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Gagenverhandlung für klassische Musiker

Das Telefon klingelt. Die Anfrage: Solocello für eine Beerdigung. Der Termin passt, der Ort ist erreichbar und man verständigt sich über die Musik, die gespielt werden wird. Der Auftrag ist zwar nicht besonders glamourös, aber Solocello ist immer interessant und schön. Nun stellt der Anrufer die gefürchtete Frage: “Was haben Sie für eine Preisvorstellung?”.

Dieses Beispiel ist alltäglich. Gehen wir davon aus, dass die Chemie stimmt und man den Auftrag kriegen möchte, sich aber gleichwohl eine anständige Gage erhofft.
Die Schwierigkeit für den Cellisten: Man fürchtet, mit einem zu hohen Preis dem Anrufer den Appetit zu verderben. Mit einem zu tiefen Preis hat man aber selber keine Lust, den Aufwand zu betreiben.

Einige Überlegungen:

Keine Kampfpreise: Als Musiker ist man darauf angewiesen, von seinem Beruf leben zu können. Setzt man die Preise zu tief an, geht das nicht und darüberhinaus trägt man dazu bei, auf dem Markt ein tiefes Preisniveau zu etablieren. Letztendlich führt dies dazu, dass kein Musiker mehr von seiner Kunst leben kann.

Nicht mit jedem in Konkurrenz treten: Klar gibt es Musiker, die für sehr wenig Geld spielen. Aber mit denen muss man nicht in Konkurrenz treten, weil es sich nicht lohnt.

Preis und Qualität: Oft suggerieren Tiefpreise eine minderwertige Qualität und hohe Preise Exzellenz. Dies, weil ein sehr gefragter, beschäftigter und erfahrener Musiker nur arbeitet, wenn es sich finanziell lohnt, weil ihm seine Zeit kostbar ist, während ein Student wahrscheinlich mehr Zeit hat und auch deswegen kleinere Anfragen annimmt, um Erfahrung zu gewinnen.

Eigenen Aufwand bedenken: Für  oben genanntes Beispiel entsteht weit mehr Aufwand als auf den ersten Blick vielleicht vermutet:

  • Üben vor und Spielen während dem Auftritt (zusammen je nach Repertoire schnell mehr als 3 Stunden)
  • Möglicherweise muss man andere Termine verschieben, was zeitaufwändig sein kann
  • Je nach Musikwunsch Noten suchen und vielleicht sogar arrangieren
  • Evtl. mit dem Auftraggeber zusätzliche Telefonate führen oder E-Mails hin- und hersenden
  • Zeit in die Planung der An- und Abreise investieren
  • am Tag des Auftrittes hinfahren (kostet Geld und Zeit), das Instrument auspacken, den Spielort vorbereiten, sich einwärmen, spielen und schlussendlich wieder einpacken, zurückfahren usw.
  • evtl. vorgängig noch Kontakt mit dem Pfarrer aufnehmen (per E-Mail und/oder per Telefon)
  • Zudem hat man logischerweise teure Ausrüstung (Cello, Bögen, Koffer, Notenständer, Notenmaterial…) sowie eine Wohnungsmiete zu bezahlen, muss essen usw.

Was ist also ein fairer Preis?

Ein Preis ist dann fair, wenn er erstens die Kosten deckt, zweitens dazu beiträgt, das eigene Leben zu finanzieren und drittens auch aus Sicht des Kunden angemessen ist. Es gibt für mich zwei Schmerzgrenzen: eine untere, die je nach Auftrag verschieden ist und eine obere, welche ich in der Praxis aber noch nie erreicht habe. Dennoch gibt es sie, weil ich ab gewissen Preisen ein schlechtes Gewissen hätte (Stichwort: überrissen). Sicher nicht akzeptabel ist es, gratis zu arbeiten ausser, man spielt für einen sehr guten Freund oder für die eigene Familie. Auch sehr kleine Gagen, die in der eigenen Monatsrechnung finanziell überhaupt nicht ins Gewicht fallen sind für mich zu niedrig. Mit der Zeit entwickelt man ein Gespür für ein faires Honorar. Ich nenne hier keine Zahlen, weil dies regional und international variiert. Auch variiert es je nach Auftrag. Eine “echte” Konzertanfrage mit 40-50 min Musik ist immer teurer als eine Beerdigung mit 3-4 Stücken Musik à 4 min.

Wie verhandeln?

Entweder stellt der Kunde die Preisfrage wie im Beispiel oben oder sonst muss man die Verhandlung vor Beendung des Gespräches selber in Gang bringen, z. B. so:  “Ein wichtiges Thema wurde noch nicht besprochen…das Honorar, ich muss für diesen Auftritt eine Gage verlangen. Ich hoffe, dass das für Sie in Ordnung ist.” Die meisten Leute wissen das ohnehin und erachten es als Selbstverständlichkeit.
Die Gage vermittle ich normalerweise so oder ähnlich: “Also, Solocello an Beerdigungen habe ich schon oft gemacht und daher kenne ich den Aufwand gut. Mein normaler Tarif dafür ist xxx SFr. Normalerweise sind die Leute damit einverstanden und ich glaube darum auch, dass es ein faires Angebot ist. Ist das für Sie akzeptabel oder finden Sie das deutlich zu viel?”
Ab und zu passiert es auch, dass ein Anrufer von sich aus ein Angebot macht. Meine persönliche Maxime ist die Fairness und daher werde ich bei einem guten Angebot von seiner Seite nicht automatisch mehr verlangen, auch wenn dies evtl. geschickt wäre. Bei einem deutlich zu niedrigen Angebot werde ich aber etwas in der Art sagen: “Nun, normalerweise ist mein Tarif für eine Beerdigung xxx SFr., wir sind da schon recht weit darunter”. Ist sein Angebot knapp darunter kann man sagen: “OK, mein normaler Tarif ist xxx SFr, ich fände es schön, wenn wir den einhalten könnten.” Wichtig: stets freundlich und sympathisch bleiben.
Grundsätzliche Regel: Man kann mit dem Preis immer nach unten korrigieren. Nach oben geht aber so gut wie nie. Daher muss man den Preis, den man nennt immer über der eigenen Schmerzgrenze ansetzen.

Bereitschaft, einen Auftrag abzulehnen: Wenn man effektiv verhandeln will, dann muss man bereit sein, einen Auftrag abzulehnen, wenn man trotz Verhandlung keine Gage oberhalb der eigenen Schmerzgrenze kriegt.

Wenn der Anrufer mehrere Musiker will…

Es kommt vor, dass jemand ein Duo oder gar ein Trio engagieren will. Da darf man sich von höheren Zahlen nicht abschrecken lassen und muss dem Anrufer freundlich und kurz erläutern, dass jeder Musiker eine Gage von xxx SFr. kriegt und es in der Summe also xxxx SFr. kosten wird.

Gratis arbeiten?

