tipps für’s tägliche Cellotragen

cellotragen

Wie jeder Cellist weiss, ist ein Cello bezüglich Grösse und Gewicht ein ziemliches Möbelstück. Als Berufsmusiker aber auch als Liebhaber-Musiker trägt man daher ziemlich schwer! Es gibt aus meiner Sicht nur drei simple Tipps, welche man beherzigen kann, um das Ganze ein bisschen zu erleichtern.

1. Ein leichter Kasten

Es liegt auf der Hand: Das Cello wird sein Gewicht nicht ändern. Wohl aber kann man einen möglichst leichten Koffer anschaffen. Die leichtesten sind aus Kohlefaser-Material gefertigt. Persönlich nütze ich den Accord Standard, welcher 2,8 Kilo wiegt. Ein Koffer dieser Art ist nicht billig. Wenn man aber bedenkt, dass er 10 Jahre oder sogar mehr halten wird, dann ist es eine vertretbare Investition.

2. Das Cello auf dem Rücken tragen

Mit zwei Gurten kann man das Cello auf dem Rücken wie einen Rucksack tragen. Aus meiner Sicht die beste Art, ein Cello zu transportieren, weil so die Wirbelsäule symmetrisch belastet wird. Auch hat man auf diese Weise die beiden Hände immer frei.

3. Beim Stillstehen das Cello auf den Boden stellen

Dieser Tipp ist für mich der wichtigste. Wenn ich bsp. auf den Bus warte, so stelle ich das Cello immer ab, auch wenn es nur 2 Minuten sind. Ich vermute, dass man den positiven Effekt dieser kurzen Pausen für den Rücken oft unterschätzt. Immer wenn ich merke, dass ich demnächst einen Moment irgendwo rumstehen muss, nehme ich das Cello vom Rücken und stelle es neben mich, auch wenn es nur 30 Sekunden sind.

 

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Die Zukunft des Cellos

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Die Vergangenheit: Bach erhebt das Cello zum Solo-Instrument

Der erste Komponist, der das Potenzial des Cellos erkannt hatte, war kein geringerer als Johann-Sebastian Bach. Vor er mit seinen 6 Suiten für Solocello den Eckpfeiler im Repertoire eines jeden Cellisten setzte, waren Cellisten vor allem mit “Schrumm-Schrumm-Schrumm-Basslinien” beschäftigt (oder “Bum-Bum-Bum”, je nachdem). Mit solistischen Aufgaben wurde vor Bach kein Cellist betraut.

Die Gegenwart: Klavier ist Nr. 1, Geige ist Nr. 2, Cello ist Nr. 3

In der Folge schrieben weitere namhafte Komponisten wie Vivaldi, Boccherini und Haydn Werke fürs Cello, insbesondere Konzerte für Cello und Orchester. In der Klassik wurde das Cello mit seinem festen Platz im Streichquartett sowie im Klaviertrio kammermusikalisch bedeutend. Mit Beethoven, Brahms, Dvorak, Saint-Saëns, Elgar, Tschaikowsky, Schostakowitsch und vielen anderen namhaften Komponisten brach schliesslich die grosse Zeit des Cellos definitiv an. Es ist wohl unbestritten, dass das Cello heutzutage direkt nach Klavier und Geige das reichhaltigste Repertoire hat. Auch klar scheint mir, dass das Cello wiederum hinter dem Klavier und der Geige im Konzertleben den dritthöchsten Stellenwert innehat.

Die Zukunft: Cello vs. Klavier

So weit so gut. Wo das Cello aber aus meiner Sicht noch nicht genügend hoch eingeschätzt wird, ist in der Domäne der Solo-Rezitals. Das Klavier ist dort absolut unangefochten der König, was auch klar ist, da ein Klavier unangreifbare polyphone Möglichkeiten bietet und zudem über einen schier unerschöpflichen Fundus an Repertoire verfügt: Jeder Komponist von Rang und Namen hat für Soloklavier geschrieben, was nicht erstaunt, weil viele grosse Komponisten von Haus aus Pianisten waren. Namen wie Chopin, Liszt, Brahms, Beethoven, Haydn, Mozart, Bach u.s.w. kommen einem in den Sinn.