Es kommt ab und zu vor, dass jemand einen engagieren will und man vielleicht vor langer Zeit mal gratis für ihn gearbeitet hat. Damals war man vielleicht noch im Studium und war froh über die Gelegenheit, ein Cellokonzert mit Orchester spielen zu dürfen. Nun ist man aber Berufsmusiker und möchte nicht mehr kostenlos arbeiten. In so einem Fall muss man sehr sensibel und freundlich agieren. Ich sage z.B. : “Ich möchte natürlich das Budget Ihrer Organisation nicht überbelasten, aber ich arbeite nicht gerne gratis, weil der Aufwand wirklich gross ist. Ich suche keine exorbitant hohe Gage, weil nicht jeder Veranstalter so ein Budget hat und ich daher auch mal einen etwas tieferen Preis akzeptiere. Aber gratis ist bei dem Aufwand nicht gut.” Der Anrufer wird dann entweder ein Angebot machen oder fragen, was man denn so für eine Vorstellung hat und dann muss man einen Preis nennen, der für den Veranstalter realistisch ist, aber trotzdem auch klar auch über der eigenen Schmerzgrenze für das verlangte Repertoire und den voraussichtlichen Aufwand liegt. Das wird ein Preis sein wie man in schon bei anderen Aufträgen mit ähnlichen Anforderungen ausgehandelt hat, aber nicht am oberen Ende der Skala sondern eher im mittleren bis unteren Teil.

Tipps für eine gute Musiker-Homepage

Jeder Musiker, der solistisch und kammermusikalisch auftreten möchte, kann von einer Homepage profitieren, um sich ein bisschen bekannter zu machen. Jedoch ist es im Cyberspace wie in der “richtigen” Musikerwelt: Unzählige Musiker buhlen um Aufmerksamkeit. Im WWW ist die Konkurrenz zudem global. Man muss daher eine besonders gute und interessante Homepage haben, um damit kontinuierlich viele Besucher anzulocken. In diesem Artikel gehe ich darauf ein, was genau eine Musikerhomepage gut und interessant macht, fange aber bei den technischen Grundlagen an.

A) Technische Aspekte:

1. Selber machen oder einen Webmaster bezahlen?

Ich kann mir selber nicht vorstellen, einen Webmaster zu bezahlen, um eine Homepage aufzubauen und zu pflegen. Erstens, weil es teuer ist und zweitens, weil es nicht so schwierig ist, wenn man die richtigen Werkzeuge zur Hand hat. Vor allem aber stelle ich mir die Betreuung durch einen Webmaster kompliziert vor, wenn ich oft neue Artikel, Videos, Aufnahmen und kleine News-Updates hochladen möchte. Da will ich selber und unkompliziert einfach mal was hochladen können, ohne vorher meinen Webmaster kontaktieren zu müssen. Und letztlich ist bei einer gut eingerichteten Homepage-Architektur die grosse Arbeit die Erstellung Inhalte (Texte, Bilder, Videos, usw.) und diese Arbeit bleibt (ausser man hat ein Redaktionsteam, was aber vermutlich für die meisten Musiker keine Option ist, da sehr teuer). Die einzige Aufgabe, die ich selber nicht hinkriegte: Das Content Management System auf dem Server zu installieren. Das habe ich den Webspace-Provider machen lassen. Ansonsten kann man vieles selber erlernen, sei es intuitiv, mit Try-and-Error oder über Youtube-Videos und mit sonstigen Ressourcen im WWW (einfach mit Google suchen).

2. Architektur: Content Management System (CMS) oder HTML-Editor (Dreamweaver, Freeway Pro etc.)?

Weil es einfach zu bedienende HTML-Editoren gibt, kann der Einstieg mit einem HTML-Editor recht unkompliziert sein. Vereinfacht gesagt, gestaltet man damit jede Seite einzeln und ähnlich wie in einem klassischen Layout-Programm. Anschliessend verlinkt man die erstellten Seiten von Hand und lädt alles per Knopfdruck auf den Webserver. Die Programme ermöglichen es, mit Vorlagen zu arbeiten. Dennoch wird es in meiner eigenen Erfahrung bei grösseren Internetangeboten schnell unübersichtlich und kompliziert, weil viel zu viel Handarbeit anfällt, wenn man beispielsweise eine neue Seite hinzufügen will, welche von allen anderen 300 bereits erstellten Seiten abrufbar ist. Und mit der Zeit wird es immer schlimmer, weil die Webseite immer weiter wächst. Ein HTML-Editor ist aus meiner Sicht nur dann gut, wenn man eine visuell sehr anspruchsvolle Seite gestalten will, welche man danach aber nur selten aktualisieren möchte.

Nachdem ich etwa 6 Jahre lang mit einem HTML-Editor namens Freeway Pro gearbeitet habe, bin ich seit einiger Zeit mit dem kostenlosen Content Management System “WordPress” unterwegs.

Ein so genanntes Content Management System (CMS) ist aus meiner Sicht der bessere Weg, wenn man seine Seite häufig mit neuen Artikeln, Fotos, Videos, Konzertdaten usw. versorgen will, weil die Erstellung der Inhalte einfach und unkompliziert abläuft und man danach die Artikel in Kategorien ablegt, welche das CMS dann selber miteinander verlinkt und automatisch an den richtigen Stellen anzeigt. Wie der englische Name sagt, liegt der Schwerpunkt auf möglichst einfachem Verwalten der Inhalte. Alle Blogs, die du liest, basieren höchstwahrscheinlich auf einem CMS wie WordPress, Joomla oder Drupal. Auch grosse Unternehmen und die Online-Angebote von Zeitungen mit komplizierten Web-Angeboten setzen normalerweise auf CMS. Meine Webseite habe ich mit dem kostenlosen CMS “WordPress” gemacht. Es deckt alle meine Wünsche ab und falls ich eine zusätzliche Funktion benötige, so gibt es tausende Plug-Ins, die einfach zu installieren sind. Für das Layout kann man aus hunderten von so genannte Templates etwas Passendes auswählen.

Ein grosser Unterschied zwischen einem CMS und einem Editor ist übrigens, dass das CMS im Browser läuft und daher auf jedem ans WWW angeschlossenen Computer der Welt benützt werden kann, während der HMTL-Editor in der Regel auf der Festplatte deines Computers installiert wird und nur auf diesem einen Computer ausgeführt werden kann. Wenn du viel reist, empfiehlt sich daher eher ein CMS.

3. Adresse/URL reservieren (www.DeinName.ch) und Webspace mieten

Entscheidet man sich für WordPress, so kann man direkt bei WordPress seinen Webspace mieten und sofort loslegen, ohne sich mit der Installation dieses CMS auf einem bestimmten Server rumschlagen zu müssen.

Hat man bereits einen Web-Hosting-Anbieter und eine URL und möchte ein CMS darauf installieren, so ist es wohl am einfachsten, dies dem Anbieter des Webspaces mitzuteilen und ihn die Installation machen zu lassen.

Will man mit einem HTML-Editor arbeiten, so muss man bei einem Web-Hosting-Anbieter Webspace mieten. Dann kann man sich im Editor an die Gestaltung der Seite machen und anschliessend die erstellten Dateien per so genanntem FTP (File Transfer Protocol) auf den Server hochladen, was meist bequem aus dem Editor heraus machbar ist. Anschliessend ist die Homepage online.

Webspace ist nicht gratis, sofern man eine Top-Level-Domain möchte und seinen Besuchern nicht dauernd Werbe-Einblendungen zumuten will. Ich bin bei Witweb.ch, wo es verschiedene Preispläne gibt zu CHF 1.95/Mt (10GB Speicherplatz, nicht für CMS geeignet) oder CHF 4.95/Mt (20GB, CMS-kompatibel) und weiteren, teureren Angeboten. Es gibt noch viele andere Anbieter. Dazu kommt noch die jährliche Gebühr (CHF 19.95) für die WWW-Adresse (www.DeinName.com). Insgesamt sind die Kosten überschaubar, wie ich meine.

 

B) Ziele und Zielgruppe(n) definieren

Mein Ziel war und ist, dass möglichst viele Leute meine Homepage besuchen und lesen. Das Wichtigste ist daher, oft neue Inhalte anzubieten und möglichst interessante darüberhinaus. Besucher kommen nämlich nur zurück, wenn sie das Gefühl haben, dass auf deiner Homepage immer wieder mal etwas Neues zu ihren Interessensgebieten zu finden ist.

Die anzubietenden Inhalte richten sich nach den von dir definierten Zielgruppen. Willst du Konzertbesucher ansprechen? Konzertveranstalter? Amateur-Musiker? Junge Berufsmusiker und -Studenten? Kollegen? Medien? Andere?

Hier ein paar Themenbereiche, welche mir bekannte Zielgruppen aus meiner Erfahrung interessieren:

  • Konzertbesucher: News, Biographie, Fotos, Konzertvorschauen, Konzert-Daten, Konzert-Kritiken, Live-Videoaufnahmen, Tonaufnahmen
  • Konzertveranstalter: News, Biographie, Künstlerfotos, Repertoire, Konzertdaten, Konzertkritiken, Live-Videos, Buchungs-Informationen, Kontaktdetails.
  • Amateur-Musiker: Musiker-Blog mit Infos und Tipps zum Cellospielen/Klavierspielen etc., Konzertdaten, Live-Videos, Ton-Aufnahmen.
  • Junge Berufsmusiker und -Studenten: News, Biographie, Fotos, Musikerblog mit Infos und Tipps zum Cellospielen/Klavierspielen etc., Repertoire, Konzertdaten.
  • Kollegen: Live-Videos, Konzertdaten, Audio-Aufnahmen, Musiker-Blog mit Infos und Tipps.
  • Medien: Biographie, Fotos, Konzertvorschauen, Konzertkritiken, Konzertdaten, News, Kontaktdetails.

C) Mögliche und empfehlenswerte Inhalte

1. News: Konzertvorschauen, neue Wettbewerbs-Erfolge, neue Inhalte auf der Homepage (Videos, Artikel…), wichtige Änderungen auf der Homepage …)

2. Infos über den Musiker /  die Musikerin: Biographie, Künstlerfotos, Konzertfotos, sonstige Fotos, Presseartikel, Repertoire, Kontaktdetails.

3. Fotos, Video- und Audioaufnahmen

4. Konzertdaten

5. Blog: Ein Blog sollte min. alle zwei Monate (besser ein- bis zweimal monatlich) einen neuen Artikel haben, um Besucher zu binden. Kaum zu schaffen, wenn dich das Thema des Blogs selber nicht interessiert. Je nach Zielgruppe und persönlichen Interessen sind dann verschiedene Themen denkbar. Ich selber wende mich an an ambitionierte Amateurmusiker, Berufsstudenten und Berufskollegen, indem ich meine Erfahrungen und Tipps zum Celloüben, Selbstmanagement und allen weiteren möglichen Themen zum Thema Berufsmusiker-Leben weitergebe.

6. Kontaktierungsmöglichkeit(en): Eine Telefonnummer unter der man gut erreichbar ist und eine E-Mailadresse sollten genügen.

7. ShopHat man Aufnahmen, DVDs und/oder Notenmaterial zu verkaufen, so kann man diese auf einer Homepage anbieten und bewerben.

8. Soziale Medien: Für Videos bindet man am besten Youtube ein. Ich habe zudem eine “Gefällt-mir”-Box von Facebook. Neue Artikel können so die Facebook-User bequem aus Facebook heraus anklicken.

9. Links zu befreundeten KollegenWenn du eines Tages viele Besucher hast, so freuen sich deine Freunde, wenn sie ein paar davon abbekommen. Diese Links machen auch deine eigene Webseite interessanter und glaubwürdiger.

 

D) Ein- bis zweimal monatlich neue Inhalte bieten

Hier muss man sich in die Lage des Websurfers versetzen. Wenn ich über Google eine interessante Homepage finde, so will ich sie in Zukunft wieder besuchen. Idealerweise finde ich bei jedem Besuch etwas Neues. Falls nicht gehe ich weniger oft. Merke ich mit der Zeit, dass nie etwas Neues zu finden ist, so gehe ich irgendwann gar nicht mehr. Das willst du vermeiden.

Klar hast du als Musiker, der eine Webseite betreibt nicht die Zeit, jeden Tag neue Inhalte zu schaffen. Man sucht daher einen gangbaren Mittelweg zwischen den Erwartungen der Besucher und den eigenen zeitlichen Möglichkeiten. Aufgrund meiner Erfahrungen habe ich mir zum Ziel gesteckt, unregelmässig ein- bis zweimal pro Monat etwas neues auf der Frontseite der Homepage zu bieten. Das kann ein Konzertvideo, eine Konzertvorschau, ein Presseartikel oder ein neuer Blog-Artikel sein. Manchmal sind es bei mir auch mehr Neuigkeiten in einem Monat, aber nur selten weniger.  Ein CMS (siehe oben) ist bei häufiger Aktualisierungsfrequenz definitiv ein grosser Vorteil, weil man sich zu 100% auf die Inhalte konzentrieren kann und keine Layout-Arbeiten und Inhalte-Organisations-Aufgaben bewältigen muss.

 

E) Eine Homepage bleibt immer Work-in-Progress

Wenn du eine wirklich tolle Musikerhomepage siehst, welche sehr umfänglich und fundiert alle möglichen Inhalte und Themen anbietet, so halte dir vor Augen, dass so eine Site in der Regel über Jahre gewachsen ist. Meine eigene Seite betrachte ich nie als fertig. Immer habe ich neue Ideen, Projekte und Verbesserungsmöglichkeiten. Seit 2007 betreibe ich meine Homepage und die Anfänge waren klein. Damals hatte meine Seite vier Unterseiten: 1. Biographie, 2. Fotos, 3. Konzertdaten und 4. Kontaktdetails. Mit den Monaten und Jahren fügte ich immer mehr Ressorts dazu, nahm andere wieder vom Netz und so entstand eine Seite, auf die ich ein kleines bisschen stolz bin, weil sie auf ihre Weise einzigartig ist. Viel Erfolg und Spass mit deiner eigenen Seite!