Man kann zwar sagen, dass Solo-Cello-Rezitals gang und gäbe sind, zumal auch fürs Solo-Cello eine beachtliche Bandbreite an Repertoire vorhanden ist und seit einiger Zeit eine Fülle an virtuosen Cellisten existiert, welche dieser heikel zu spielenden Literatur Herr ist. Und dennoch sollten Solo-Cello-Rezitals aus meiner Sicht noch viel häufiger stattfinden. Denn das Cello hat von allen Streichinstrumenten den sinnvollsten Tonumfang, da es sowohl richtige Bässe spielen kann, trotzdem aber auch glaubwürdig eine Melodie vortragen kann. Über die vielgelobte Klangschönheit des Cellos müssen wir gar nicht diskutieren. Und von der Klangvariabilität her ist ein Cello meiner Ansicht nach einem Klavier mindestens ebenbürtig, hat man doch vom Pizzicato über Ponticelloklänge bis hin zu all den verschiedenen Klangschattierungen des “normalen” Cellotones hin eine Vielzahl an wohlklingenden Möglichkeiten, welche sich auch noch genügend voneinander unterscheiden, um effektiv eingesetzt werden zu können. Was für ein Solorezital aber das Wichtigste ist, ist die Polyphonie oder die Möglichkeit, mehrere Töne oder gar Stimmen gleichzeitig und scheinbar unabhängig voneinander zu spielen. Niemand wird hier die Überlegenheit des Klaviers ernsthaft in Frage stellen, zumal man mit einem Klavier ganze Orchesterwerke wiedergeben kann. Dennoch sind die polyphonen Möglichkeiten eines Cellos ausreichend – vielleicht nicht für die Interpretation der Tannhäusern-Ouvertüre auf einem einzigen Solo-Cello, wohl aber für Komponisten, welche es verstehen, mit den spezifischen Möglichkeiten des Cellos zu arbeiten. Die Solo-Sonate von Veress z. B. bietet am Ende des ersten Satzes ein mehrstimmiges Fugato, welches sehr interessant ist. Auch Bach hat in der 5. Solo-Suite im ersten Satz eine Fuge realisiert. Weitere Cellokomponisten wie Duport, Piatti, Cassado u.a.m. haben mit ihren Werken qualitativ teilweise hochwertige Literatur hinterlassen. Auch in jüngerer Zeit haben sich viele Komponisten erfolgreich fürs Cello eingesetzt.

Es braucht im Solo-Cello-Repertoire noch ein Equivalent zu Chopin, Liszt und Co.

Dennoch wird es in Zukunft noch mehr hochwertige Solo-Literatur fürs Cello brauchen um nur schon quantitativ mit dem Klavierrepertoire konkurrenzfähig zu sein. Wir suchen also virtuose Cellisten, welche sich hinsetzen und meisterhaft gute, effektvolle Solo-Stücke fürs Cello schreiben und sie dann selber aufführen und populär machen. Die Stücke sollten eher tonal sein, weil das Cello im Solo-Bereich ein Equivalent zu den Werken Chopins, Liszts etc. am Klavier benötigt. Dann kann der Stellenwert des Cellos noch weiter gesteigert werden, zumal es last but not least immer günstiger ist, einen Solo-Cellisten zu engagieren, anstatt einen Flügel für ein Konzert anzumieten. Und Geld regiert die Welt, so ist das nunmal ;-)

 

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Video: Sebastian Diezig: Top Gun Variations for cello solo (2012)

This is so far my largest work as a composer. I wrote the piece in 2012.
Inspiration is obviously the great “Top Gun Anthem” that genius composer Harold Faltermeyer composed as the soundtrack for the Hollywood Blockbuster “Top Gun” from which i adapted the original theme to the cello. All the following variations are my own work. I hope Harold Faltermeyer doesn’t mind the use of his “Top Gun Anthem” as the theme for my “Top Gun Variations”. I tried to contact him to know for sure but didn’t get an answer. Please let me know if I violate a copyright and I will take this video down immediately.
Concert took place in Fribourg, Centre le Phénix on January 13, 2013.