 

Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Musikern und Sportlern

Musik ist zwar kein Sport, die Ähnlichkeiten sind aber dennoch frappierend

Musik ist zwar kein Sport, die Ähnlichkeiten sind aber dennoch frappierend

Oft denke ich darüber nach, wie sehr das Leben eines professionellen Musikers in vielen Bereichen dem eines Spitzensportlers ähnelt. So sind beide Berufsgruppen darauf angewiesen, sich sowohl technisch als auch physisch kontinuierlich in Form zu halten und zu verbessern, da sie sonst Karriere-Probleme kriegen könnten. Sowohl Sportler als auch Musiker feilen an ihren Fähigkeiten in der Regel bereits seit sie Kinder sind. Beide haben ein leidenschaftliches Publikum, welches gute Leistungen sehen will. Ist der Sportler in einer Mannschaft (Fussball, Eishockey etc.) dann scheinen mir die Strukturen, Machtverhältnisse und Abläufe denen eines Orchesters zu gleichen (Spieler=Musiker, Trainer=Dirigent, Manager=Intendant, Büroangestellte=Büroangestellte). Beide haben ein gewisses unvermeidliches Mass an Reisetätigkeit. Beide arbeiten dann, wenn das Publikum Zeit hat, sich die Spiele oder Konzerte anzusehen (abends, samstags, sonntags). Für beide ist der Arbeitsmarkt sehr kompetitiv. Des weiteren: Verletzt sich der Sportler oder der Musiker, so kann das ein grosses Problem darstellen. In beiden Bereichen gibt es die divenhaften Starspieler – im Fussball der Goalgetter oder Spielmacher / in der Musik der Starsolist – , welche mit Riesensalären gelockt werden sowie die unscheinbaren und dennoch unverzichtbaren Teamplayer. Sowohl im Sport als auch in der Musik gibt es unterschiedliche Spielklassen von Championsleague über Nationalligen bis hinunter zu den Amateuren und auch wenn alle das gleiche Spiel oder die gleiche Musik spielen so ist am einen Ende der Skala das Prestige viel höher, was manchmal ungerecht ist. Dramen erlebt man sowohl im Sport als auch in der Musik. In beiden Bereichen braucht man ausserdem auch stets etwas Glück sowie gute Karriereinstinkte, um ganz nach oben zu kommen. Ich könnte die Liste noch lange fortsetzen.

Dauer der Karriere als grosser Unterschied

Der einzige grosse Unterschied ist aus meiner Sicht die Dauer der Karriere. Während für Spitzensportler in den meisten Disziplinen irgendwann zwischen 30 und 40 Jahren Schluss ist, spielen die Musiker bis zum Rentenalter weiter. Auch Musiker werden indes nicht jünger. Will man bis zum Schluss vorne mitspielen, so empfehlen sich aus meiner Sicht folgende Ratschläge:

  • Körperlich gesund bleiben: Ausdauersport und Krafttraining in Massen, gesund leben (gesunde Ernährung, nicht zu viele Parties, nicht rauchen, wenn, dann gemässigt Alkohol trinken, genug schlafen, Gehörschutz), gesunde Haltung am Instrument, kräfte- und körperschonende Spielweise
  • Psychisch gesund bleiben: Privatleben pflegen, Hobbies, Kontakt mit Freunden und Kollegen pflegen, guter Umgang mit Stress
  • Auf dem Instrument fit bleiben

Das kleine 1×1 der effektiven Kammermusik-Probe

Das Vector Quartet Luzern

Das Vector Quartet Luzern

Kaum ein Musiker, der nicht gerne Kammermusik spielt. Dennoch will das Zusammenspiel und die empfindliche Teamarbeit gelernt sein. Hier ein paar meiner Erfahrungen und Tipps.

1. Die eigene Stimme vorbereiten: 

Eine Kammermusikgruppe ist nur so gut wie der am schlechtesten vorbereitete Spieler. Jeder sollte seine Stimme daher sehr gut spielen können. Dies bedingt nebst üben auch das Hören von Aufnahmen und evtl. das Studium einer Partitur.

2. Kritikfähig sein:

Wenn man Kammermusik spielt, wird man von den Kollegen Feedback erhalten. Sie werden diesen oder jenen Ton zu hoch oder zu tief finden, sich die eine Phrase anders vorstellen, dich an bestimmten Stellen zu laut oder zu leise finden, rhythmische Mängel aufdecken wollen usw. Man darf diesbezüglich nie die Geduld verlieren und sollte niemals reflexartig zurückschiessen, sondern die Kritik zu verstehen versuchen, überlegen ob etwas daran ist und gegebenenfalls diskutieren. Wenn man kritikfähig ist, lernt man von den Kollegen und das ist das Wichtigste.

3. Zuerst vor der eigenen Haustüre kehren:

Bevor man man die anderen Kollegen im Ensemble kritisiert, sollte man selber seinen Job möglichst gut machen. Die Kollegen nehmen dann deine Vorschläge viel ernster, als wenn du wackelig vom Blatt spielst und dann deine Ideen über die Interpretation vorträgst.

4. Den anderen ihren individuellen Geschmack zugestehen:

Jeder Musiker hat seinen persönlichen Geschmack. Der eine spielt gern mit viel Vibrato, der andere eher mit wenig usw. Meine Devise ist immer: So lange es überzeugend ist, ist es gut, ganz gleich, ob es nun stilistisch gerade der aktuellen Mode entspricht. Vor man also die anderen auffordert, so oder anders zu spielen, sollte man sicher sein, dass man es nicht überzeugend findet. Man sollte selber flexibel sein und sich anpassen können, da dies auch eine grosse Qualität ist, die man bei sich fördern will. Ein guter Musiker kann sich vorstellen, eine Stelle auf ganz verschiedene Arten zu spielen.

5. Wenig und konstruktiv kritisieren:

Wenn man bei den anderen dann doch etwas kritisieren möchte, dann muss man sehr geschickt sein, da Musiker sensibel sind und verletzt reagieren können. Man sollte wie im Pädagogik-Unterricht gelernt zuerst Positives hervorheben und dann erst in Form eines Vorschlages den persönlichen Wunsch einbringen. Es ist ein Riesen-Unterschied, ob man sagt: “Der letzte Ton muss ohne Vibrato sein!” oder ob man sagt: “Darf ich etwas vorschlagen? Spielen wir doch versuchshalber mal den letzten Ton ohne Vibrato, das könnte an dieser Stelle ein schöner Farbwechsel sein.”

Zudem sollte man nicht zu oft kritisieren. Etliche Probleme lösen sich von selber oder sind dem anderen Musiker gar bewusst. Auch hat man mehr Chancen, erhört zu werden, wenn man nicht allzuviel sagt.

6. Mehr spielen als diskutieren:

Es ist meine Auffassung, dass in einer guten Probe viel mehr gespielt als diskutiert wird. Endlose Diskussionen über Bogenstriche, Dynamik usw. strapazieren die Geduld der Teilnehmer und bringen das Ensemble häufig nicht wirklich voran. Bei jeder Idee, die man hat, sollte man sich fragen: Ist es wirklich wichtig? Haben wir genug Zeit, das jetzt zu diskutieren?

7. Ausgerüstet sein:

Bei Proben und Konzerten einen Bleistift, Notenständer sowie einen Bodenschutz mitbringen, damit man effizient arbeiten kann.

8. Partitur dabei haben: Es ist unendlich angenehmer, schnell etwas in der Partitur zu kontrollieren, anstatt zu mutmassen, was die Kollegen wohl in ihrer Stimme haben und dann falsch zu liegen. Auf imslp.org findet ausser den Komponisten des 20. und 21. Jahrhundert fast alles, was man braucht – gratis.

9. Bei zu erledigenden Arbeiten mitanpacken: 

Geht es bsp. darum, Probenräume zu reservieren, Homepage zu erstellen, Werbung zu machen, einen Anruf zu tätigen, Kopien zu machen, usw. dann sollte man mitanpacken und Tätigkeiten, die man gut machen kann, machen. Es ist wirklich eine Teamarbeit und wenn jeder mithilft, dann sind die Resultate besser.

10. Unkompliziert sein:

Der ideale Kammermusiker ist einfach im Umgang, weil er gut gelaunt ist, vorbereitet, pünktlich, zuverlässig, terminlich so flexibel wie es im möglich ist und aufgrund seiner exzellenten musikalischen Fähigkeiten und Vorbereitungsarbeiten auch im Zusammenspiel keine Probleme macht. Das ist alles wichtig, weil solche Leute öfters angefragt werden als der ständig schlecht gelaunte, chronisch unvorbereitete Musiker mit jeweils mindestens 15 min Verspätung.

Nicht nur für Musiker

6 grundlegende Tipps (nicht nur) für Musiker

Nicht nur für Musiker

Nicht nur für Musiker

1. Sei fleissig

Weil sie nicht oder kaum üben, klingen Faule Musiker ohne Ausnahme schlecht. Sie sind unvorbereitet und daher in jedem Ensemble ein Bremsklotz. Sie finden immer eine Ausrede: Sie üben nicht, weil sie keine Zeit haben, sie haben falsch gespielt, weil das Licht schlecht war oder weil der Kollege nebenan zu früh geblättert hat usw. Fakt ist aber: Niemand spielt gerne mit ihnen. Sei deshalb anders und mache das Gegenteil: Übe viel und bleibe somit fit auf deinem Instrument. Bereite deine Stimme immer vor und höre Aufnahmen von den zu spielenden Stücken, damit die Kollegen gern mit dir spielen.

2. Sprich nicht schlecht über andere Musiker

Hin und wieder gerät man in Gespräche, in denen schlecht über andere Musiker gesprochen wird. Auch wenn die zur Sprache stehenden Kollegen nicht über jeden Zweifel erhaben sind, sollte man vermeiden, selber negative Aussagen beizusteuern. Erstens bringt es nichts (der Kollege wird dadurch nicht besser). Zweitens kann man nur seine eigene Leistung kontrollieren und sollte daher dort ansetzen und vor der eigenen Haustüre kehren. Und drittens schädigt man seinen eigenen Ruf, wenn man über andere schlecht redet, weil die Leute das registrieren und einem mit der Zeit nicht mehr vertrauen. Ausserdem ist es schade um die Zeit.

3. Der eigene Ruf

Ein guter Ruf wird über Jahre aufgebaut, indem man kontinuierlich ausserordentlich gute Arbeit abliefert und sich vorbildlich verhält. Zwar kann man einen guten Ruf kaum über Nacht zerstören. Wenn man aber über längere Zeit die Zügel schleifen lässt, wird man mit der Zeit ein anderes Image haben. Man sollte daher immer versuchen, den guten Ruf zu bewahren, denn er ist sehr viel wert. Daraus folgt, dass man sich nie auf den Lorbeeren ausruhen darf, nie überheblich werden darf, nie auf andere herabschauen soll und immer gute Arbeit leisten muss.

4. Sei korrekt und anständig

Niemand will gerne mit unangenehmen Zeitgenossen zusammenarbeiten. Auf der anderen Seite wird man auch nicht automatisch mit allen dicke Freundschaften schliessen können. Aber das Vorbild sind hier für mich die Kollegen, welche immer korrekt und anständig sind, nie aus der Haut fahren und mit allen respekt- und taktvoll umgehen.

5. Respektiere die Hierarchien

Das ist ein schwieriger aber wichtiger Punkt. In einem Orchester etwa wird man mit einem Dirigenten schnell Probleme kriegen, wenn man seine Anweisungen ignoriert oder – noch schlimmer – das Gegenteil macht. Du musst in jeder Situation die Hierarchien verstehen und akzeptieren. Ein Zuzüger in einem Orchester ist bsp. einem regulären Mitglied untergeordnet. Der Solo-Cellist ist logischerweise der Chef der Celli. Der Konzertmeister steht wieder darüber usw. Dazu gibt es noch inoffizielle Hierarchien: Menschen, die aus irgendeinem Grund viel Gewicht und Einfluss zu haben scheinen. Wie ernst man inoffizielle Hierarchien nehmen muss ist mir selber auch nicht immer klar. Aber zumindest gedanklich sollte sich jeder damit auseinandersetzen.

6. Hoffe das Beste, erwarte das Schlimmste

Es ist immer gut, auf das Schlimmste vorbereitet zu sein: Für Musiker heisst das z. B.: Ein schlecht vorbereiteter Dirigent leitet das Konzert. Oder schummriges Licht, sodass man die Noten nicht gut lesen kann. Oder ein unbequemer Stuhl, suboptimale Akustik usw. Man kann fast alles beim Üben zu Hause in Betracht ziehen und sich darauf entsprechend vorbereiten. Und es zahlt sich aus, weil man nachher im Ernstfall dann für fast alle Fälle eine Lösung parat hat.

mozartputztseine

Sei nicht besser, sei anders

mozartputztseine

Jeder Cellist sollte jeden Tag versuchen, “besser” zu werden.

Cello spielen ist jedoch nicht wie der Hundertmeterlauf der Leichtathletik, bei dem man ganz klar erkennen kann, wer der schnellste und somit der beste ist. Spitzenmusiker in ihren Fähigkeiten zu beurteilen und zu klassifizieren ist ein höchst subjektives und letztlich unmögliches und unsinniges Unterfangen. Denn gerade wenn wir eine Auswahl an bestmöglichen Cellisten haben, wird es selbst für Experten nicht eindeutig klar sein, welcher nun der allerbeste ist. Und wenn dann jemand den Cellisten A besser findet, dann wird garantiert auch Cellist B seine Fans haben. Gleich wird es sich mit Cellistin C verhalten. Die gesamte Sache ist extrem subjektiv und es werden Kriterien wie Sympathie, Ausstrahlung, Aussehen usw. eine Rolle spielen.

1. Nicht versuchen, es allen recht zu machen

Für mich folgt daraus, dass man es gar nicht erst versuchen sollte, so zu spielen, dass es allen gefällt, denn das ist definitiv und absolut unmöglich. Es ist viel sinnvoller, so zu spielen, wie es dir selber gefällt. Denn dann gefällt es wenigstens einer Person, nämlich dir. Und die Tatsache, dass man es sich selber recht macht, wirkt in jedem Falle überzeugender auf eine Jury oder ein Publikum, als wenn man quasi telepathisch den Geschmack der Zuhörer zu erahnen versucht.

2. Anders sein

Es ist leider so, dass der Klassikmarkt gesättigt ist. Der unwahrscheinlichste Weg zum Erfolg ist daher der, alles gleich zu machen, wie es die Konkurrenz seit 200 Jahren zu tun pflegt. Irgendwie muss man sich von den anderen deutlich unterscheiden. Die potenziellen Fans brauchen etwas besonderes, mit dem sie sich identifizieren können, ansonsten wird man automatisch zum Einheitsbrei der zwar sehr guten, aber eben nicht wirklich profilierten Musiker gehören. Anders zu sein verlangt nach einer guten Portion Mut, zumal es nicht reichen wird, im Takt 56 der Sonate XY den Triller von unten zu beginnen, wenn alle anderen den Triller von oben machen. Die Unterschiede müssen wirklich klar erkennbar sein. Niemals sollte man dafür allerdings den eigenen guten musikalischen Geschmack opfern. Es geht viel mehr um kreatives Bewirtschaften der eigenen Stärken. Bist du sehr begabt im Arrangieren von Musik? Dann schreibe deine eigenen Arrangements und spiele die im Konzert. Traust du dir zu, zu komponieren? Versuch’s. Hast du Humor und kannst du gute Reden halten? Dann baue geistreiche Ansprachen in deine Konzerte ein etc. etc. die Möglichkeiten sind wohl unbegrenzt und jeder kennt seine eigenen Stärken am besten. Und ich bin nicht einmal sicher, ob das reichen wird…aber es ist immerhin mal ein Anfang und die Konzertveranstalter werden anfangen zu verstehen, warum sie gerade dich buchen sollten.