Sebastian Diezig, Cello

Goldbarren im Einkaufswagen
Top Gun Variations op.2 Notenmaterial kaufen

 

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Live-Audioaufnahme: Diezig Top Gun Variations op. 2

Sebastian-Diezig-Top-Gun-PilotSebastian Diezig: Top Gun Variations op. 2 für Solocello (2012)

Virtuose Variationen über Harold Faltermeyers berühmte Filmmusik “Top Gun Hymne”

Sebastian Diezig, Cello

Live-Aufnahme Fribourg Centre le Phénix 13.1.2013

 

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Konzert in Blitzingen findet am 30.12.2012 um 17h statt

TopGun

– Weltpremiere der “Top Gun Variations” –

Wiederum hoffen wir auf eine volle Kirche! Am Start wie letztes Jahr die Cembalistin Silvia Nowak, der Tenor Bernard Maillard, die Geigerin Paula Novoa und ich selber am Cello.

Nebst einem schönen Programm mit mozartschen Opernarien (aus Don Giovanni und der Zauberflöte), einem Cembalosolo und einem Geigen-Bach-Auszug freue ich mich selber insbesondere auf die Uraufführung meiner neusten Komposition für Cello Solo – den “Top Gun Variations”, welche ich selber bewerkstelligen werde. Seit meiner Jugendzeit habe ich im Kinohit “Top Gun” die Hymne auf der E-Gitarre mit den begleitenden Synthi-Klängen und dem luftigen Eighties-Schlagzeug sehr gerne gehört. Nun habe ich die Melodie aufs Cello adaptiert und eine Handvoll Variationen darüber geschrieben. Von klassischen Klängen über poppige, rockige und jazzige ist es ein 8-minütiges virtuoses Cellostücklein geworden, welches zeigen soll, was man mit einem Cello nebst dem üblichen sonst noch so anstellen kann. Wir sehen und hören uns hoffentlich in Blitzingen. (Eintritt frei, Kollekte am Ausgang).

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Tipps für den Umgang mit Lampenfieber

Was muss man tun, um gute Musiker-Nerven zu haben? Schwierige Frage. Hier meine persönlichen Erfahrungen.

Gute Vorbereitung:

Einer meiner wichtigsten Lehrer hat mir mal gesagt: Wer behauptet, dass er Lampenfieber nicht kennt, lügt. Ich antwortete damals: Wenn ich gut vorbereitet bin, bin ich nicht nervös. Das stimmte für mich damals. Ich hatte jedoch damals noch nie ein Probespiel absolviert. Probespiele sind für mich persönlich der allergrösste Stress. Nach wie vor meine ich aber: Ohne eine minutiöse Vorbereitung wird man immer leichte Zweifel an den eigenen Fähigkeiten haben, was zur Folge hat, dass die Nervosität ausufert. Wenn man es daher ernst meint und den Ansprüchen, welche man an sich selber stellt, gerecht werden will (ein erfolgreiches Probespiel, ein Konzert auf höchstem Niveau), dann muss man im Vorfeld des Ereignisses alles tun, damit es am Tag X klappt. Das bedeutet, bereits Monate vorher jede freie Minute zu üben, jede Stelle so einzuüben, bis man sie im Schlaf zuverlässig sauber spielen kann und sich selber oft aufzunehmen, um die eigene Leistung abzuhören. Zusätzlich zahlt es sich immer aus, das Programm guten Kollegen vorzuspielen und ihre Vorschläge und Tipps einzuholen (es müssen nicht immer Cellisten sein).

Gute grundlegende Fitness auf dem Instrument:

Ein Cellist ist wie ein Athlet: Hört er auf zu trainieren, lässt er sofort nach. Will man also ein sehr guter Cellist sein, abonniert man sich selber auf lebenslanges, tägliches Üben – und ich spreche von Üben in bestmöglicher Qualität und in grösstmöglicher Quantität. Nur dann hat man die Selbstverständlichkeit auf dem Instrument, welche einen in musikalisch brenzligen Situationen retten kann.

Sein Instrument kennen:

Vermutlich sucht jeder Cellist sein ganzes Leben lang nach einem besseren Instrument. Aber gerade vor einem wichtigen Auftritt ist das beste Instrument das, welches man bereits spielt. Ich rate ab, kurzfristig vor einem Probespiel ein Instrument zu mieten, welches man nicht gut kennt. Mindestens drei Monate Einspielzeit braucht man, um ein Instrument gut zu kennen.

Ausdauersport treiben:

Dieser Tipp ist unkonventionell. Aber meine Frau staunt immer wieder ab meinem langsamen Ruhepuls und meint, dass es kein Wunder sei, dass ich gute Nerven hätte. Es stimmt, dass bei mir der Puls in Stresssituationen zwar schneller wird, jedoch nie rast und somit meine Feinmotorik nicht gestört wird. Auch schwitze ich nicht sehr stark. Wie ich das mache: Ich fahre sehr gerne Rennrad und fahre auch täglich mit dem Rad zur Arbeit.

Konzerte und Vorspiele zu einer Routine werden lassen:

Seit ich jeden Monat ein bis zwei solistische oder kammermusikalische Konzert-Auftritte habe und auch vor wirklich heiklen Solo-Programmen nicht zurückschrecke, ist mein Lampenfieber erträglich. Auch absolviere ich immer wieder mal ein Probespiel, um mich dem Stress dieser Situationen auszusetzen. Total kalt lässt es mich nie, aber es gibt wirklich einen Gewöhnungseffekt.

Betablocker und Co. vermeiden:

Ich würde auf die “Chemiekeule” verzichten. Nicht, dass es nicht Leute gäbe, denen das hilft. Aber ich finde es besser, mich mit meinem Lampenfieber auseinanderzusetzen und mich daran zu gewöhnen. Man darf nicht vergessen, das Auftritte mit ein bisschen Adrenalin viel interessanter sind und zusätzliche Energien freisetzen. Man muss lernen, diese Extra-Power in tolle Musik umzuwandeln.

Akzeptieren, dass man nervös sein wird:

Wenn ich ein wichtiges Vorspiel habe, dann weiss ich mittlerweile schon Monate im Voraus, dass es eine nervenaufreibende Sache werden wird. Das hat für mich nichts mit Pessimismus zu tun sondern mit Vorbereitung: Ich versuche, dieses Wissen in meine Präparation einfliessen zu lassen und alles noch solider einzuüben, damit ich mich im Notfall auf meine Automatismen verlassen kann.

Ausserdem lenke ich mich beim Üben ganz schwieriger Passagen hin und wieder gezielt ab, indem ich negative Gedanken einfliessen lasse wie: diese Stelle wird nicht klappen. Das ist eine nicht ganz ungefährliche Methode. Aber mir ist aufgefallen, dass ich in Stresssituationen bei heiklen Stellen genau mit diesen Gedanken kämpfe. Indem ich beim Üben die Stellen meistere, obschon ich meine Gedanken dazwischenfunken liess, entsteht eine grössere Zuversicht, dass es auch im Ernstfall klappen wird.

Die kritischen Stellen jederzeit aus dem Stegreif spielen können:

Ganz heikle Stellen sollte man jederzeit ohne Anlaufzeit und sogar mit kalten Händen direkt hinlegen können. Um dies hinzukriegen muss man nebst viel üben plötzlich unvermittelt in einer Probenpause oder als erstes am Morgen oder gar mitten im Tag, wenn man eigentlich gar kein Cello in der Hand hatte, spontan sich hinsetzen und die Stelle fehlerfrei spielen.