3. Distanz zum Publikum reduzieren

Die richtig fetten Klassikkonzerte (also die der grossen Sinfonieorchester und Kammermusikreihen) sind zwar ohne Frage von allerhöchster Qualität. Aber grundsätzlich ist für mich allgemein die Distanz zwischen Publikum und Künstler eher zu gross.

Was ich feststelle: Ich habe in meinem Leben viele Konzerte besucht. Und die, die mir wirklich ganz stark in Erinnerung bleiben, sind die, in denen der Dirigent oder der Solist oder die Musiker sich mit kurzen Kommentaren ans Publikum gewendet haben. Denn die gespielten Werke sind überall die gleichen und wiederholen sich darüberhinaus noch alle paar Jahre. Die Kommentare der Musiker sind aber immer anders und geben eine neue Perspektive. Man sieht das leider sehr selten, obschon es den Abend ungemein bereichert.

 

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Die Zukunft des Cellos

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Die Vergangenheit: Bach erhebt das Cello zum Solo-Instrument

Der erste Komponist, der das Potenzial des Cellos erkannt hatte, war kein geringerer als Johann-Sebastian Bach. Vor er mit seinen 6 Suiten für Solocello den Eckpfeiler im Repertoire eines jeden Cellisten setzte, waren Cellisten vor allem mit “Schrumm-Schrumm-Schrumm-Basslinien” beschäftigt (oder “Bum-Bum-Bum”, je nachdem). Mit solistischen Aufgaben wurde vor Bach kein Cellist betraut.

Die Gegenwart: Klavier ist Nr. 1, Geige ist Nr. 2, Cello ist Nr. 3

In der Folge schrieben weitere namhafte Komponisten wie Vivaldi, Boccherini und Haydn Werke fürs Cello, insbesondere Konzerte für Cello und Orchester. In der Klassik wurde das Cello mit seinem festen Platz im Streichquartett sowie im Klaviertrio kammermusikalisch bedeutend. Mit Beethoven, Brahms, Dvorak, Saint-Saëns, Elgar, Tschaikowsky, Schostakowitsch und vielen anderen namhaften Komponisten brach schliesslich die grosse Zeit des Cellos definitiv an. Es ist wohl unbestritten, dass das Cello heutzutage direkt nach Klavier und Geige das reichhaltigste Repertoire hat. Auch klar scheint mir, dass das Cello wiederum hinter dem Klavier und der Geige im Konzertleben den dritthöchsten Stellenwert innehat.

Die Zukunft: Cello vs. Klavier

So weit so gut. Wo das Cello aber aus meiner Sicht noch nicht genügend hoch eingeschätzt wird, ist in der Domäne der Solo-Rezitals. Das Klavier ist dort absolut unangefochten der König, was auch klar ist, da ein Klavier unangreifbare polyphone Möglichkeiten bietet und zudem über einen schier unerschöpflichen Fundus an Repertoire verfügt: Jeder Komponist von Rang und Namen hat für Soloklavier geschrieben, was nicht erstaunt, weil viele grosse Komponisten von Haus aus Pianisten waren. Namen wie Chopin, Liszt, Brahms, Beethoven, Haydn, Mozart, Bach u.s.w. kommen einem in den Sinn.

Man kann zwar sagen, dass Solo-Cello-Rezitals gang und gäbe sind, zumal auch fürs Solo-Cello eine beachtliche Bandbreite an Repertoire vorhanden ist und seit einiger Zeit eine Fülle an virtuosen Cellisten existiert, welche dieser heikel zu spielenden Literatur Herr ist. Und dennoch sollten Solo-Cello-Rezitals aus meiner Sicht noch viel häufiger stattfinden. Denn das Cello hat von allen Streichinstrumenten den sinnvollsten Tonumfang, da es sowohl richtige Bässe spielen kann, trotzdem aber auch glaubwürdig eine Melodie vortragen kann. Über die vielgelobte Klangschönheit des Cellos müssen wir gar nicht diskutieren. Und von der Klangvariabilität her ist ein Cello meiner Ansicht nach einem Klavier mindestens ebenbürtig, hat man doch vom Pizzicato über Ponticelloklänge bis hin zu all den verschiedenen Klangschattierungen des “normalen” Cellotones hin eine Vielzahl an wohlklingenden Möglichkeiten, welche sich auch noch genügend voneinander unterscheiden, um effektiv eingesetzt werden zu können. Was für ein Solorezital aber das Wichtigste ist, ist die Polyphonie oder die Möglichkeit, mehrere Töne oder gar Stimmen gleichzeitig und scheinbar unabhängig voneinander zu spielen. Niemand wird hier die Überlegenheit des Klaviers ernsthaft in Frage stellen, zumal man mit einem Klavier ganze Orchesterwerke wiedergeben kann. Dennoch sind die polyphonen Möglichkeiten eines Cellos ausreichend – vielleicht nicht für die Interpretation der Tannhäusern-Ouvertüre auf einem einzigen Solo-Cello, wohl aber für Komponisten, welche es verstehen, mit den spezifischen Möglichkeiten des Cellos zu arbeiten. Die Solo-Sonate von Veress z. B. bietet am Ende des ersten Satzes ein mehrstimmiges Fugato, welches sehr interessant ist. Auch Bach hat in der 5. Solo-Suite im ersten Satz eine Fuge realisiert. Weitere Cellokomponisten wie Duport, Piatti, Cassado u.a.m. haben mit ihren Werken qualitativ teilweise hochwertige Literatur hinterlassen. Auch in jüngerer Zeit haben sich viele Komponisten erfolgreich fürs Cello eingesetzt.

Es braucht im Solo-Cello-Repertoire noch ein Equivalent zu Chopin, Liszt und Co.

Dennoch wird es in Zukunft noch mehr hochwertige Solo-Literatur fürs Cello brauchen um nur schon quantitativ mit dem Klavierrepertoire konkurrenzfähig zu sein. Wir suchen also virtuose Cellisten, welche sich hinsetzen und meisterhaft gute, effektvolle Solo-Stücke fürs Cello schreiben und sie dann selber aufführen und populär machen. Die Stücke sollten eher tonal sein, weil das Cello im Solo-Bereich ein Equivalent zu den Werken Chopins, Liszts etc. am Klavier benötigt. Dann kann der Stellenwert des Cellos noch weiter gesteigert werden, zumal es last but not least immer günstiger ist, einen Solo-Cellisten zu engagieren, anstatt einen Flügel für ein Konzert anzumieten. Und Geld regiert die Welt, so ist das nunmal ;-)

 

Der echte Profi

Ab und zu arbeite ich mit Musikstudenten zusammen. Oft stelle ich dabei fest, dass der Unterschied zwischen einem erfahrenen Profi und einem angehenden Berufsmusiker nicht nur beim musikalischen Niveau liegt, sondern vor allem in der Professionalität. Jeder, der es als Musiker schaffen will – auch in nicht-klassischen Musikrichtungen – muss nebst einem Topniveau auf dem Instrument die im folgenden beschriebenen Tugenden meistern.

Pünktlich sein heisst: min. 15min zu früh sein: Als Musiker ist Pünktlichkeit eine Top-Priorität. Und pünktlich sein heisst nicht, dass man um 9h aufkreuzt, wenn die Probe auf 9h angesetzt ist. Nein: Man muss bereits 15min früher dort sein, sich einrichten, das Instrument stimmen, sich einspielen usw., so dass der Dirigent oder die Mitmusiker um 9h mit der Probe loslegen können. Definitiv inakzeptabel ist es, erst um 9h05 in die Probe zu kommen, weil der Zug um 9h im Bahnhof eintrifft. Oft muss man deswegen in den sauren Apfel beissen und eine halbe Stunde zu früh sein, weil der nächste Zug zu spät ist. Bei Konzerten sollte man darüber hinaus zusätzliche Pufferzeit einrechnen, da ein Zugausfall oder Verspätungen sehr unangenehme Folgen haben können. Im Orchester werden Verspätungen übrigens nicht toleriert. Ist man innerhalb von 2 Spielzeiten einmal zu spät, so gibt es ein Vermerk im Dienstplan. Beim zweiten Mal muss man aufs Büro. Beim dritten Mal…will ich lieber nicht wissen, was passiert.

Vorbereitet: Ein Ensemble ist immer nur so gut wie das schwächste Mitglied. Natürlich gibt es Leute, die supergut blattlesen. Aber so ganz reicht es normalerweise nie. Gewisse Stücke kann man vom Blatt passabel spielen. Andere nicht. Und passabel ist nicht gut. Aus Respekt vor den Kollegen und aus Rücksicht auf den eigenen Ruf, sollte man sich immer zu Hause auf eine Probe vorbereiten. D. h. nebst dem Üben etwa auch Noten kleben, falls es lose Kopien sind.

Ausgerüstet: Wer in eine Probe ohne Bleistift und Radiergummi kommt, hat einen sehr schweren Stand. Es geht den Kollegen auf die Nerven, wenn man immer um ein Schreibzeug bitten muss. Und zur Not einen Kugelschreiben zu verwenden ist fast genauso schlecht, da man oft mit Leihmaterial arbeitet und dort alle Eintragungen eines Tages wieder raus müssen. Abgesehen davon sollte man die Möglichkeit haben, Eintragungen schnell zu ändern, falls es neue Anweisungen gibt. Auch sollte man einen Notenständer dabei haben, wenn man das Gefühl hat, dass es nötig sein könnte (gute Alu-Notenpulte wiegen nur 600 Gramm). Bodenschutz ist oft auch sinnvoll.

Keine Allüren: Egal wie gut du bist und was du über berühmte Musiker gehört hast: Star-Allüren werden deiner Karriere schaden. Sei freundlich mit allen, sei flexibel, hilfsbereit und nicht zu anspruchsvoll.

Zuverlässig: Sorge dafür, dass du möglichst bereits in der ersten Probe fehlerfrei spielst und andernfalls in der zweiten Probe allfällige Schwächen ausgemerzt hast. Die Musikerkollegen und Dirigenten schätzen Musiker, auf die man zählen kann, weil sie immer richtig einsetzen, immer sauber spielen und rhythmisch immer einwandfrei sind.

Superstar-Karriere, Teil 2 von 2: Was können “Normalos” tun?

Im ersten Teil des Artikels haben wir über die Stars der Branche gesprochen und über die Gründe ihres Erfolges. Im zweiten Teil will ich nun über die Möglichkeiten aller “Nicht-Stars” nachdenken. Bestimmt gibt es noch viele andere Wege als die hier beschriebenen.

1. Nimm es locker

Nur die allerwenigsten werden Klassik-Superstar. Ich denke daher, dass das Wichtigste für alle anderen ein unbeschwerter Umgang mit dieser Tatsache ist. Es hat wirklich keinen Sinn, Neidgefühle zu entwickeln. Die wenigen Auserwählten sind sehr gut, hatten eine Verkettung glücklicher Zufälle, sind immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen und haben alles gegeben, um zu stehen, wo sie jetzt stehen. Sie sind deswegen nicht zwangsläufig die besten aber darauf kommt es nicht an. Vergessen wir auch nicht, dass der “Job” des Superstars finanziell zwar gut ist, vom Lebensrhythmus her aber wirklich eine steinharte Sache.

2. Führe ein erfülltes Musiker-Leben, unabhängig von der Liga, in der du spielst

Ich bin der Überzeugung, dass alle in ihrem jeweiligen musikalischen Umfeld einen wertvollen Beitrag leisten können und dadurch einen Unterschied machen können. Egal ob Student, Freelancer, Musikschullehrer, Tuttigeiger, Solo-Cellist, Konzertmeister oder Star-Solist: Wer jeden Tag versucht, dazuzulernen, besser zu werden, effizienter zu sein, das Umfeld mit einer positiven Persönlichkeit anzustecken, sich musikalisch noch besser ins Gesamte zu integrieren und das alles ohne zu verkrampfen, der wird ein glückliches Musikerleben führen. Auf der anderen Seite kann man auch jeden Tag unglücklich sein – selbst als Weltstar, davon bin ich überzeugt. Wir alle haben jeden Tag die Wahl.

3. Vermarkte dich selber

Der Klassikmarkt ist zäh und gesättigt. Dennoch gibt es Leute, die sich über Jahre hinweg in beharrlicher Art und mit viel Trial-and-Error bemerkenswerte Netzwerker- und Selbstvermarktungs-Fähigkeiten aneignen und daher konstant als Solisten und Kammermusiker spielen. Diese Leute können ihre Stelle im Orchester oder an der Musikschule zwar nicht an den Nagel hängen, aber ihr Musikerleben weist sehr viel Aktivität auf und ist hochinteressant, auch wenn sie öfter in der Provinz solieren als im KKL.

4. Sei anders

Damit meine ich nicht, dass du dir die Haare grün färben sollst, wenngleich das bestimmt einen gewisse Bekanntheit generieren könnte. Vielmehr denke ich, dass man nicht einfach ohne viel zu denken eingefahrene Pfade einschlagen sollte. Alle produzieren eine CD? OK, mache ich auch! – Nein, eben nicht: Wozu eine CD? Bringt das wirklich etwas für die Selbstvermarktung? Kann man damit überhaupt noch Geld verdienen? Reichen mp3s nicht auch? Ist Video nicht besser? Warum nicht bloggen, kann doch potenziell viel mehr Leute erreichen etc… Warum nicht seine eigene Musik komponieren? Die Welt ist voll von sehr leicht austauschbaren Künstlern, gehe einen Weg, der dich besonders macht.

5. Weite die “Kampfzone” aus

Ich glaube nicht, dass wir gegen die Starsolisten ankommen, wenn wir selber eine normale CD herausgeben, eine normale Homepage haben und auch sonst alles auf der normalen Ebene ablaufen lassen. Wenn wir aber spannende Blogs haben, eigene Kompositionen auf Youtube und andere kreative Ideen realisieren, dann könnte sehr wohl das eine oder andere Projekt ein Hit werden. Was, wenn z.B. dieser Blog eines Tages 50’000 Leser pro Woche haben sollte? So ein Traffic kann sehr gut alle meine anderen Aktivitäten populärer machen.

Superstar-Karriere, Teil 1 von 2: Gibt es Rezepte?

Um es vorweg zu nehmen: Ich glaube nicht, dass es Rezepte mit Erfolgsgarantie gibt. Es kann schlichtweg nicht jeder ein Superstar sein – die Plätze an der Sonne sind zu rar, die Demographie spricht dagegen. Vermutlich ist die Bezeichnung “Superstar” für klassische Musik ohnehin etwas übertrieben, da ein klassischer Musiker auch in extremen Fällen nie gleich bekannt sein wird wie zum Beispiel Barack Obama oder Tina Turner.

Doch zurück zum Thema. Ich selbst gehöre bekanntlich nicht zum erlesenen Kreise der Klassik-Superstars weshalb ich nicht für die 100-prozentige Richtigkeit der hier aufgestellten Thesen garantieren kann. Dies sind bloss meine Beobachtungen und Einschätzungen.

Top-Solisten brauchen keine Wettbewerbserfolge

Die meisten grossen Solistenkarrieren wurden nicht an einem internationalen Wettbewerb gestartet. Warum? Aus meiner Sicht ganz einfach: Wenn junge Musiker an einem Wettbewerb teilnehmen, sind sie zwischen 20 und 25 Jahre alt. Die Wettbewerbsteilnehmer sind Leute wie du und ich: Begabt, aber ohne ein Umfeld, dass schon früh alles auf eine Solistenkarriere “vorspurt”. Die zukünftigen Stars hingegen werden früh von ihren (Musiker-)Eltern auf die Realität vorbereitet (üben, üben, üben, gute Lehrer suchen und finden, und vor allem: Konzerte finden/organisieren sowie Klinken putzen…) Wie dem auch sei: Zum Zeitpunkt, zu dem die Leute wie du und ich dazukommen, Wettbewerbe zu bestreiten, haben die zukünftigen Superstars bereits 5-10 Jahre mit anfangs kleinen und dann graduell immer grösseren Konzertengagements hinter sich und brauchen gar keinen Wettbewerb mehr um ihre Karriere zu lancieren, da sie schon viel weiter sind. Wettbewerbsgewinner haben zwar ihren Preis und gehen nicht leer aus, da sie bestimmt grosse Fortschritte gemacht haben und vielleicht auch ein paar Konzerte kriegen – die zukünftigen Super-Stars haben aber bereits Konzertengagements, einen gewissen Bekanntheitsgrad, Kontakte und grosse Erfahrung.

(Bemerkung am Rande: ich bin recht froh, dass meine Eltern mir meine Kindheit und Jugend gelassen haben. Auch so ist mein jetziges Musikerleben spannend und auch unter den so genannten “Wunderkindern” schafft es bei weitem nicht jedes zur Weltkarriere – sprich: sie sind dann am Ende gleich weit wie du und ich, möglicherweise aber mit einem üblen Knacks, weil sie es nicht geschafft haben. Vermutlich hätte ich aufgehört Cello zu spielen, wenn man mich dazu gezwungen hätte. Der grosse Dirigent Georg Solti soll übrigens sinngemäss gewarnt haben, dass Eltern, welche ihre Wunderkinder “pushen” in 9 von 10 Fällen ihrem Kind grossen Schaden zufügen.)

Die Stars wissen, dass sie einzigartig sein müssen.

Alle guten Musiker sind technisch und musikalisch exzellent, aber sie sind sich vielleicht nicht ganz bewusst, dass es noch auf andere Sachen ankommt. Ein Star muss ein einzigartiges Charisma besitzen, um eine 2000 Menschen zählende Zuhörerschaft in einem relativ steifen klassischen Konzert zu fesseln. Was genau Charisma ist, ist schwierig zu beschreiben. Ein gutes Aussehen ist sicher ein Plus, aber es reicht nicht. Viel wichtiger ist ein von A-Z überzeugender und souveräner Auftritt auf und neben der Bühne.

Sie sind supergut

Der Star muss besonders gut sein, ohne das geht es nicht. Er hat tausende, wenn nicht zehntausende von Stunden geübt, bevor er ein Star wurde. Er muss in der Lage sein, permanent 5-10 Instrumentalkonzerte “KKL-reif” präsentieren zu können. Auch wenn er nicht immer 100% geben kann, muss seine Leistung immer akzeptabel sein.

Sie treten auf wie die Nummer 1

Das Dilemma, das ich bei vielen Musikern vermute: Selbst wenn man in seinem Leben zehntausende Stunden geübt hat und super gut spielt, wird es immer irgendwo Musiker geben, die noch besser sind. Das drückt auf das Selbstbewusstsein. Für Solisten ist es nicht besser: In jedem Orchester gibt es den einen oder anderen Musiker, der den Starsolisten jederzeit um die Ohren geigen würde. Aber Stars können das irgendwie verdrängen und sich dem Publikum trotzdem selbstbewusst als “Nummer 1” zeigen.

Die Stars schaffen es in eine schlagkräftige Agentur

Machen wir uns nichts vor: Niemand wird einfach bei den New Yorker Philharmonikern oder bei jedem anderen Profi-Orchester der Welt anrufen können um zu fragen, “darf ich nächstes Jahr bei euch Dvorak-Konzert spielen?” und auf diese Weise zu Engagements in dieser Liga kommen. Die Sinfonieorchester der Welt lassen sich ihre Solisten von einer Hand voll Top-Agenturen liefern. Wie man in so eine Agentur kommt, dort die Manager überzeugt und auch auf dem so genannten “Roster” bleiben kann ist vermutlich eine der kritischen Knacknüsse, wenn man ein Solist werden will. Die oben genannten Punkte könnten helfen.

Sie bauen sich mächtige Netzwerke auf

Die Stars und ihre Agenturen haben sich über die Jahre in aufwendiger Kleinarbeit ein Beziehungsnetz mit mächtigen Freunden und Partnern geflochten.

Die Stars sind ein überzeugendes Produkt

Exzellent Cello spielen können sehr viele. Die Stars haben daher noch ein paar andere Pfeile im Köcher. Durch ihre Leistungen und mit Hilfe ihrer Managements haben sie über die Jahre Weltbekanntheit erreicht, die es ihnen ermöglicht, grosse Konzertsäle auf der ganzen Welt mit Publikum zu füllen. Für die Konzertveranstalter sind sie deswegen ein attraktives Produkt, denn im Gegensatz zu anderen guten Musikern spielen sie nicht nur gut, sondern füllen auch den Saal mit Publikum, womit sie eine der primären Sorgen eines jeden Konzertveranstalters aus der Welt schaffen.

Sie akzeptieren die Entbehrungen des Lebens aus dem Koffer

Ein Topsolist ist ständig unterwegs und das meistens allein. Er sieht in seiner Karriere vor allem Flughäfen, Flugzeuge von aussen und innen, Taxis von aussen und innen, Konzertsäle und Hotelzimmer und wechselt dabei ständig zwischen allen möglichen Zeitzonen. Er spielt Jahr für Jahr zwischen 100 und 150 Konzerte und eilt dazwischen von Presseterminen zu Treffen mit Orchestermanagern und Konzertveranstaltern. Ein normales Familienleben kann so nicht stattfinden. Nicht jeder will so leben, die Solisten aber offenbar schon.